Rente / 03.05.2018

"Für angemessene Renten Reformen nötig"

EU-Sozialkommissarin: Jede Rentnerin und jeder Rentner hat ein Anrecht auf ein würdevolles Leben.

Brüssel (sth). Die EU-Kommisssion hält weitere Reformen der 28 EU-Staaten für nötig, um auch künftig nachhaltige und zugleich angemessene Renten zahlen zu können. Das geht aus dem jetzt von der EU-Kommission vorgelegten neuen Bericht zu angemessenen Renten hervor (siehe Link unten). EU-Sozialkommissarin Marianne Thyssen erklärte bei der Vorlage des Berichts: "Jede Rentnerin und jeder Rentner hat ein Anrecht auf ein würdevolles Leben." Angemessene Renten seien "grundlegend, um Armut und soziale Ausgrenzung von älteren Menschen in Europa, besonders von Frauen, zu verhindern", so Thyssen.

"Wir müssen sicherstellen, dass Menschen in atypischen Beschäftigungsverhältnissen (Teilzeitarbeit, Leiharbeit, Minijobs, befristete Arbeitsverhältnisse, d. Red.) und Selbstständigkeit nicht außen vorgelassen werden", sagte die belgische Sozialpolitikerin weiter. "Unsere Priorität ist es, Reformen zu unterstützen, die angemessene Renten für alle vorsehen." Zudem sollten die Rentensysteme in den EU-Staaten mit Blick auf die steigende allgemeine Lebenserwartung ein längeres Erwerbsleben unterstützen, forderte Thyssen. Der Bericht zu angemessenen Renten wird alle drei Jahre von der EU-Kommission und dem Komitee für Sozialschutz vorgelegt.

Mitgliedstaaten sollten Geschlechterungleichheit bei Renten verringern

Dem neuen Bericht über angemessene Renten zufolge sollten die Mitgliedstaaten auch mehr unternehmen, um die Geschlechterungleichheit bei den Renten zu verringern. Dazu müsse eine Gleichstellungspolitik erreicht werden, die zum Beispiel die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie eine gerechtere Aufteilung der Betreuung von Kindern und pflegebedürftigen Angehörigen fördere. Im März hatte die EU-Kommission bereits eine Empfehlung für den Zugang von Arbeitnehmern und Selbstständigen zum Sozialschutz vorgelegt. Die Empfehlung sieht vor, formale Lücken bei der Absicherung zu schließen, damit sich Arbeitnehmer und Selbstständige in vergleichbaren Situationen Sozialversicherungssystemen anschließen können und sie eine angemessene Absicherung erreichen können.

Obwohl heute 1,9 Millionen ältere Europäer weniger vom Armutsrisiko betroffen sind als noch vor zehn Jahren, besteht nach Ansicht der EU-Kommission für 17,3 Millionen Arbeitnehmer über 65 Jahren ein "Risiko von Armut oder sozialer Ausgrenzung". Zwischen den Mitgliedstaaten und den Geschlechtern bestünden jedoch weiterhin große Unterschiede, heißt es in dem EU-Bericht. So seien die Renten von Frauen "immer noch 37 Prozent geringer als die von Männern aufgrund geringerer Löhne, kürzerem Erwerbsleben sowie Pflege und Betreuung". 

Mehr zum Thema:

The 2018 Pension Adequacy Report: current and future income adequacy in old age in the EU

Volume I: http://ec.europa.eu

Volume II: http://ec.europa.eu

Link zum neuen EU-Bericht über angemessene und nachhaltige Renten (in englischer Sprache) 

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Autor

Stefan Thissen