Soziales / 22.06.2018

Fußbürste bis Drehhilfe

Kleine Alltagshelfer für Senioren machen das Leben bei beginnender Arthrose oder Schwerhörigkeit angenehmer und sicherer

Düsseldorf (dpa/tmn). Eigentlich geht es noch ganz gut. Die Füße tragen einen einigermaßen, selbst kochen geht noch, und bis zum Supermarkt schafft man es unfallfrei. Aber hier und da zwackt und zwickt es eben doch: Die Hände sind nicht mehr so kräftig, das Bücken fällt zunehmend schwer, und die Schulter schmerzt angesichts der beginnenden Arthrose.

Die ganze Wohnung umbauen muss nicht, wer solche Beschwerden hat. Kleine Alltagshelfer machen das Leben leichter und belasten auch die Geldbörse nicht allzu sehr.

Badezimmer checken

„Als Erstes sollte man das Badezimmer unter die Lupe nehmen“, sagt Martina Koepp, Geschäftsführerin der Deutschen Gesellschaft für Gerontotechnik.

Dort sorgen zum Beispiel Griffe an der Dusche oder Badewanne für besseren Halt. Es gibt Bürsten, die mit Saugnäpfen am Boden der Dusche haften, und die die Füße ganz ohne Bücken schrubben. Oder spezielle Haarkämme mit langen Stielen, die eine geringere Bewegung in der Schulter erlauben.

Selbst für das leidige Zahnpastaproblem gibt es eine Lösung: eine kleine Walze, durch die sich die Tube drehen und so auch der letzte Rest noch herausquetschen lässt.

Viele Toiletten sind zudem viel zu tief angebracht für ältere Menschen, sagt Yvonne Jahn, stellvertretende Vorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungsanpassung. „Das Problem kann man mit einer Toilettensitzerhöhung lösen.“

Küchenhelfer

Zweites großes Thema: die Küche. „Selbst kochen zu können bedeutet für viele Menschen, ein Stück ihrer Würde, ihres Selbstbewusstseins, zu erhalten“, erklärt Koepp.

Sind die Hände aber morgens steif, ist es quasi unmöglich, ein verschlossenes Marmeladenglas zu öffnen. „Dafür gibt es von unterschiedlichen Herstellern Hilfen zum Öffnen.“ Messer mit speziell geformten Griffen ermöglichen sicheres Schneiden ohne die Hand abknicken zu müssen.

In der Küche spielt natürlich auch das Thema Sicherheit eine Rolle: Auch für Angehörige sei es häufig eine große Erleichterung, wenn über dem Herd ein sogenannter Herdwächter angebracht wird. Das Gerät warnt zum Beispiel, wenn ein Topf auf dem Herd vergessen wurde.

Die neueste Generation dieser Geräte gibt nicht nur ein lautes Signal ab, wenn etwas anbrennt – sie schaltet den ganzen Herd einfach ab.

Brandschutz ist besonders wichtig

Brandschutz sei generell ein wichtiges Thema für ältere Menschen, sagt Koepp. Neubauwohnungen müssen bereits mit Brandmeldern ausgestattet sein, unabhängig vom Alter der Bewohner. In älteren Gebäuden kann man sie ganz einfach nachrüsten.

Für ältere Bewohner gibt es Zusatzgeräte, die neben einem akustischen auch ein optisches Signal abgeben. Verhältnismäßig neu auf dem Markt sind kleine Kästchen, die man als Ergänzung zum Rauchwarnmelder unter das Kopfkissen legt. Sie vibrieren, wenn es brennt. So wacht auch auf, wer nicht mehr richtig hört.

In manchen Fällen kann man sich solche Zusatzgeräte übrigens auch vom Arzt verordnen lassen: „Dafür gibt es eine Hilfsmittelzulassung“, sagt Koepp.

Schlafzimmer

Im Schlafzimmer schließlich ist die Höhe des Betts manchmal ein Problem. Nicht nur am Abend, wenn man müde hineinplumpst, auch morgens, wenn man sich wieder hochhieven muss, ist ein zu niedriges Bett ungünstig.

Ein neues muss deshalb nicht her. Das alte lässt sich ganz einfach mit kleinen Erhöhungen in die gewünschte Position bringen.

Halt und Barrierefreiheit in der Wohnung

Für manches kleine Problem braucht es allerdings gar keine Hilfsmittel. Christine Sowinski von Kuratorium Deutsche Altershilfe rät, einfach mal mit offenen Augen durch die Wohnung zu gehen: Lässt sich das Schränkchen vielleicht so verschieben, dass es einem nicht andauernd vor den Füßen steht – sondern man sich im Gegenteil auf dem Weg in die Küche daran festhalten kann?

Festhalten – das sei überhaupt ein sehr wichtiges Thema, ergänzt Jahn. Denn Stürze können in der Pflegebedürftigkeit münden, auch bei Menschen, die vorher recht fit waren. „Ich rate, wirklich alle Stolperfallen aus dem Weg zu räumen“, sagt die Wohnexpertin.

Teppichkanten kann man zum Beispiel festkleben. Außerdem lohne es sich, Haltegriffe anzubringen, wo man sich gern an der Wand entlang hangelt. Auch Licht spielt eine Rolle – vor allem nachts. Nachtlichter für die Steckdosen beleuchten zum Beispiel den Weg zur Toilette.

Ein praktischer kleiner Sturzvermeider sind Jahn zufolge auch Griffverlängerungen für Fenster. „Wer so was hat, kommt bestenfalls nie wieder auf die Idee, auf einen Hocker zu steigen, um ein Fenster zu öffnen oder zu schließen“, sagt sie. Viele Unfälle passieren bekanntlich im Haushalt.

Beratung zu Alltagshelfern

Was der Einzelne nun gebrauchen kann von all diesen vielen kleinen Alltagshilfen – das ist so individuell wie ein Fingerabdruck. Hilfe bekommen Interessierte zum Beispiel bei Wohnberatungsstellen. „Da lohnt es sich aber, für Hausbesuche eines Experten Preise zu vergleichen“, sagt Jahn.

Manche bieten das ihr zufolge kostenlos an, bei anderen wird ein Honorar in unterschiedlicher Höhe fällig. Eine kostenlose Beratung zu kleinen Alltagshelfern bekommt man auch im Sanitätshaus.

Sowinski rät, die Kataloge einfach mal durchzublättern und sich inspirieren zu lassen. Entscheidet sich jemand für eine Hilfe, notiert er sich am besten gleich, wie sie korrekt bezeichnet wird.

Denn wenn es eine medizinische Notwendigkeit für die Anschaffung gibt, lohnt es sich, den Arzt nach einer Verordnung zu fragen. Manch einen Alltagserleichterer zahlt dann die Kasse.

Autor

 Deutsche Presseagentur – Themendienst