Soziales / 31.10.2018

Geburtenziffer: "Baby-Boom" legt Pause ein

2016 stieg die Geburtenziffer besonders stark. Doch 2017 sinkt sie erstmals seit Jahren wieder. Spitzenreiter bleiben die neuen Bundesländer.

Wiesbaden (mjj). Die Freude war groß: Im letzten Jahr vermeldete das Statistische Bundesamt für 2016 durchschnittlich 1,59 Kinder je Frau. Seit 2011 steigt diese Zahl. Verwundert rieb sich die Politik die Augen und konstatierte die Zahl als Erfolg ihrer Familienpolitik: Recht auf einen Kindergartenplatz, Verbesserungen im Mutterschutzgesetz, Elterngeld und ElterngeldPlus – die familienpolitische Reformgießkanne zeige Wirkung. Doch jetzt die kleine Ernüchterung: Heute melden die Statistiker, dass die Zahl der geborenen Kinder im Jahr 2017 mit rund 785.000 Babys um etwa 7.000 niedriger war als im Jahr 2016. Im Durchschnitt wurden 1,57 Kinder je Frau zwischen 15 und 49 Jahren geboren. 

Die Geburtenziffer der Frauen mit deutscher Staatsangehörigkeit sank dabei geringfügig von 1,46 auf 1,45 Kindern je Frau. Bei den Frauen mit ausländischer Staatsangehörigkeit sank die Zahl von 2,28 auf 2,15 Kinder je Frau.

Spitzenreiter Brandenburg

Ein Muster schreibt sich fort: Die Geburtenziffer der Mütter aus den neuen Bundesländern ist weiterhin höher als in den alten Ländern (1,61 versus 1,58 Kindern je Frau ). Kein Wunder, dass ein ostdeutsches Bundesland die Liste anführt  - Brandenburg mit 1,64 Kindern. Hinzu kommt, dass Frauen in den östlichen Bundesländern mit knapp 29 Jahren rund 11 Monate früher Kinder bekommen. Die niedrigste Geburtenziffer von 1,48 Kindern je Frau wies 2017 Berlin auf, dort wo die Familienpolitik gemacht wird. 

Jahrgang 1968 weist geringste Geburtenrate aus

Das Ende des gebärfähigen Alters setzen die Statistiker mit 49 Jahren an. Das haben 2017 Frauen des Jahrgangs 1968 erreicht. Sie bekamen durchschnittlich 1,49 Kinder pro Frau. Kein anderer Jahrgang habe so wenig Nachwuchs bekommen. "Bei Frauen der folgenden jüngeren Jahrgänge bis voraussichtlich Ende der 1970er Jahre wird die endgültige durchschnittliche Kinderzahl höher als beim Jahrgang 1968 sein", so das Statistische Bundesamt. Zwar hätten diese Jahrgängen noch nicht das Ende der gebärfähigen Phase erreicht, dennoch sei bei ihnen die bereits erreichte Kinderzahl je Frau zum Teil schon jetzt höher als beim Jahrgang 1968.

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Autor

Michael J. John