Finanzen / 04.02.2021

Geldanlage am Handgelenk: Lohnen Luxusuhren als Investment?

Auf begehrte Klassiker müssen Käufer mehrere Jahre warten: Luxusuhren erleben einen Boom, auch wegen der Niedrigzinsen.

Geldanlage am Handgelenk: Lohnen Luxusuhren als Investment? – Armbanduhr von Rolex, Detail..

Düsseldorf/Köln (dpa/tmn). Eine feine Uhr kann für den Träger vieles sein: Schmuckstück, Statussymbol, die Belohnung für das Erreichen eines bestimmten Karriereziels – oder all dies zusammen. Doch taugt eine hochwertige, mechanische Uhr auch als Investment?

Investieren in Luxusgüter

„Luxusgüter wie Kunst und Uhren haben im Vergleich zu Aktien einen eher persönlichen Wert, der von Knappheit definiert ist“, erklärt Nicolas Pilz, Geschäftsführer der Societas Vermögensverwaltung. Im Vergleich zu Wertpapieren oder auch Immobilien gebe es keine klassischen Bewertungsmethoden, die den gehandelten Wert oder Preis wirtschaftlich festlegen.

Nachteil: „Im Falle eines wirtschaftlichen Crashs sind Luxusgüter nur schwer zu veräußern, da auch potenzielle Käufer ihr Geld dann zusammenhalten.“ Trends und Werte änderten sich zudem im Laufe der Zeit: „Ob in 20 Jahren eine Rolex noch zu dem Preis verkauft werden kann wie aktuell, weiß niemand“, sagt Pilz. Uhren seien daher keine eigene Anlageklasse.

Dennoch gibt es Uhren, die in den vergangenen Jahren im Wert kräftig zugelegt haben – es ist aber nur ein Bruchteil aller Modelle. Man muss sich also gut auskennen oder beraten lassen.

Wie der Hype um bestimmte Luxusuhren funktioniert

Die Modelle werden auf dem Graumarkt weit über dem Listenpreis gehandelt, zu dem der Hersteller die Uhr verkauft. Wer etwa die Submariner direkt von Rolex haben möchte, muss sich auf die Warteliste setzen lassen – und im Zweifel mehrere Jahre warten. Oder er hat ein besonders gutes Verhältnis zu seinem Konzessionär.

„Wer die Uhr dann weiterverkauft, bekommt deutlich mehr, als er bezahlt hat“, erklärt Uhren-Youtuber Marcus Finger, der viele Jahre mit Uhren gehandelt hat und mittlerweile eine eigene Marke hat. „Die Differenz kann bei den begehrten Modellen bei vielen Tausend Euro liegen.“ Das ist der Gewinn, der sich einstreichen lässt. Doch dafür muss man die begehrte Uhr zum Listenpreis bekommen – schwierig.

Den Hype um Rolex erklärt sich laut Finger durch eine Mischung aus hoher Nachfrage und teils künstlicher Verknappung. Wobei Rolex-Uhren durchaus ein Massenprodukt sind, Branchenkennern zufolge werden jährlich mehrere Hunderttausend Stück gefertigt. Trotzdem kann Rolex als Stiftung die Produktion drosseln und braucht den begierigen Markt nicht zu sättigen. Patek Philippe und AP sind Familienunternehmen, die ohnehin sehr viel geringere Stückzahlen produzieren.

Das Risiko einer Blase

Eine Uhr günstig kaufen, um sie irgendwann teurer weiterzuverkaufen, ist aus Sicht der Experten eine Wette darauf, dass der Hype anhalten wird. „Bei Beratungen weisen wir immer darauf hin, dass man nicht in die Zukunft schauen kann“, sagt Henri von Laufenberg. Es gebe natürlich Tendenzen. „Jeder, der Geld im Überfluss hat, wird immer das kaufen, was selten ist und gesellschaftlich als Gegenwert akzeptiert und somit Wertstabilität bietet.“ Das Pendant zur Rolex-Uhr des Mannes sei bei Frauen die Hermès-Handtasche.

„Man kann nicht voraussagen, ob eine gehypte Uhr in fünf oder zehn Jahren noch mal deutlich mehr wert sein wird“, betont auch Finger. „Das kann genauso gut eine Blase sein, die irgendwann platzt.“

Werterhalt statt Wertzuwachs

„Etwa 98 Prozent aller Luxusuhren erfahren keine Wertsteigerung.“ Und das gelte auch für Modelle renommierter Luxushersteller wie Jaeger-LeCoultre, Omega und Breitling, die zwar großes Prestige haben, aber selten Wertsteigerungspotenzial.

Was die meisten Luxusuhren aus Sicht von Finger aber durchaus bieten, ist Werterhalt. Und das gilt auch für die „Einstiegsmodelle“, die eher 2.500 statt 15.000 Euro kosten. „Eine Uhr auch mit dem Gedanken an den Werterhalt zu kaufen, finde ich völlig legitim.“ Voraussetzung ist, dass man die Uhr nicht zu teuer kauft.

„Ich würde niemandem empfehlen, eine Uhr zum Listenpreis zu kaufen. Wenn ich mit der Uhr aus dem Laden gehe, hat sie oft 20 bis 30 Prozent an Wert verloren“, erklärt Finger. „Das ist vergleichbar mit einem Neuwagen.“ Der Experte rät, mit dem Konzessionär über den Preis zu sprechen, wenn es sich um Neuware handelt. „Bei freundlichem Verhandeln sollten 5 bis 15 Prozent Nachlass kein Problem sein.“

Alternativ lohnt sich der Kauf einer gebrauchten Uhr. Hier kann man sich auf den großen Handelsplattformen wie Chrono24.de über den Preis informieren, zu dem die Uhr aktuell ungefähr gehandelt wird. Am besten beobachtet man sein Wunschmodell eine Weile, bevor man zuschlägt. Wichtig für den Werterhalt ist vor allem, dass die Originalbox und die Originalpapiere vorhanden sind. Die Uhr sollte dann nach dem Erwerb zwar pfleglich behandelt werden. „Minikratzer werden dem Wert aber keinen Abbruch tun“, sagt Finger.

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 Deutsche Presseagentur – Themendienst