Gesundheit / 25.04.2018

Geldverschwendung bei Zahnspangen?

Rechnungshof zweifelt an Nutzen mancher kieferorthopädischen Behandlung – Eltern sollten Zweitmeinung einholen

Berlin/Bonn (dpa/tmn/kma). Hunderttausende Kinder und Jugendliche tragen eine Zahnspange – damit schiefe Zähne wieder gerade gerückt werden. Für kieferorthopädische Behandlungen wenden die Krankenkassen pro Jahr mehr als eine Milliarde Euro auf – doch der medizinische Nutzen sei nur unzureichend erforscht, kritisiert nun der Bundesrechnungshof. Es ist einer von den Fällen, in denen der Rechnungshof Geldverschwendung wittert. Aktuelle Prüfergebnisse wurden am Dienstag veröffentlicht.

Der Rechnungshof moniert, dass dem Gesundheitsministerium und den Krankenkassen bei kieferorthopädischen Behandlungen wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse über Wirkung und Nutzen fehlten. Zudem hätten sie keinen Überblick, mit welchen kieferorthopädischen Leistungen die Bevölkerung konkret versorgt werde. Es fehlten bundesweite Daten, zum Beispiel über Art, Dauer und Erfolg der Behandlung oder der zugrundeliegenden Diagnosen. Hinweisen auf diesen Missstand sei das Ministerium seit Jahren nicht nachgegangen. "Auch im Sinne der Patienten ist zu klären, welche Leistungen zu Behandlungserfolgen führen", sagte Rechnungshof-Präsident Kay Scheller. In anderen Leistungsbereichen der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) müsse der Nutzen einer Therapie wissenschaftlich bestätigt sein. "Das sollte auch bei kieferorthopädischen Behandlungen der Fall sein."

Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) wies die Vorwürfe im Grundsatz zurück – sieht aber trotzdem Verbesserungsbedarf. "Die Leistungen müssen dem GKV-Prinzip entsprechend ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich sein und dürfen das Maß des Notwendigen nicht überschreiten", sagte eine Sprecherin. Die Krankenkassen übernähmen die Kosten nur für Kinder und Jugendliche zwischen 10 und 18 Jahren. Und dies unter bestimmten Voraussetzungen – wenn die Patienten ausgeprägte Zahnfehlstellungen und Kieferanomalien hätten, deren Korrektur aus medizinischen Gründen notwendig beziehungsweise dringend erforderlich erscheine.

Eltern sollten zweite Meinung einholen

Sind Eltern unsicher, ob das Kind wirklich eine Zahnspange braucht, können sie einen weiteren Termin bei einem anderen Kieferorthopäden vereinbaren. Darauf weist die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz in der Broschüre "Kieferorthopädie bei Kindern" hin. Je mehr Informationen die Beteiligten hätten, desto leichter falle die Entscheidung für oder gegen eine Behandlung. Auch in welcher Form – mit herausnehmbarer oder fester Zahnspange – behandelt werden soll, wird so im Idealfall klarer.

Gilt die Behandlung als medizinisch notwendig, übernimmt die Krankenkasse beim ersten Kind zunächst 80 Prozent der Kosten. 20 Prozent schießen die Eltern vor. Diese werden bei erfolgreichem Abschluss der Behandlung erstattet. Beim zweiten Kind zahlt die Kasse sofort 90 Prozent. Gar nicht erstattet werden private Zusatzleistungen wie beispielsweise zahnfarbene Brackets, Titanbögen oder spezielle Versiegelungen. Oftmals sei der Nutzen dieser Leistungen nicht erwiesen, erläutern die Verbraucherschützer.

Eltern sollten sich nicht drängen lassen, solche Angebote anzunehmen, sondern in Ruhe darüber nachdenken. Der Zahnarzt darf eine Behandlung nicht davon abhängig machen, ob Zusatzleistungen gebucht werden oder nicht.

Weitere Informationen

www.kostenfalle-zahn.de

Die Broschüre und weitere Informationen gibt es auf der Seite www.kostenfalle-zahn.de der Verbraucherzentralen

Autor

 Deutsche Presseagentur