Soziales / 23.07.2019

Geringqualifizierte weiter fördern

IW-Studie: Öffentliche Weiterbildungsförderung stark gestiegen – Am meisten profitieren Menschen ohne Berufsabschluss

Bild zum Thema Unqualifizierte weiter fördern: Halle in einer Arbeitsagentur mit Stellwand und Logo.

Bad Homburg/Köln (kjs/IW). Nach einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) sollte die Bundesagentur für Arbeit (BA) weiterhin Personen ohne (verwertbaren) Berufsabschluss fördern, da diese am meisten von Weiterbildung profitieren und ein zusätzliches Fachkräftepotenzial darstellen. Insbesondere eine stärkere Unterstützung von Arbeitnehmern im ALG II-Bezug sei notwendig, da sie häufig Qualifikationsdefizite und selten Zugang zur betrieblichen Weiterbildung haben.

Qualifizierte Fachkräfte sind erforderlich

Der Bildungsstand und die beruflichen Fähigkeiten beeinflussen die Möglichkeiten des Einzelnen, Einkommen zu erzielen und am sozialen Leben teilzuhaben. Qualifizierte Fachkräfte sind die Basis für Wohlstand, da sie die Innovations- und Leistungsfähigkeit der Unternehmen begründen.

Die BA finanziert verschiedene Formen von Weiterbildungsmaßnahmen. Nach den aktuellen Daten sind 17,9 Prozent der Personen ohne Berufsabschluss arbeitslos, aber nur 3,9 Prozent der Personen mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung und 2,3 Prozent der Akademiker. In Zeiten von Fachkräfteengpässen sollten nach der Studie des IW das Potenzial von (arbeitslosen) Geringqualifizierten genutzt werden, indem sie für qualifizierte Tätigkeiten weitergebildet werden.

Förderung nach dem SGB III hat sich verdoppelt

Die Förderung der beruflichen Weiterbildung nach dem Sozialgesetzbuch (SGB III), die aus Beitragseinnahmen der Arbeitslosenversicherung finanziert wird, hat sich seit dem Jahr 2006 auf 1,29 Milliarden Euro mehr als verdoppelt. Während der Finanz- und Wirtschaftskrise in den Jahren 2009 und 2010 sind die Ausgaben stark gestiegen, da viele Unternehmen die Zeit der Auftragsrückgänge für Qualifizierungen genutzt haben, die zum Teil von der BA intensiv gefördert wurden.

Die Ausgaben je Arbeitslosen nach dem SGB III haben sich zwischen den Jahren 2006 und 2018 von 325 Euro auf 1.605 Euro verfünffacht. Die Ausgaben je Teilnehmer haben sich – bei sinkender Arbeitslosenzahl – fast verdoppelt und betrugen im Jahr 2018 rund 14.000 Euro. Diese Steigerung ist auch dadurch bedingt, dass der Anteil an Maßnahmen, die zu einem Berufsabschluss führen, von 36,8 auf 46,4 Prozent gestiegen ist.

Diese Weiterbildungsmaßnahmen sind von längerer Dauer und damit teurer; gleichzeitig erhöhen sie die Arbeitsmarktchancen der Teilnehmer nachhaltig. Die steigende Bedeutung zeigt sich auch darin, dass sich die Zahl der Teilnehmer je 1.000 Arbeitslosen seit 2006 von 4,5 auf 17,5 Personen fast vervierfacht hat. Förderung von Beschäftigten und Unternehmen wurde ausgeweitet. Mit dem Qualifizierungschancengesetz wurden die Fördermöglichkeiten für Weiterbildung Anfang 2019 deutlich ausgeweitet.

Weitere Informationen

www.iwkoeln.de
Der vollständige IW-Kurzbericht 45/2019 auf der Internsetseite des IW

Autor

Karl-Josef Steden