Soziales / 08.05.2019

Geschlechter-Lohnlücke von Region abhängig

IAB: An starken Industrie-Standorten verdienen Männer deutlich, in Regionen mit starkem öffentlichen Dienst liegen auch Frauen vorn.

Bild zum Beitrag "Geschlechter-Lohnlücke". Das Bild zeigt eine Frau und einen Mann im Großraumbüro.

Nürnberg (iab/sth). Im bundesweiten Durchschnitt erhalten vollzeitbeschäftigte Männer rund 21 Prozent mehr Lohn oder Gehalt als Frauen. Je nach regionaler Wirtschaftsstruktur können allerdings auch Frauen in der Gehaltstabelle vorn liegen. So verdienen in Cottbus Frauen in Vollzeit-Jobs rund vier Prozent mehr als voll beschäftigte Männer, ebenso in Frankfurt/Oder, Dessau-Roßlau und Schwerin. Das geht aus einer am Dienstag veröffentlichten Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) bei der Bundesagentur für Arbeit hervor. Unterschiede bei Qualifikation, Berufswahl und Arbeitserfahrung seien bei dieser sogenannten unbereinigten Lohnlücke "nicht berücksichtigt", so das IAB.

Frauen unterbrechen wesentlich häufiger als Männer ihre Erwerbstätigkeit für Kindererziehung und Familienphasen. „Als Folge müssen Frauen einen Lohnabschlag aufgrund familienbedingter Erwerbsunterbrechungen in Kauf nehmen“, schreiben die IAB-Arbeitsmarktforscherinnen Michaela Fuchs, Anja Rossen, Antje Weyh und Gabriele Wydra-Somaggio. Frauen arbeiten zudem häufig im Büro-, Dienstleistungs- oder Gesundheitsbereich. Tätigkeiten in diesen Bereichen sind meistens nicht nur mit einem geringeren Verdienst, sondern auch mit flacheren Karriereverläufen verbunden. Außerdem sind Frauen häufiger in kleinen Betrieben tätig. Damit profitieren sie nicht im gleichen Ausmaß wie Männer von den im Durchschnitt höheren Löhnen in Großbetrieben.

Lohnfaktoren regional sehr unterschiedlich

Viele dieser Faktoren sind je nach Region unterschiedlich stark ausgeprägt. "Es hängt sehr stark von den konkreten Beschäftigungsmöglichkeiten vor Ort ab, ob und wie viel Frauen weniger verdienen als Männer“, erklären die Forscherinnen. Auf Kreisebene betrachtet unterscheidet sich die unbereinigte Lohnlücke daher erheblich. Im Bodenseekreis, in Ingolstadt oder im Landkreis Dingolfing-Landau verdienen vollzeitbeschäftigte Frauen beispielsweise rund 40 Prozent weniger als Männer, in Cottbus dagegen vier Prozent mehr.

„Männer verdienen vor allem in solchen Regionen deutlich mehr, in denen Großbetriebe gut bezahlte Jobs in Produktion, Fertigung und Forschung anbieten“, erläutern die Forscherinnen. So sei der Bodenseekreis stark vom Maschinenbau und Ingolstadt von der Automobilindustrie geprägt. Den Frauen in Ostdeutschland biete dagegen der öffentliche Dienst häufig attraktive Verdienstmöglichkeiten. Rund ein Fünftel der Frauen in Cottbus arbeitet im öffentlichen Dienst. Männer sind in Cottbus dagegen überdurchschnittlich häufig in der Zeitarbeitsbranche tätig. In der Industrie sind in Cottbus vergleichsweise wenige Männer beschäftigt.

Mehr zum Thema:

http://doku.iab.de

IAB-Studie zu den regionalen Lohnlücken zwischen Frauen und Männern (im pdf-Format)

Autor

 Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB)