Rente / 04.12.2019

Gesetzliche Rente schützt oft vor Altersarmut

Auch in Zukunft können die meisten Bürger auf eine vernünftige Rente im Alter zählen – und sollten sich nicht verunsichern lassen.

Bild zum Beitrag "Gesetzliche Rente schützt vor Altersarmut". Das Bild zeigt eine Hand, die einen 20-Euro-Geldschein aus dem Automaten zieht.

Berlin/Bad Homburg (sth). Auch in Zukunft kann die große Mehrheit der rentenversicherten Bevölkerung in Deutschland damit rechnen, im Alter ausreichend gegen Armut geschützt zu sein. Aktuelle Daten der Deutschen Rentenversicherung zeigen, dass im vergangenen Jahr nur 2,6 Prozent der Bezieher einer gesetzlichen Altersrente zusätzlich auf die staatliche Grundsicherung angewiesen waren. In den kommenden Jahrzehnten ist nach Projektionen – je nach Entwicklung der Löhne und Renten – zwar mit einer etwas steigenden Quote der Grundsicherungsempfänger zu rechnen. Die große Mehrheit der 21 Millionen Rentnerinnen und Rentner kann aber auch weiterhin auskömmliche Alterseinkünfte erwarten, wie jüngste Berechnungen der Bundesregierung in ihrem neuen Rentenversicherungsbericht zeigen.

Demnach werden die Renten in den kommenden vier Jahren in den alten Ländern um durchschnittlich etwa 2,8 Prozent pro Jahr steigen, in den neuen Ländern sogar um etwa 3,5 Prozent. Damit liegen die Rentenzuwächse voraussichtlich mindestens so hoch wie das Einkommens-Plus der Arbeitnehmer. Das wirkt sich auch stabilisierend auf das sogenannte Rentenniveau aus: Arbeitnehmer, die 45 Jahre lang durchschnittlich verdient haben (2019: ca. 38.900 Euro Jahresbrutto), können aufgrund der letztjährigen Rentenreform noch mindestens bis zum Jahr 2025 bei Rentenbeginn mit 48 Prozent ihres früheren Nettoverdiensts rechnen. Ob und wie stark das Rentenniveau in den dann folgenden Jahren sinkt, wird derzeit von einer Rentenkommission der Bundesregierung diskutiert. Ihre Empfehlungen sollen im März 2020 vorliegen.

Umfrageergebnisse einer Großbank scheinen zweifelhaft

Angesichts der anhaltend positiven Perspektiven für die gesetzliche Rente scheinen die heute von zahlreichen Medien veröffentlichten Ergebnisse einer Umfrage im Auftrag der Deutschen Bank jedenfalls zweifelhaft. Laut den mithilfe des Meinungsforschungsinstituts Ipsos ermittelten Einschätzungen habe sich "in weiten Teilen der Bevölkerung die Erkenntnis durchgesetzt, dass die gesetzliche Rente im Ruhestand eher nicht ausreichen wird", wird ein Mitarbeiter des Geldinstituts von der Nachrichtenagentur dpa zitiert. Ein "erschüttertes Vertrauen" in die gesetzliche Rente führe dazu, dass mehr als die Hälfte der Befragten sogar erwarte, "dass das gesetzliche Rentensystem über kurz oder lang zusammenbrechen wird", heißt es dem Agenturbericht zufolge.

Die Deutsche Rentenversicherung erklärte dazu, die Befunde und Bewertungen widersprächen den Ergebnissen repräsentativer Befragungen, die die Rentenversicherung seit Jahren regelmäßig durchführen lasse. Diesen Befragungen zufolge sehe ein steigender Anteil der Bevölkerung die gesetzliche Rentenversicherung als ideale Form der Altersvorsorge an. Der Anteil derjenigen mit dieser Einschätzung sei von 54 Prozent 2014 auf 72 Prozent in diesem Jahr gestiegen, teilte die Rentenversicherung mit.

Finanzpolster der Rentenversicherung wächst auf neuen Rekordwert

Zudem dürften die Mitarbeiter der Bank das präsentierte Horrorszenario zur Rentenversicherung nach den ungezählten Skandalen des Finanzdienstleisters in den vergangenen Jahren derzeit vermutlich eher mit ihrem Arbeitgeber in Verbindung bringen. Denn Fakt ist auch: Das Finanzpolster in den Kassen der 16 gesetzlichen Rentenversicherer wird bis zum Ende dieses Jahres voraussichtlich auf den neuen Rekordwert von 40,7 Milliarden Euro steigen – trotz der zuletzt abgeschwächten Konjunktur. Das renommierte Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) an der Universität Duisburg-Essen hält es deshalb in einer aktuellen Studie mit Blick auf eine verlässliche Altersversorgung sogar für "unumgänglich, die gesetzliche Rentenversicherung zu stärken".

Mehr zum Thema:

www.bmas.de

Rentenversicherungsbericht 2019 der Bundesregierung (pdf)

www.sozialpolitik-aktuell.de

Studie des IAQ an der Universität Duisburg-Essen zur Entwicklung der staatlich geförderten Altersvorsorge (pdf, hier: S.2)

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Autor

Stefan Thissen