Soziales / 26.07.2019

Große regionale Unterschiede bei Armutsgefahr

Im Süden Deutschlands ist nur jeder Achte bis Neunte gefährdet, in Bremen fast jeder Vierte.

Bild zum Thema Große regionale Unterschiede bei Armutsgefahr: Wenige Euromünzen in einem Glas.

Wiesbaden (dpa). Das Armutsrisiko in Deutschland ist regional immer noch sehr unterschiedlich verteilt. In Bremen sind besonders viele Menschen von Armut bedroht. In Bayern und Baden-Württemberg ist das Risiko statistisch gesehen dagegen sehr viel geringer. Während 2018 in den beiden großen südlichen Bundesländern nur etwa jeder achte bis neunte Mensch von Armut bedroht war, war es in Bremen fast jeder Vierte. Das geht aus den Daten hervor, die das Statistische Bundesamt am Donnerstag auf Basis des Mikrozensus veröffentlichte. Bei den Städten verzeichnete Duisburg mit 27,4 Prozent die höchste Armutsgefährdungsquote, gefolgt von Dortmund (23,9), Leipzig (22,0) sowie Bremen und Essen (jeweils 21,6).

"Das Land ist zerrissen", sagte Armutsforscher Christoph Butterwegge der Deutschen Presse-Agentur. Da seien auf der einen Seite prosperierende Regionen im Süden und Südwesten Deutschlands und auf der anderen Seite Regionen, die abgehängt werden, wie etwa Teile des Ruhrgebiets, Bremen und Bremerhaven. "Das sind die Sorgenkinder, man könnte auch sagen, die Armenhäuser der Republik." Und: "Das eigentliche Problem spielt sich in den Städten ab, die sich immer mehr in Luxusquartiere und Elendsquartiere aufteilen."

Alleinerziehende und ihre Kinder sind am stärksten betroffen

Die veröffentlichten Zahlen zeigen noch weitere alarmierende Aspekte. So sind Alleinerziehende und ihre Kinder am stärksten von Armut bedroht. Und es gibt nach wie vor eine Kluft zwischen Ost und West, auch wenn sich der Unterschied insgesamt verringert hat. Grund dafür ist auch, dass sich die Quote im Westen verschlechtert und sich der verbesserten Quote im Osten angenähert hat. So lag in den neuen Bundesländern und Berlin das Risiko zu verarmen 2018 bei 17,5 Prozent (2005: 20,4 Prozent). In den alten Bundesländern waren es zuletzt 15 Prozent und vor 14 Jahren 13,2 Prozent.

"Auch wenn sich die neuen und die alten Bundesländer langsam annähern, ist das Niveau insgesamt immer noch viel zu hoch", sagte Wolfgang Strengmann-Kuhn, Sprecher für europäische Sozialpolitik der Grünen-Bundestagsfraktion. "Wenn beispielsweise in Mecklenburg-Vorpommern 56,9 Prozent aller Alleinerziehenden-Haushalte von Armut bedroht waren, ist das ein Alarmsignal sondergleichen."

Warum sind Alleinerziehende besonders betroffen? "Das ist im Wesentlichen mitbedingt durch fehlende öffentliche Betreuungsangebote", sagte Armutsforscher Butterwegge. "Gäbe es bessere und längere Angebote für die Kleinen, könnten sich die Alleinerziehenden - in der Regel die Mütter - durch eine Vollbeschäftigung aus der Armut herausarbeiten."

Autor

 Deutsche Presseagentur