Rente / 17.11.2020

Grundrente hat manche falsche Erwartung geweckt

Rentenversicherung: Von der Höhe und der Zahl der Berechtigten kursieren Vorstellungen, die zu Enttäuschungen führen können.

Bild zum Beitrag "Grundrente: Von wenigen Cent bis zu 420 Euro". Das Bild zeigt Dr. Stephan Fasshauer, Direktor der Deutschen Rentenversicherung Bund.

Dr. Stephan Fasshauer, Direktor der Deutschen Rentenversicherung Bund

Berlin (drv). Die ab 2021 gezahlte Grundrente für langjährig im Niedriglohnbereich beschäftigte Arbeitnehmer(innen) hat offenbar bei vielen Menschen falsche Erwartungen geweckt. Die Rentenversicherung nehme trotz verstärkter Informationsarbeit einen „hohen Aufklärungsbedarf bei vielen Bürgerinnen und Bürgern“ über die neue Leistung wahr, sagte Stephan Fasshauer, Direktor der Deutschen Rentenversicherung Bund, jetzt vor Journalisten in Berlin. So sei die Grundrente weder eine „neue Rentenart“ noch ein „bedingungsloses Grundeinkommen im Alter“. Vielmehr handele es sich um einen „Zuschlag an Entgeltpunkten für langjährige Versicherung“, stellte Fasshauer klar. Ein Entgeltpunkt ist der Rentenanspruch eines Durchschnittsverdieners nach einem Jahr gezahlten Rentenbeiträgen.

Auch die Höhe der Grundrente dürfte bei manchen der schätzungsweise 1,3 Millionen Berechtigten Enttäuschung hervorrufen. „Durchschnittlich wird sich der Zuschlag auf rund 75 Euro brutto im Monat belaufen“, sagte Fasshauer. „Dabei reichen die Beträge für den Zuschlag je nach Fall von wenigen Cent bis zum Höchstbetrag von rund 420 Euro.“ Die Höhe des Grundrentenzuschlags ist nicht nur von der durchschnittlichen Verdiensthöhe während des Erwerbslebens, sondern auch von weiteren Einkünften und dem Einkommen des Ehepartners abhängig. Der Einkommensabgleich zwischen dem zuständigen Finanzamt und der Rentenversicherung findet automatisch statt.

Hoher Personalbedarf steigert die Verwaltungskosten

Auf Seiten der Rentenversicherung wird die Grundrente nicht nur zur Zahlung teilweiser höherer Leistungen führen. Auch die Verwaltungskosten werden aufgrund eines deutlich erhöhten Personalbedarfs steigen, räumte Fasshauer ein. So seien für die Umsetzung der Grundrente anfänglich "etwa 3.500 Vollzeitbeschäftigte zusätzlich" erforderlich, in den folgenden Jahren rund die Hälfte. Die Kosten für Neueinstellungen "nur in Verbindung mit dem Grundrentenzuschlag" lägen im kommenden Jahr bei rund 410 Millionen Euro, anschließend bei knapp 200 Millionen Euro jährlich.

Im Jahr 2021 würden die Verwaltungskosten "etwa 24 Prozent der gesamten Ausgaben für den Grundrentenzuschlag" ausmachen, so Fasshauer weiter. Derzeit sind das etwa 330 Millionen Euro. Dauerhaft rechnet die Rentenversicherung nach Angaben Fasshauers durch die Grundrente mit zusätzlichen Kosten von etwa 13 Prozent der für den Rentenzuschlag eingeplanten Ausgaben – das wären etwa 180 Millionen Euro pro Jahr.

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Autor

Stefan Thissen