Gesundheit / 17.10.2019

Gut gewappnet durch die Erkältungssaison

Gegen die Erkältung hilft nur Auskurieren – und doch entscheiden sich viele eher fürs „Erkältungsdoping“. Das kann gefährlich werden.

Bild zum Thema Gut gewappnet durch die Erkältungssaison: Erkältete Jugendliche sitzt mit einer Decke um die Schultern auf dem Sofa und putzt sich die Nase mit einem Taschentuch..

Bremen/Koblenz (dpa/tmn). Unangenehm und ungelegen: Eine Erkältung kommt immer zum falschen Zeitpunkt. Ausgelöst wird sie von Viren, die beim Husten und Niesen herumgeschleudert werden. Das ist die sogenannte Tröpfcheninfektion. Auch enger Körperkontakt kann zu einer Ansteckung führen, genau wie das Berühren von Türgriffen und anderen Oberflächen.

Die Faustregel dabei lautet: Viren haben leichtes Spiel, wenn die Immunabwehr geschwächt ist – und das passiert häufiger bei nasskaltem Wetter, unpassender Kleidung, aber auch in überheizten und schlecht gelüfteten Räumen.

Jeder Infekt ist anders

Erkältung ist aber nicht gleich Erkältung. Experten unterscheiden über hundert Typen von Erkältungsviren, erklärt Hausarzt Hans-Michael Mühlenfeld aus Bremen. „Es gibt Viren, die setzen sich gerne in der Nase fest, andere im Rachenraum oder mehr auf den Bronchien. So unterscheiden sich dann auch die Beschwerden.“

Obwohl man oft von einem „grippalen Infekt“ spricht, haben Grippe- und Erkältungsviren nichts miteinander zu tun. Es handelt sich um verschiedene Virenarten. Anders gesagt: Eine Erkältung kann nicht zur Influenza werden – verschlimmert sie sich, liegt das oft eher an einer zusätzlichen Infektion durch Bakterien.

Durchpowern statt auskurieren

Wenn einen die Erkältung erwischt hat, gerät der Alltag ziemlich durcheinander. Besonders gefährdet sind Menschen, die viel im Freien oder in sozialen Berufen arbeiten. Im Vergleich zu anderen Berufsgruppen fehlen sie aufgrund einer Erkältung im Schnitt drei bis fünf Tage mehr, wie eine Erhebung der AOK zur Arbeitsunfähigkeit ihrer Mitglieder im Jahr 2018 ergab.

Manche können oder wollen jedoch bei einer Erkältung nicht pausieren – sei es aufgrund von Terminen im Job oder privaten Verpflichtungen. Statt zum Arzt gehen sie dann in die Apotheke. „Kommen Patienten mit der Erwartungshaltung, die Erkältung soll direkt nach einmaliger Anwendung des Präparates vollständig verschwinden, so ist das eine der schwierigsten Beratungssituationen überhaupt“, sagt Andreas Kiefer, Apotheker in Koblenz und Präsident der Bundesapothekerkammer. „Sie ist aber extrem häufig.“

Schwerstarbeit für den Körper

Bei der Beratung gilt es für den Apotheker, einige Fragen zu klären: Wie lange hat der Patient bereits die Beschwerden? Werden zusätzliche Medikamente eingenommen, oder gibt es Grunderkrankungen? Ebenso wichtig sei zu klären, ob die Symptome überhaupt auf eine Erkältung hindeuten – oder ob es sich um etwas anderes handelt. In so einem Fall rät Kiefer zum Arztbesuch.

„Viele unterschätzen, welche Irrsinnskraft die Immunabwehr den Körper kostet“, so der Apotheker. „Das ist wie ein Marathonlauf, der Körper kämpft mit der gesamten Immunabwehr gegen die eindringenden Viren.“ Jene „abgrundtiefe Erschöpfung“, die viele Menschen dann verspürten, sei ein Ergebnis der Immunabwehr. Wer den Bogen mit dem „Erkältungsdoping“ aus der Apotheke überspanne, muss damit rechnen, länger auszufallen als geplant.

Anruf statt Arztbesuch

Rund ein bis zwei Wochen dauert eine Erkältung an. Am schlimmsten seien die ersten zwei bis drei Tage, sagt Mühlenfeld. Wer nach dieser Spanne noch Fieber oder Komplikationen hat, sollte einen Hausarzt kontaktieren – zunächst am besten per Telefon. Der Telefonkontakt schütze die Praxismitarbeiter und andere Patienten vor der Ansteckung.

„Ich kann mich immer wieder an Situationen erinnern, wo manchmal 30 bis 40 Patienten am Tag anrufen und die gleichen Symptome schildern“, sagt der Mediziner. Das gebe Aufschluss darüber, welcher Virustyp gerade im Umlauf sei.

Extra-Vitamine sind meist überflüssig

Damit es nicht so weit kommt, lässt sich einer Erkältung auch in gewissem Maße vorbeugen – beispielsweise durch regelmäßiges Händewaschen, gründliches Lüften und angemessene Kleidung. Viele halten auch Vitaminpräparate für hilfreich – eine eher unnötige Investition, so Kiefer. Bei einer ausgewogenen Hausmannskost würden ausreichend Nährstoffe aufgenommen.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt Erwachsenen je nach Lebensstil etwa 95 bis 155 Milligramm Vitamin C pro Tag. Diese stecken aber bereits in einem Apfel, einer Paprika oder einem Glas frischen Orangensaft. Eine routinemäßige Einnahme zur Therapie von Erkältungen empfehlen die Experten daher nicht.

Tipps für die Hausapotheke

Sinnvoll ist aber, die Hausapotheke rechtzeitig aufzustocken. Mühlenfeld empfiehlt schmerzstillende und fiebersenkende Mittel, Nasentropfen, Lutschtabletten, auch Salbeitee zum Trinken und Inhalieren sowie Pfefferminzöl. Von Kombipräparaten rät Kiefer ab – damit könne es zu versehentlichen Überdosierungen oder Wechselwirkungen kommen. Wer sich unsicher sei, bringt die bisher genutzten Arzneien einfach mit in die Apotheke.

Unerheblich sei hingegen, ob Erkältete zur Linderung auf Heilpflanzen, Hausmittel oder Medikamente setzen. Denn heilen kann das alles nicht – nur lindern. Mühlenfeld: „Das alles macht es etwas leichter, die Zeit zu überstehen, bis man wieder gesund ist.“

Weitere Informationen

www.dge.de
Hilft Vitamin C gegen Erkältungen? (DGE)

Autor

 Deutsche Presseagentur – Themendienst