Rente / 10.11.2021

„Häusliche Sorge in der gesetzlichen Rente anerkennen“

Alleinerziehenden-Verbände fordern von Ampel-Parteien, in Verhandlungen die Belange von Ein-Eltern-Familien stärker zu berücksichtigen.

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Hilden (ots/sth). Bundesweite Alleinerziehenden-Verbände, -Vereine und Betroffene fordern von den möglichen Regierungsparteien SPD, Grüne und FDP, die Belange von Ein-Eltern-Familien deutlicher in den Koalitionsverhandlungen zu berücksichtigen. In einem acht Punkte umfassenden Papier fordern sie von den Ampel-Parteien eine armutssichere Kindergrundsicherung, die Beendigung der steuerlichen Benachteiligung von Alleinerziehenden, kostenlose, flexible und hochwertige Kinderbetreuung, bezahlbares Wohnen und die Prävention von Altersarmut durch Anerkennung häuslicher Carearbeit in der gesetzlichen Rente sowie die Anhebung des Rentenniveaus.

„Die vor der Wahl in Aussicht gestellte Kindergrundsicherung muss nun kommen, und zwar armutssicher, um Kinderarmut wirksam entgegenzutreten“, erklärte Heidi Thiemann, geschäftsführende Vorständin der Stiftung Alltagsheldinnen, bei der Vorstellung des Papiers am Dienstag. Mit Blick auf die steuerliche Ungleichbehandlung Alleinerziehender sagt Esther Konieczny, Vorständin des Vereins Fair für Kinder e.V.: „Familie ist da, wo Kinder sind. Die bisherigen Regelungen stellen Ein-Eltern-Familien und Familien ohne Trauschein deutlich schlechter als Ehepaare. Das muss sich endlich ändern.“

Für Erhalt der Vielfalt von Umgangsmodellen in Trennungsfamilien

Neben sozialpolitischen und steuerrechtlichen Forderungen macht sich das Bündnis mit Blick auf Reformen im Familienrecht für den Erhalt der Vielfalt von Umgangsmodellen in Trennungsfamilien stark. „Familien leben in sehr verschiedenen Situationen und benötigen deshalb individuell passende Lösungen. Ein Wechselmodell als gesetzlichen Regelfall lehnen wir daher ebenso ab wie die gerichtliche Anordnung des Modells gegen den Willen eines Kindes oder Elternteils“, begründet Daniela Jaspers, Bundesvorsitzende des VAMV.

Darüber hinaus fordern die Alleinerziehenden-Verbände eine gesetzliche Neuregelung, die den Gewaltschutz stärkt: „Gemäß Istanbul-Konvention muss der Gewaltschutz gegenüber dem Umgangsrecht vorrangig behandelt und das Recht auf Gewaltfreiheit für gewaltbetroffene Elternteile und Kinder umsetzt werden“, erläutert Sybille Möller, Vorstandsvorsitzende der MIA – Mütterinitiative für Alleinerziehende.

Ein automatisiertes gemeinsames Sorgerecht ab Geburt lehnen die Verbände ebenfalls ab. Eine solche Regelung verlöre die Kinder von Eltern aus dem Blick, die nicht gemeinsam Entscheidungen treffen können. „Über 91 Prozent der Eltern treffen bereits heute im Geburtsjahr des Kindes die Entscheidung, miteinander für gemeinsame Kinder sorgen zu wollen“, heißt es in einer Mitteilung der Verbände.

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Presseportal (ots)