Finanzen / 28.08.2019

Häusliches Arbeitszimmer von der Steuer absetzen

Was ist die typische Tätigkeit meines Berufs? Von dieser Frage hängt es ab, ob ein häusliches Arbeitszimmer von der Steuer absetzbar ist.

Bild zum Thema Häusliches Arbeitszimmer von der Steuer absetzen: Frau sitzt im Homeoffice am Schreibtisch und tippt in ein Notebook.

Berlin/Neustadt (dpa/tmn). Wer daheim arbeitet, kann Ausgaben bei der Steuererklärung geltend machen. Dafür reicht es aber nicht, abends auf der Couch Mails zu beantworten oder sich in ein Thema einzulesen. Denn nur wenige Steuerpflichtige bekommen für das Arbeitszimmer im eigenen Haus einen Steuerbonus.

„Die Grundregel lautet: Das häusliche Arbeitszimmer kann man nicht absetzen“, erklärt Carola Fischer von der Bundessteuerberaterkammer (BStBK). Eine Ausnahme gilt für Arbeitnehmer, denen für diese Tätigkeit kein anderer Arbeitsplatz jederzeit zur Verfügung steht. „Dann kann man maximal 1.250 Euro im Jahr abziehen“, so Fischer.

Lehrer, Selbstständige, Bereitschaftsdienst

Diese Begrenzung gilt zum Beispiel für Lehrer, die in der Schule keinen eigenen Platz haben, der immer frei ist und an dem sie ungestört Prüfungen korrigieren können. Steuerliche Vergünstigungen erhalten auch Berufstätige, die am Wochenende Bereitschaftsdienst haben, aber an diesen Tagen das Betriebsgebäude nicht nutzen können.

Ort der Haupttätigkeit entscheidet

Manche Berufstätige können aber noch mehr bei der Steuererklärung profitieren: „Wenn die Tätigkeit, die man im häuslichen Arbeitszimmer ausübt, den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Tätigkeit darstellt, kann man sämtliche Aufwendungen ohne Obergrenze bei der Steuer abziehen“, erklärt Fischer.

Das betreffe manche Arbeitnehmer, die stets im Home Office arbeiten und nur in Ausnahmefällen den Arbeitgeber besuchen. Typisch sind laut Fischer aber freiberufliche Tätigkeiten, etwa die Arbeit als freier Journalist, Schriftsteller oder privater Musiklehrer.

Entscheidend für die Zuordnung ist nicht die Stundenzahl, sondern die Art der Arbeit, erklärt Fischer. Bei Richtern gehe man etwa davon aus, dass die Rechtsprechung in Sitzungen der Schwerpunkt der Arbeit ist – als ihr beruflicher Mittelpunkt gelte deshalb die Tätigkeit im Gericht, selbst wenn sie mehr Zeit mit der Vorbereitung im privaten Arbeitszimmer verbringen. Sie können also maximal 1.250 Euro geltend machen.

Belege sammeln und Kosten aufschlüsseln

Selbstständige geben die Aufwendungen als Betriebsausgabe an, Arbeitnehmer in Anlage N ihrer Steuererklärung als Werbungskosten. Für beide Gruppen gilt: „Sie müssen die einzelnen Posten auflisten und Belege vorhalten“, erklärt Erich Nöll, Geschäftsführer des Bundesverbands Lohnsteuerhilfevereine (BVL).

Kosten für die Ausstattung des Arbeitszimmers sind in voller Höhe absetzbar – „Tapeten, Vorhänge, Lampen, Regale, der Bürostuhl, der Schreibtisch“, zählt Nöll als Beispiele auf. Auch Gemälde gehören dazu, solange sie nicht unverhältnismäßig teuer sind.

Beim ersten Mal Grundriss einreichen

Mehr rechnen müssen Steuerpflichtige, wenn es um Kosten für das Gebäude geht. Diese können nur anteilig geltend gemacht werden. „Bei der ersten Steuererklärung mit Arbeitszimmer ist das etwas aufwendiger: Man sollte den Mietvertrag, eine Nebenkostenabrechnung und einen Grundriss der Wohnung vorlegen, aus dem das Verhältnis von Arbeitszimmer und Wohnung hervorgeht“, rät Nöll.

Ein Beispiel: Die Wohnung ist 80 Quadratmeter groß, das Arbeitszimmer darin 12 Quadratmeter. Der Quotient daraus beträgt 15 Prozent. Wer zur Miete lebt und arbeitet, kann also 15 Prozent der Mietkosten geltend machen. Wer das eigene Haus nutzt, kann stattdessen Aufwendungen rund ums Gebäude anteilig absetzen. „Alles, was man bei Vermietung und Verpachtung auch kennt: Gebäudeabschreibung, Wohngebäude- und Hausratversicherung, Reparaturen, Wasser-, Energie- und Reinigungskosten, und so weiter“, sagt Nöll.

Ein echtes Büro einrichten

Wichtig: Das Arbeitszimmer muss wie ein Büro eingerichtet sein und fast ausschließlich für betriebliche oder berufliche Zwecke genutzt werden, informiert Christina Georgiadis vom Lohnsteuerhilfeverein Vereinigte Lohnsteuerhilfe (VLH). Eine Arbeitsecke im Wohnzimmer reicht nicht, hat der Bundesfinanzhof (BFH) entschieden (Aktenzeichen: GrS 1/14). Teilen sich dagegen Mitbewohner ein Arbeitszimmer, kann jeder die Ausgaben dafür bis zur Obergrenze geltend machen, die er getragen hat.

Ausgaben für Gegenstände, die bis zu 800 Euro kosten, machen Steuerpflichtige nach Angaben des VLH direkt im Anschaffungsjahr geltend. Was teurer ist, etwa leistungsstarke Computer oder manche Büromöbel, wird über die übliche Nutzungsdauer abgeschrieben. Dafür wird jedes Jahr ein Teil des Kaufpreises angesetzt.

Privater Computer anteilig absetzbar

Nutzen Berufstätige im Arbeitszimmer den privaten Laptop oder Computer auch beruflich, können sie einen Teil der Kosten für Anschaffung und Unterhalt als Werbungskosten geltend machen, erklärt die Lohnsteuerhilfe Bayern. Entscheidend für die Höhe ist der Anteil an Zeit, den das Gerät für den Beruf genutzt wird. Der noch nicht abgeschriebene Restwert kann anteilig abgesetzt werden.

Für Büromaterial ist die Schwelle dagegen niedriger: Stifte, Papier und Heftstreifen sind unabhängig vom Arbeitszimmer als Werbungskosten absetzbar, erklärt Lohnsteuerexperte Nöll. Berufstätige müssen nur glaubhaft machen, dass sie diese Arbeitsmittel für ihre Tätigkeit brauchen und nicht vom Arbeitgeber zur Verfügung gestellt bekommen.

Weitere Informationen

www.bundesfinanzministerium.de
Bundesministerium für Finanzen: Abschreibungstabelle für allgemein verwendbare Anlagegüter (AfA)

juris.bundesfinanzhof.de
BFH-Urteil: Arbeitsecke nicht absetzbar, da Aufteilung in private und berufliche Nutzung nicht objektiv überprüfbar sei

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 Deutsche Presseagentur – Themendienst