Finanzen / 24.11.2017

Haftpflicht prüfen und sparen

Warum und wann ein Wechsel lohnen kann. Tipps von der Stiftung Warentest.

Berlin (dpa/tmn). Ein Blumentopf, der vom Balkon fällt und einen Passanten trifft. Oder ein umgeschüttetes Glas Wasser auf dem Laptop eines Freundes: Für solche Schäden muss der Verursacher in der Regel geradestehen. Das kann ganz schön teuer werden. Deshalb raten die meisten Experten zu einer privaten Haftpflichtversicherung. Und die lohnt sich heute offenbar mehr denn je.

Haftpflichtverträge verbessert

Der Grund: Viele Haftpflichtversicherer haben ihre Verträge verbessert. Das geht aus dem jüngsten Vergleich von 218 privaten Versicherungen durch die Stiftung Warentest hervor. 90 Tarife bewerteten die Experten mit „sehr gut“. „Gut“ waren immerhin noch 89 Versicherungen, nur 12 Tarife waren „ausreichend“ oder „mangelhaft“.

Doch was hat sich konkret verbessert? „Vor allem ist die Versicherungssumme gestiegen“, erklärt Christoph Herrmann von der Stiftung Warentest. Viele Versicherer kämen für Schäden von bis zu zehn Millionen Euro auf. Manche zahlen sogar noch mehr.

Auch sind die Bedingungen besser geworden. Versicherer zahlen unter Umständen auch, wenn ein Versicherungsnehmer als freiwilliger Helfer bei einem Umzug einen Schaden verursacht. Dabei gilt hier: „Für Schäden bei sogenannten Gefälligkeitshandlungen müssten Sie als Verursacher gar nicht haften“, sagt Herrmann.

Das Gleiche gilt auch für Schäden, die kleine Kinder verursacht haben. Stößt ein Fünfjähriger beispielsweise die teure Vase eines Bekannten um, müssen die Eltern dafür grundsätzlich keinen Schadenersatz zahlen – solange sie ihre Aufsichtspflicht nicht verletzt haben. Der Bekannte hätte einfach Pech gehabt. Bei solchen Fällen zahlen Versicherer heute etwas mehr als früher, so Herrmann. Ebenfalls neu bei vielen Versicherern: der Schutz für Drohnen und Flugmodelle.

Auf Konditionen und Deckungssummen achten

„Sowohl die Konditionen für Kinder als auch für Drohnen sollte man aber immer mit dem Versicherer besprechen“, empfiehlt Claudia Frenz vom Bund der Versicherten.

Außerdem sollten Versicherungsnehmer beim Vertrag darauf achten, dass die Deckungssumme insgesamt nicht weniger als fünf Millionen Euro für Sach-, Personen- und Vermögensschäden beträgt.

Für Mietschäden an Wohnräumen empfiehlt Frenz eine Mindestsumme von 500 000 Euro. Schäden durch häusliche Abwässer sollten ebenso eingeschlossen sein wie Umweltschäden durch das Risiko, dass gewässerschädliche Stoffe aus Dosen oder Kanistern austreten. Wer sich ehrenamtlich engagiert, sollte diese Tätigkeiten auch versichern.

International gilt: Innerhalb Europas müsste ein unbegrenzter Aufenthalt mitversichert sein, im außereuropäischen Ausland mindestens zeitlich begrenzt.

Für manche Fälle ist ein Extra-Schutz nötig

Jedoch können Verbraucher nicht alle Risiken in der privaten Haftpflichtversicherung abdecken. Für manche Fälle brauchen sie Extra-Schutz. Wer zum Beispiel einen Hund oder ein Pferd besitzt, sollte eine Tierhaftpflichtversicherung abschließen, rät Frenz. Haus- und Grundbesitzer benötigen zusätzlich eine Haus- und Grundbesitzerhaftpflicht. Wer ein Haus mit Öltank besitzt, sollte den Schutz entsprechend erweitern.

Unverzichtbar ist der Expertin zufolge auch eine sogenannte Forderungsausfalldeckung. Die schütze Versicherungsnehmer vor dem Fall, dass sie jemand schädigt, der keine private Haftpflichtversicherung hat. In diesem Fall zahlt der Versicherer des Geschädigten.

Außerdem empfiehlt Frenz Versicherten, mit ihrem Versicherer einen sogenannten Selbstbehalt zu vereinbaren. Dabei verpflichtet sich der Kunde, eine gewisse Summe pro Schadensfall selbst zu zahlen: „Sonst kann der Versicherer im Schadensfall schon wegen Bagatellschäden kündigen. Wir empfehlen daher einen Selbstbehalt zwischen 100 und 500 Euro“, sagt Frenz.

So bekommt man einen besseren Tarif

Und was können bereits Versicherte nun tun, die einen besseren Tarif haben wollen? „Wenn der aktuelle Vertrag fünf Jahre oder älter ist, ist ein sehr guter Vertrag aus unserem aktuellen Vergleich höchstwahrscheinlich erheblich besser“, sagt Warentester Herrmann. Der günstigste „sehr gute“ Vertrag kostet nur 50 Euro im Jahr.

Einen Tipp für den konkreten Schadensfall hat Matthias Zunk vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft: „Melden Sie den Schaden unverzüglich dem Versicherer und schildern Sie die Umstände, die zum Schaden geführt haben, wahrheitsgemäß und genau.“

Außerdem ganz wichtig: „Geben Sie kein Schuldeingeständnis ab. Denn es ist die Aufgabe des Versicherers, die Ansprüche auf Entschädigung zu prüfen.“

Weitere Informationen

  • www.test.de
    Vergleich von Haftpflichtversicherungen bei Stiftung Warentest (Angebot ist teilweise kostenpflichtig)

Autor

 Deutsche Presseagentur – Themendienst