Rente / 15.11.2018

Haltelinien machen offizielle Daten fragwürdig

Rentenbeitrag und Rentenniveau sollen auch über 2025 hinaus stabilisiert werden. Das wirft für neue Zahlen des BMAS Fragen auf.

Berlin/Bad Homburg (sth). Noch ist der Rentenversicherungsbericht der Bundesregierung für 2018 nicht veröffentlicht. Doch in Berliner Fachkreisen kursiert der noch im November erwartete Report über die aktuelle Situation und Perspektiven der Rentenversicherung wie üblich schon als Entwurf. Ein zentraler – und seit Jahren politisch umstrittener – Baustein des Berichts ist eine Übersicht über die Entwicklung des (sinkenden) Rentenniveaus und den zugleich erhofften Ausgleich durch kapitalgedeckte Zusatzvorsorge ("Riester-Rente"). Der Rentenversicherungsbericht 2018 signalisiert hier – wie gerade vom Bundestag beschlossen – ein stabiles Rentenniveau von 48 Prozent bis 2025, bevor es anschließend schrittweise bis auf 44,9 Prozent im Jahr 2032 sinken soll (siehe Link unten).

Auf der anderen Seite soll die Gesamtversorgung aus Rente und Riester-Rente für Durchschnittsverdiener mit 45 Berufsjahren laut dem Regierungsbericht auch in den kommenden 15 Jahren stabil bleiben und zwischenzeitlich (2026) sogar wieder bis auf 53,3 Prozent des früheren Nettolohns steigen. Das wäre etwa das Niveau, das bis zur Riester-Reform von 2001 allein durch die gesetzliche Rente gesichert wurde. Sozialpolitiker der Linken sowie Vertreter von Sozialverbänden und Gewerkschaften erhoffen sich eine ähnliche Höhe auch für die Zukunft wieder. Bis 2032 – dem letzten Jahr, bis zu dem der Rentenversicherungsbericht 2018 vorausblickt – wäre das Gesamtversorgungsniveau demnach immer noch höher als derzeit.

Pikant an der umstrittenen Übersicht ist, dass sich darin keinerlei Hinweis auf die von der SPD und den Gewerkschaften gewünschte langfristige Stabilisierung des Rentenniveaus findet – und auf die künftige Bedeutung der Riester-Rente. So wird für das Jahr 2032 ein Rentenniveau von nur noch 44,9 Prozent prognostiziert – derzeit sind es 48,1 Prozent. Unkundige Leser des Rentenversicherungsberichts müssen also davon ausgehen, dass der von der Rentenkommission der Regierung erhoffte Vorschlag für eine "Haltelinie" beim Rentenniveau nach 2025 keine politischen Folgen nach sich ziehen wird. Und wie das Gesamtversorgungsniveau bei stabilisiertem Rentenniveau plus Zusatzvorsorge in 15 Jahren aussehen könnte, steht auch für die Regierung offenbar noch völlig in den Sternen.

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Link zur Übersicht B8 des Rentenversicherungsberichts 2018 (mit rechter Maus-Taste neues Fenster öffnen)

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Autor

Stefan Thissen