Soziales / 16.07.2019

Handwerk: So wird man Ausbilder

In Deutschland gibt es Handwerksberufe, die ohne Meisterbrief auskommen. Wer bildet die Lehrlinge dann aus? Und wie wird man eigentlich Ausbilder?

Bild zum Thema Handwerk: So wird man Ausbilder. – Ausbilder und weibliche Auszubildende in einer Autowerkstatt.

Düsseldorf/Nürnberg (dpa/tmn). Wer in Deutschland ein Handwerk erlernt, kann nach der Ausbildung einen Meister anschließen. Es ist nicht nur der höchste Abschluss im Handwerk, sondern befähigt einen auch dazu, einen eigenen Betrieb zu eröffnen und sein Wissen an Lehrlinge weiterzugeben. Das gilt für den Maler genauso wie für die Bäckerin oder den Friseur. Doch nicht in allen Handwerksberufen ist eine Meisterqualifikation notwendig. Dazu gehören zum Beispiel Schuhmacherinnen, Buchbinder oder Fotografen.

Die Ausbildung für Ausbilder

Die Berufsausbildung in Deutschland ist geregelt, so auch im Handwerk. Wer Ausbilder oder Ausbilderin werden möchte, braucht laut der Ausbilder-Eignungsverordnung (AEVO) einen AdA-Schein, also eine Ausbildung für Ausbilder. Für die meisterpflichtigen Handwerksberufe ist dieser Schein Teil der Meisterprüfung, alle anderen müssen sich selbst für die Prüfung anmelden.

Das können nicht nur Handwerker mit einer Ausbildung sein, sondern auch Hochschulabsolventen, die einen Abschluss in einer entsprechenden Fachrichtung haben.

Handwerkskammern bieten Ausbilderkurse an

Ulrich Brand von der Handwerkskammer Düsseldorf bereitet den Ausbilder-Nachwuchs im Handwerk auf die AEVO-Prüfung vor, und das seit über 30 Jahren. Die Handwerkskammern und die Industrie- und Handelskammern (IHKs) in Deutschland bieten regelmäßig Kurse an, um zukünftige Ausbilder für die Prüfung fit zu machen.

Persönliche und fachliche Eignung

„Wer Ausbilder werden möchte, braucht eine persönliche und eine fachliche Eignung“, sagt Brand. Die persönliche Eignung – darunter versteht Brand die grundsätzliche Bereitschaft, Wissen an jüngere Kollegen weiterzugeben und das Interesse, die Ausbildungsinhalte didaktisch aufzubereiten. Die meisten Handwerker, die sich zum Ausbilder ausbilden lassen, seien zwischen 22 und 30 Jahre alt. Sie haben bereits etwas Berufserfahrung gesammelt, gleichzeitig aber ihre eigene Ausbildungszeit noch präsent.

Wie sieht die Prüfungsvorbereitung aus?

Inhaltlich werde in der Prüfung auf die rechtliche Situation als Ausbilder vorbereitet, sagt Brand. Das umfasst Wissen über Arbeitsschutz, das Berufsbildungsgesetz, Urlaubs- und Pausenregelungen. Auch die volks- und betriebswirtschaftliche Bedeutung des Handwerks werde vermittelt. Nicht zuletzt müssen die Prüflinge beweisen, dass sie ihr Handwerk gut weitergeben können. Das zeigen sie vor dem Prüfausschuss, indem sie eine selbst konzipierte Lerneinheit vorstellen, die sie vorher an Mitschülern erproben.

Zulassung zur AEVO-Prüfung

Wer zu der AEVO-Prüfung zugelassen wird, entscheiden die Handwerkskammern sowie die IHKs. Sie nehmen die Prüfungen ab. In der Regel sind eine bestandene Gesellenprüfung oder eine bestandene Abschlussprüfung einer deutschen Hochschule in einer dem Ausbildungsberuf entsprechender Fachrichtung Voraussetzung – wie etwa bei den Architekten oder Ingenieuren.

Um sich auf die Prüfung vorzubereiten, kann man Vorbereitungskurse besuchen. 115 Stunden sind laut Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) empfohlen.

Zahl der Prüfungen außerhalb der Meisterkurse ist gesunken

Die Zahlen der Ausbildereignungsprüfungen, die nicht Teil der Meisterprüfung sind, sind in den vergangenen zehn Jahren etwas zurückgegangen – nach Angaben des ZDH um knapp 200 erfolgreich abgeschlossene Prüfungen auf rund 12.500 im Jahr 2018. Der leichte Rückgang lässt sich auf die insgesamt zurückgehenden Ausbildungszahlen im Handwerk zurückführen.

 

 

Ausbildung attraktiv und zeitgemäß gestalten

Um die Betriebe dazu zu ermuntern, Azubis anzunehmen, wurde als politisches Mittel sogar eine Zeit lang die AEVO-Verpflichtung im Handwerk ausgesetzt. „Die Folge war leider nicht die gewünschte Erhöhung der Ausbildungszahlen, sondern eine Verschlechterung der Ausbildungsqualität“, sagt Heiko Weber vom Forschungsinstitut Betriebliche Bildung (f-bb). Diese Qualitätseinbußen äußerten sich in höheren Ausbildungsabbruchraten und schlechteren Noten in den Prüfungen.

Mittlerweile ist die Prüfung wieder verpflichtend, und es wird eher versucht, die Ausbildung attraktiver und zeitgemäßer zu gestalten, um mehr junge Leute dafür zu begeistern. Digitale und soziale Medien werden in der Ausbildung verstärkt ausprobiert, etwa durch Erklärvideos, und auch nachhaltiges Wirtschaften spiele eine immer größere Rolle, so Weber.

Ausbildung im Handwerk vor neuen Herausforderungen

Die größte Herausforderung für die Ausbildung im Handwerk sei die Heterogenität der Azubis, betont Weber. Nicht nur durch Migranten, die heute ein Handwerk in Deutschland erlernen möchten, auch sonst wird von Ausbildern heute verlangt, dass sie immer individueller auf die einzelnen Stärken und Schwächen der Azubis eingehen.

Das Bild des Meisters, der alles vormacht und seinen Lehrling instruiert, sei mittlerweile überholt. Ausbilder sind heute vielmehr Begleiter. Auch erfahrene Ausbilder müssen sich da umstellen.

Weitere Informationen

www.gesetze-im-internet.de
Handwerksverordnung

www.gesetze-im-internet.de/ausbeignv_2009/
Ausbildereignerverordnung

Autor

 Deutsche Presseagentur – Themendienst