Gesundheit / 13.09.2019

Hausstaub – die graue Eminenz

Warum Hausstaub krank machen kann, Milben Schlafzimmer lieben und was die typischen Symptome einer Hausstaubmilben-Allergie sind

Bild zum Thema Hausstaub – die graue Eminenz: Junges Paar liegt schlafend im Bett

Berlin/Göttingen (dpa/tmn). Es ist ein Rückzugspunkt, ein Wohlfühlort. Doch ausgerechnet im Schlafzimmer droht Allergikern Ungemach – in Gestalt von Hausstaubmilben. Sie sind noch nicht einmal einen Millimeter groß und kommen gleich zu Hunderttausenden.

Die winzigen Spinnentierchen nisten sich in Matratzen, Federbetten, Teppichböden oder Vorhängen ein und plagen empfindliche Menschen. Bei betroffenen Allergikern löst der Kot der Hausstaubmilben Beschwerden aus. Mit der Folge, dass Hausstaub auf Dauer einen regelrecht krank machen kann.

Keine Frage des Schmutzes

Was ekelerregend klingt, hat mit Schmutz wenig zu tun. „Es gibt keine Wohnung, die frei von Hausstaub ist“, stellt Prof. Torsten Zuberbier von der Charité Berlin klar. Die einen reagieren darauf empfindlich, andere nicht. Die Milben mögen es warm und feucht.

Eine ideale Umgebung finden sie in Schlafzimmern. Ein Mensch schwitzt und produziert pro Nacht bis zu einem Liter Wasser, das verdunstet. Dies steigert die Luftfeuchtigkeit in dem Raum, was Milben gefällt. Sie fühlen sich bei Temperaturen um die 25 Grad Celsius und einer Luftfeuchtigkeit von 70 Prozent wohl. Die Spinnentierchen ernähren sich etwa von Hautschuppen und Haaren.

Bandbreite an Beschwerden

Die typischen Symptome einer Hausstaubmilben-Allergie zeigen sich vor allem morgens. „Das können zum Beispiel Juckreiz an den Augen, häufiges Niesen und Schnupfen, eine verstopfte Nase oder Husten sein“, zählt der Göttinger Allergieexperte Prof. Thomas Fuchs auf. Er ist Vizepräsident des Ärzteverbands Deutscher Allergologen (AEDA).

Auch Hautausschläge wie Rötungen und Schwellungen am Morgen können auf eine Hausstaubmilben-Allergie hindeuten. Asthmatische Beschwerden sind ebenfalls möglich. „Hausstaubmilben können auch Auslöser für die Hautkrankheit Neurodermitis oder für Heuschnupfen sein“, sagt Zuberbier. Er ist Vorsitzender der Europäischen Stiftung für Allergieforschung (ECARF),

Verschiedene Tests bringen Gewissheit

Ob die Beschwerden tatsächlich auf die Spinnentierchen zurückzuführen sind, finden Ärzte mithilfe von Tests heraus. Patienten sollten sich von ihrem Hausarzt zu einem Allergologen überweisen lassen.

„Bei dem sogenannten Prick-Test werden Lösungen auf die Haut getröpfelt und anschließend die Haut leicht angepiekst“, erläutert Stephan Meller. Er ist Leitender Oberarzt in der Klinik für Dermatologie an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Kommt es im Zuge des Tests zu Rötungen oder Quadddeln an den betreffenden Hautstellen, liegt sehr wahrscheinlich eine Hausstaubmilben-Allergie vor.

Neben dem Prick-Test gibt es auch spezielle Blutuntersuchungen sowie den nasalen Provokationstest. Bei Letzterem sprüht der Arzt ein Hausstaubmilben-Extrakt auf die Nasenschleimhaut. Kommt es danach zum Niesen, läuft die Nase oder ändert sich der Luftströmungswiderstand in der Nase, ist eine Allergie ebenfalls sehr wahrscheinlich.

Zusätzliche Faktoren, die das Leben schwer machen

„Oft stellt sich heraus, dass Patienten nicht nur auf Hausstaubmilben, sondern zusätzlich auf Schimmelpilzsporen allergisch reagieren“, erklärt Zuberbier. Schimmelpilze mögen es wie Hausstaubmilben feucht und finden häufig in Schlafzimmern paradiesische Bedingungen.

Mitunter kommt es vor, dass über Milben und Schimmel hinaus der Patient auf Tierhaare allergisch reagiert. „Die Beschwerden können sich noch einmal verstärken, wenn der Patient raucht oder er passiv Nikotin ausgesetzt ist“, sagt Fuchs. Bei einer solchen komplizierten Gemengelage kann ein Allergologe mithilfe von Untersuchungen Klarheit verschaffen und die entsprechende Therapie verordnen.

Immuntherapie hilft, aber nur längerfristig

Gegen akute Beschwerden gibt es antiallergische Mittel. Auch entzündungshemmende Medikamente wie etwa kortisonhaltige Nasensprays können je nach Fall helfen.

„Eine weitere Option ist eine spezifische Immuntherapie, die auch Hypo- oder Desensibilisierung genannt wird“, erklärt Meller. Dabei bekommen Patienten über einen Zeitraum von drei bis fünf Jahren regelmäßig eine Substanz unter die Haut gespritzt, die eine steigende Menge der Allergene beinhaltet. „Eine solche Therapie ist allerdings zeitaufwendig und insofern nicht für jeden Patienten geeignet“, so Meller.

Bei einer Hausstaubmilben-Allergie kann der Allergologe je nach Fall auch Tabletten oder Tropfen zur Hyposensibilisierung verschreiben.

Was man gegen Hausstaubmilben im Alltag tun kann

Wer unter einer Haustaubmilben-Allergie leidet, sollte im Alltag einiges beachten. Um es den Spinnentierchen so unbehaglich wie möglich zu machen, ist es wichtig, jeden Morgen Kissen und Federbett aufzuschütteln und gut durchzulüften.

Betroffene sollten zudem einmal pro Woche ihr Bett frisch beziehen und die benutzte Bettwäsche bei mindestens 60 Grad Celsius waschen. Wer auf Nummer sicher gehen will, nutzt milbenundurchlässige Allergie-Überzüge für Matratze und Bettwäsche. Ebenfalls wichtig: Das Schlafzimmer zwei- bis dreimal am Tag lüften und so die Raumtemperatur sowie die Luftfeuchtigkeit etwa mithilfe eines Luftentfeuchters gering halten.

Im Schlafzimmer sollten Teppiche mit kurzem Flor liegen. Sie lassen sich besser mithilfe von Staubsaugern reinigen, die für Allergiker entwickelt wurden, als andere Teppiche. Im Idealfall liegt im Schlafzimmer ein glatter Bodenbelag. Täglich nasses Wischen hilft, die Menge an Milbenkot zu verringern. „Im Schlafzimmer sollten Pflanzen tabu sein“, so Zuberbier.

Wer auf Stoffvorhänge und Polstermöbel nicht verzichten will, sollte sie regelmäßig mit einem Anti-Milben-Spray einsprühen. Auch auf Plüschtieren finden sich viele Milben. Wenn das Kuscheltier in eine Plastiktüte gepackt und in eine Tiefkühltruhe gelegt wird, haben Milben schlechte Karten – sie werden abgetötet.

Autor

 Deutsche Presseagentur – Themendienst