Finanzen / 10.03.2021

Heizkosten sparen mit smarten Thermostaten – geht das?

Vernetzte Thermostate versprechen große Einsparungen bei den jährlichen Heizkosten. Was ist dran?

Heizkosten: Geldscheine liegen aufgefächert auf einem Heizkörper neben dem Regelknopf.

Potsdam/Hannover (dpa/tmn). Nachzahlungen von Nebenkosten mag niemand, hohe Gas- oder Ölrechnungen auch nicht. Und nicht jeder hat die Disziplin, auch immer beim Lüften oder am Abend die Heizung herunterzudrehen. Und als Mieter hat man im seltensten Fall Einfluss auf den Heizkessel im Keller.

Wie toll, dass es vernetzte Thermostate gibt. Einfach statt der Drehregler anschrauben, Temperaturprofile einstellen und ab dann geht alles automatisch, auch das Geldsparen. Aber ist das wirklich so?

Was sind smarte Thermostate?

Diese Thermostate funktionieren im Prinzip wie die üblichen Drehregler, nur elektrisch und elektronisch. Das Ventil an der Heizung wird mit einem kleinen Elektromotor geschlossen und geöffnet. Eine Regelelektronik überwacht die Temperatur und hält die Verbindung zur Steuerzentrale. Das kann je nach Hersteller ein alleinstehende Box oder der Internetrouter sein. Ein solches Thermostat kostet zwischen 40 und 70 Euro.

Wie viel kann man damit sparen?

Manche Hersteller versprechen bis zu 30 Prozent Heizkosteneinsparung. Matthias Wagnitz ist da aber skeptisch. Der Referent für Energie- und Wärmetechnik beim Branchenverband ZVSHK sagt: „Wie sehr man sparen kann, hängt auch sehr davon ab, wie man vorher geheizt hat.“ Soll heißen: Wer schon immer abends die Heizung runter dreht und sie tags nicht auf 5 stehen lässt, kann weniger einsparen als Menschen, die gerne warm schlafen und auch mal aus dem Fenster heizen.

Auch Nico Jurran vom „c't“-Magazin sagt: „Wenn Sie vernünftig heizen, dann werden Sie große Schwierigkeiten haben, mit einem normalen Smarthome-Konzept noch etwas zu sparen.“ Er geht sogar noch weiter: „Die generelle Aussage, dass man Geld spart, ist totaler Quatsch.“

Die Stiftung Warentest hat im Jahr 2019  in einer Beispielmessung (Mehrfamilienhaus, Wohnung mit 70 Quadratmetern, sechs Heizungen, schlechte Isolierung) ein Einsparpotenzial von gut acht Prozent ermittelt, wenn man zum Beispiel nachts die Temperatur absenkt oder bei Abwesenheit. Zieht man dann noch die Grundkosten ab, bleiben sechs Prozent übrig. Das sind bei angenommenen Heizkosten von 1000 Euro im Jahr immerhin 60 Euro, rechnet Reiner Metzger von der Stiftung Warentest vor.

Wann rechnet sich die Ersparnis?

Rechnet man für die sechs Heizkörper der Beispielwohnung 300 Euro Anschaffungskosten für die Thermostate, ist man im besten Beispielfall nach fünf Jahren bei Null. Hinzu kommen Kosten für Batterien und – Augen auf – bei manchen Systemen Abopreise für Zusatzleistungen. „Wenn Sie das alles gegenrechnen, so viel können Sie häufig gar nicht sparen“, sagt Nico Jurran.

Hinzu kommt: Mit dem Thermostat lassen sich ja nur die Verbrauchskosten senken. An den Grundgebühren für Ablesen, Abrechnen, Umlagen für Treppenhaus oder Wohnflächenanteile und anderen Fixkosten ändert der schlaueste Thermostat leider nichts. Und: Kein Winter gleicht dem anderen.

Brauche ich dann überhaupt vernetzte Thermostate?

Nein. Wer seine Drehregler diszipliniert bedient, kann die Heizkosten auch senken. Die Verbraucherzentrale Mecklenburg-Vorpommern rät etwa zu 21 Grad in häufig genutzten Wohnräumen und 18 Grad für Schlafzimmer. Die typischen Drehregler sind etwa so eingestellt, dass Stufe 3 etwa 20 Grad entspricht. Jeder weitere Strich auf der Skala entspricht einem Grad. Kälter als 16 Grad sollte es dauerhaft nicht in Räumen sein – sonst könnte erhöhte Feuchtigkeit zu Schimmelbildung führen.

Aber: Gut eingestellt, sind smarte Thermostate extrem komfortabel. Die Heizung hält von selbst die Temperatur, schaltet abends runter, man kann sie von unterwegs schonmal anwerfen, manche Systeme erlauben komplexe Datenauswertungen. Zusammen mit Fensterkontakten lassen sich schlaue Schaltungen bauen – dann schaltet die Heizung etwa beim Lüften ab.

Und: „Die smarten Thermostate haben den Vorteil, dass Sie die Temperatur für jeden Heizkörper einzeln regeln können“, sagt Reiner Metzger. Das ist dann auch bei zentral gesteuerten Heizungen praktisch und jeder kann in jedem Raum seine Wunschtemperatur einstellen.

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 Deutsche Presseagentur – Themendienst