Finanzen / 23.03.2018

Heute Werbetour für Deutschland-Rente

Hessische Landesregierung wirbt im Bundesrat für ein neues Modell der Altersvorsorge. Ein Deutschlandsfonds soll den Markt beleben.

Wiesbaden (mjj/dpa) Hessens Finanzminister Thomas Schäfer (CDU) will heute im Bundesrat für die Deutschland-Rente werben und einen Entschließungsantrag einbringen. Die betriebliche und die private Altersvorsorge seien in Deutschland unterentwickelt, begründete der Minister am Donnerstag in Wiesbaden den Vorstoß. Der Vorschlag aus Hessen sei daher eine gute Ergänzung für die bestehenden kapitalgedeckten Produkte.

Deutschlandfonds mit Wahlmöglichkeiten für die Altersvorsorge

  • Der Vorschlag sieht einen neuen zentralen Rentenfonds (Deutschlandfonds) vor. Die Deutschland-Rente soll es zum Selbstkostenpreis geben, damit das Geld sicher ist vor überteuerten Angeboten.
  • Die Arbeitnehmer sollen automatisch in ein solches kapitalgedecktes Altersvorsorgeprodukt einzahlen, wenn sie nicht widersprechen.
  • Für Geringverdienende soll der Staat einen großen Teil der Beiträge übernehmen, damit kapitalgedeckte Altersvorsorge nicht an den fehlenden finanziellen Mitteln scheitert.
  • Anleger können im Deutschland-Fonds zwei Varianten wählen: Ein Standardprodukt soll dank höherer Aktienquote bessere Renditen erwirtschaften. Eine zusätzliche Produktvariante verspricht heutige Garantien - arbeitet aber mit einer renditeärmeren Anlagestrategie.
  • Auch für die Deutschland-Rente soll es Riester-Zulagen geben. Sie seien wichtig als Anreiz für für Geringverdienende.
  • Zusätzlich enthält der Deutschlandfonds die Wahlmöglichkeit für eine Absicherung der Hinterbliebenen.

Kein Staatsfonds

Die hessische Landesregierung stellte klar, dass das neue Konzept keinesfalls ein Staatsfonds sei und der Deutschlandfonds mithin auch kein Sondervermögen des Staates darstelle. Jeder Sparer erwerbe für seine eingezahlten Beiträge Anteile am Fondsvermögen. "Diese Anteile sind von der verfassungsrechtlichen Eigentumsgarantie nach Artikel 14 des Grundgesetzes vor staatlichem Zugriff genauso geschützt wie alle anderen Wertpapiere", schreibt die Regierung auf ihrer Internetseite klar.  Damit sei die Altersvorsorge der Sparer vor staatlichen Eingriffen sicher.

Konkurrenz belebt den Markt

Der hessische Finanzminister Thomas Schäfer sieht die Deutschland-Rente auch als Initialzündung für bessere Altersvorsorgeprodukte: "Mit Einführung der Deutschland-Rente werden sich auch andere Anbieter sehr schnell auf wirklich kostengünstige und renditestarke Produkte umstellen. Das kann dem gesamten Markt einen neuen Schub geben.“ Hessen wird von einer schwarz-grünen Regierung geführt. Entsprechend werben beide Parteien für die Deutschland-Rente.

Die Opposition kritisiert den Vorschlag scharf: Die Lösungsansätze mit einem Staatsfonds sowie einer auf Aktienbesitz aufbauenden Altersvorsorge seien falsch, erklärten die Rentenexperten von SPD, Linken und FDP.

Wenn die Deutschland-Rente richtig gemacht werde, könne sie ein guter Zusatzbaustein sein, erklärte hingegen die Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände. Zwingende Voraussetzungen seien jedoch ein bürokratiearmes Verfahren und Wettbewerbsneutralität.

Michael John mit Material von dpa