Gesundheit / 15.01.2019

Hilfe für Kinder mit Neurodermitis

Der Leidensdruck bei Kindern mit Neurodermitis ist hoch. Eltern können im Alltag auf manches achten. Ein Patentrezept gibt es allerdings nicht.

Kleiner Junge mit Mutter in der Kinderarztpraxis. – Bild: wdv.de © Jan Lauer

Mönchengladbach (dpa/tmn). Die Haut wird rot, sie schuppt, und dann ist da ein schier unerträglicher Juckreiz: Kinder mit der chronischen Hautkrankheit Neurodermitis müssen mit all dem leben. Um es ihnen wenigstens ein bisschen leichter zu machen, begeben sich die Eltern oft auf die Suche nach der sprichwörtlichen Nadel im Heuhaufen. Was verschlechtert den Hautzustand, was wird dagegen gut vertragen?

Diese Detektivarbeit kann sich lohnen. Einige Faktoren im Blick zu haben, erleichtert den Umgang mit der der Hautkrankheit zusätzlich.

Kleidung

Die Kleidung von Neurodermitikern sollte vor allem weich sein, rät Julia Kahle, Neurodermitis-Trainerin beim Deutschen Allergie- und Asthmabund. „Damit keine mechanische Reizung auf der Haut entsteht, weil das die entzündete Haut weiter aufreibt. Das sind manchmal Kleinigkeiten: dass man die Kleidung auf links trägt, damit die Nähte nicht scheuern, oder dass man im Nackenbereich die Etiketten entfernt.“

Die Kleidung sollte außerdem wärmedurchlässig sein, damit das Kind nicht zu stark schwitzt. Dorit-Gisela Schmücker, Vorsitzende des Bundesverbandes Neurodermitis in Boppard, empfiehlt reine Baumwolle. „Am besten Bio-Baumwolle, aber das kann sich nicht jeder leisten. Man sollte auch darauf achten, dass nicht zu viele Farbstoffe verwendet wurden.“ Die Kinder spüren nach ihrer Erfahrung selbst, welche Textilien geeignet sind.

Ernährung

Hat ein Kind mit Neurodermitis eine nachgewiesene Nahrungsmittel-Allergie, muss es die betreffenden Allergene meiden. Schwieriger ist es mit Unverträglichkeiten etwa von säurehaltigem Obst. „Bei vorliegenden Nahrungsmittelunverträglichkeiten können Sie dies über keinen Test nachweisen. Das bemerkt man nur an der Reaktion des Körpers“, sagt Dorit-Gisela Schmücker. „Eltern sollten aufschreiben: Was hat das Kind gegessen oder getrunken? Die Reaktionen können ja zeitverzögert bis zu 72 Stunden später erfolgen.“

Solch ein Tagebuch hilft generell, Auslöser zu finden und dann entsprechend zu meiden. Ist das Kind noch ein Säugling und wird gestillt, kann die Mutter ihre Ernährung beobachten. Julia Kahle rät allerdings, die Aufzeichnungen mit einem Arzt oder einer Ernährungsfachkraft anzuschauen. „Es ist einfach schwer zu entscheiden, ob ein Schub von den zwei, drei Mandarinen am Tag kommt oder von der trockenen Heizungsluft in der Wohnung.“

Hautpflege

Im ersten Lebensjahr sind laut Julia Kahle Duft-, Farb- und möglichst auch Konservierungsstoffe tabu. Auch später sollten sie so wenig wie möglich in Cremes und Kosmetika enthalten sein. Kommt ein Kind mit Neurodermitis in die Pubertät, kann es sein, dass ihm eine gut riechende Körpercreme wichtig ist. „Dann ist es mir lieber, ich habe eine Creme, die sanft duftet, das Kind wendet sie aber an, anstatt es per se abzulehnen, sich einzucremen“, sagt die DAAB-Trainerin.

Generell müssen Eltern bei der täglichen Hautpflege mit etwas Geduld ausprobieren, was ihrem Kind guttut. „Wichtig ist vor allem, dass der Fett- und Feuchtigkeitsgehalt dem aktuellen Hautzustand entspricht“, erklärt Kahle. „Je trockener die Haut, etwa im Winter, desto höher muss der Fettgehalt sein.“ Reicht die normale Hautpflege nicht und sind kortisonhaltige Cremes nötig, verschreibt der Arzt entsprechende Präparate.

Juckreiz

Die normale Reaktion auf einen Juckreiz ist das Kratzen. Das schädigt jedoch wiederum die Haut, und so entsteht ein Teufelskreis. Leichtes bis mittelstarkes Jucken kann man mit Kühlung lindern, erklärt Thomas Schwennesen, Vorsitzender des Deutschen Neurodermitis Bundes (DNB). Etwa mit kühlenden Salben, fließendem kaltem Wasser, Kühlpackungen, Eiswürfeln im Beutel oder kühlem Föhnen. Auch Anti-Juckreiz-Sprays etwa mit Polidocanol können den Kreislauf unterbrechen.

Schwennesen empfiehlt außerdem ein alternatives Kratzen. „Es kann richtiggehend eingeübt werden, mit der flachen Hand oder den Knöcheln zu kratzen, die juckende Stelle zu kneten, kneifen, massieren oder drücken“, sagt der DNB-Chef. „Manchen Kindern tut es auch gut, an anderen als den betroffenen Stellen zu kratzen. Dabei ist es möglich, in geringem Abstand in der Luft über der betroffenen Stelle zu kratzen, an gesunden Körperstellen oder auf Jeans oder Teppichboden.“

Reaktion von anderen

 

Neurodermitis lässt sich nicht verstecken. Eltern sollten mit ihrem Kind ganz offen und ehrlich über die Reaktionen von anderen sprechen. Ganz wichtig ist auch, in Kindergarten oder Schule sowie im Bekannten- und Verwandtenkreis Aufklärung zu betreiben. „Es kursiert auf den Spielplätzen immer noch das Gerücht: ‚Das ist ansteckend‘. Dem ist natürlich nicht so“, sagt Julia Kahle.

Die Eltern können ihrem Kind den Rücken stärken, indem sie es annehmen, wie es ist. „Einfach zeigen, dass sie ihr Kind liebhaben, egal, wie die Haut im Moment aussieht“, sagt Dorit-Gisela Schmücker.

Mehr Informationen:

Bei chronischen Erkrankungen haben Kinder und Jugendliche in vielen Fällen Anspruch auf eine Kinder- und Jugendreha der Deutschen Rentenversicherung. Informieren Sie sich.

www.deutsche-rentenversicherung.de

Seite der Deutschen Rentenversicherung zum Thema Kinder- und Jugendrehabilitation

www.ihre-vorsorge.de

Kinder- und Jugendreha auf Ihre Vorsorge

Autor

 Deutsche Presseagentur – Themendienst