Gesundheit / 06.12.2019

HIV: Tausende sind unwissentlich positiv

Weniger Menschen infizieren sich neu mit HIV, soweit die gute Nachricht. Doch nicht jeder, der bereits HIV-positiv ist, weiß es.

Bild zum Thema HIV: Tausende sind unwissentlich positiv. – Mehrere Röhrchen mit Blutproben in einem Becher.

Berlin (dpa). Im vergangenen Jahr haben sich laut Robert Koch-Institut (RKI) weniger Menschen in Deutschland mit HIV angesteckt. Nach einer Schätzung liege die Zahl der Neuinfektionen bundesweit bei 2.400, das seien hundert Fälle weniger als im Jahr zuvor, teilte das RKI Mitte November in Hinblick auf den Welt-Aids-Tag mit. Die Zahlen werden jährlich neu errechnet, da HIV oftmals erst Jahre nach der Ansteckung diagnostiziert wird. Sie sind nicht zu verwechseln mit den tatsächlich gemeldeten Neudiagnosen.

Ausweitung der Testangebote verringert Neuinfektionen

Der Trend kommt nach Institutsangaben aus der wichtigsten Betroffenengruppe: Bei homo- und bisexuellen Männern sei die Zahl der geschätzten HIV-Neuinfektionen seit 2012 um gut ein Viertel auf nun 1.600 zurückgegangen. Wahrscheinlich liege dies in erster Linie an gesteigerter Testbereitschaft und einer Ausweitung der Testangebote. Auch die Empfehlung, sofort mit einer Behandlung zu beginnen, habe offenbar zu dem Erfolg beigetragen.

Unbeabsichtigt ansteckend: RKI geht von über 10.000 unwissentlich HIV-Infizierten aus

Insgesamt geht das Institut von fast 88.000 HIV-Infizierten in Deutschland aus, schätzungsweise mehr als 10.000 von ihnen wissen aber noch nichts davon. Dadurch könne das Virus unbeabsichtigt weitergegeben werden. Auch die Sterblichkeit sei bei späten Diagnosen höher. 2018 starben nach RKI-Angaben schätzungsweise 440 Menschen an den Folgen einer HIV-Infektion, seit Beginn der Epidemie in den 1980er Jahren rund 29.000.

Kassen zahlen Medikamente zur HIV-Prophylaxe

„Mit HIV kann man heute bei rechtzeitiger Diagnose leben wie alle anderen Menschen“, erklärte die Deutsche Aidshilfe. Die Organisation nimmt an, dass auch die HIV-Vorbeugung mit Medikamenten (sogenannte Prä-Expositionsprophylaxe, kurz PrEP) wahrscheinlich mit zum Rückgang der Neuinfektionen beigetragen hat. Diese sei seit Herbst 2017 zu erschwinglichen Preisen erhältlich, seit 1. September übernähmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten. „Die PrEP muss nun noch bekannter gemacht werden.“

Das RKI hält hingegen noch weitere Analysen für nötig, um den Einfluss der PrEP zu beurteilen. Bei der PrEP nehmen HIV-negative Menschen ein Medikament ein, um sich vor einer HIV-Ansteckung zu schützen.

Weitere Informationen

www.rki.de
Pressemitteilung RKI

www.rki.de: Epidemiologisches Bulletin
Robert-Koch-Institut: Epidemiologisches Bulletin (PDF)

Autor

 Deutsche Presseagentur