Rente / 09.08.2019

"Höherer Rentenbeitrag wäre keine Wachstumsbremse"

IMK: Die künftig größere Zahl von Rentnern hat mehr Geld für Konsum zur Verfügung. Kaufkraft geht nicht verloren, sondern wird umverteilt.

Bild zum Beitrag "Höherer Rentenbeitrag wäre keine Wachstumsbremse"". Das Bild zeigt eine Frau mit Einkaufswagen.

Düsseldorf/Bad Homburg (sth). Höhere Rentenbeiträge zur Finanzierung der steigenden Rentnerzahl wären laut einer Studie des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) bei der Hans-Böckler-Stiftung für die Konjunktur kein Problem. Menschen im Ruhestand hätten dann insgesamt mehr Geld für ihren Konsum zur Verfügung, heißt es in der Untersuchung der IMK-Forscher Fabian Lindner, Rudolf Zwiener und Florian Blank sowie Prof. Camille Logeay (Hochschule für Wirtschaft und Technik Berlin). Es gehe also "keine Kaufkraft verloren, sondern sie wird zwischen Rentnern, aktiv Beschäftigten und Unternehmen umverteilt", so die Wissenschaftler.

Selbst wenn der Rentenbeitrag – er liegt derzeit bei 18,6 Prozent – um einen Prozentpunkt steigen würde, bliebe das Bruttoinlandsprodukt "nahezu unverändert", heißt es in der Studie weiter. Auch die Beschäftigungsentwicklung wäre "nicht negativ betroffen". Zur Begründung führen die IMK-Forscher an, dass sich verschiedene Effekte gegenseitig aufheben würden: Zwar fielen die Lohnstückkosten dann etwas höher aus, was in erster Linie die Exportwirtschaft treffen könne. "Auf der anderen Seite kämen die höheren Beiträge einer großen Zahl von Rentnerinnen und Rentnern zugute. Diese hätten in der Summe mehr Geld zur Verfügung, was wiederum die Binnennachfrage stärken würde", sind die Studienautoren überzeugt.

"Auch höhere Steuern statt Beiträgen hätten kaum Wirkung"

Die Folgen für das Wachstum wären nach den Berechnungen des IMK ähnlich gering, wenn man die Rentenversicherung nicht durch höhere Beiträge, sondern mit höheren direkten Steuern stärken würde. Allerdings würden sich dann "insbesondere die Nettolöhne pro Kopf etwas schlechter als bei einer Beitragssatzerhöhung entwickeln", weil dann die Unternehmen weit weniger an der Finanzierung beteiligt würden. "Einen Vorteil hätten Zuschüsse aus Steuermitteln aber", so die Forscher: "Besserverdiener würden stärker belastet als im Falle der Beitragsfinanzierung und Beamte und Selbständige würden einbezogen. Dies könne in der Gesamtgesellschaft "Akzeptanz von steigenden Rentenausgaben erhöhen“.

Das Fazit der Düsseldorfer Ökonomen: Die steigenden Rentenausgaben sollten ihrer Meinung nach durch eine Kombination aus höheren Beitragssätzen und Steuermitteln finanziert werden. Dadurch seien „keine nennenswerten negativen Wachstums- und Beschäftigungseffekte" zu befürchten. Zudem sollten auch Selbstständige und Beamte schrittweise in die gesetzliche Rentenversicherung einbezogen werden, um die erforderlichen Ausgaben auf mehr Schultern zu verteilen.

Mehr zum Thema:

www.boeckler.de

Studie des IMK zu den Auswirkungen höherer Rentenbeiträge und Steuern bei steigender Rentnerzahl (im pdf-Format)

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Autor

Stefan Thissen