Soziales / 12.01.2021

Homeoffice: Druck auf Unternehmen wächst

Die Forderungen nach strengeren Regeln für Unternehmen werden lauter. Arbeitsminister Heil und CSU-Chef Söder planen Gespräche mit der Wirtschaft.

Homeoffice: Druck auf Unternehmen wächst. – Junge Frau sitzt im Homeoffice am Notebook und telefoniert.

(dpa).Heil forderte am Montag Unternehmen dringend auf, Beschäftigten in der Corona-Krise Homeoffice zu gewähren. „Willkürlich Homeoffice zu verweigern, wäre jetzt unverantwortlich“, sagte er dem Sender „NDR Info“. Er werde seinen Appell an Unternehmen, das Arbeiten von zu Hause zu ermöglichen, am Dienstag in einer Konferenz mit den Personalvorständen großer Firmen bekräftigen.

Dort, wo kein Homeoffice möglich sei, müssten Hygiene-Auflagen strikt eingehalten werden, sagte Heil. Sonst könne er einen Stillstand auch in der Produktion nicht ausschließen. Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der SPD im Bundestag, Katja Mast, bekräftigte: „Jetzt ist nicht die Zeit, über eine physische Rückkehr ins Büro nachzudenken. Wo Homeoffice möglich ist, ist das jetzt angesagt.“

Homeoffice-Gipfel soll Zielvorgaben für Arbeitgeber schaffen

Auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder verlangte von Unternehmen mehr Homeoffice-Möglichkeiten für Beschäftigte. Er brachte bei Arbeitgebern im Freistaat auch konkrete Zielvorgaben ins Spiel. Voraussichtlich am Mittwoch wolle er bei einem Homeoffice-Gipfel mit Wirtschaft und Gewerkschaften darüber sprechen.

Zunächst einmal müsse man überlegen, wie die Potenziale für Homeoffice, die es gebe, besser ausgeschöpft werden könnten – bislang sei das noch nicht ausreichend der Fall. „Das muss fundamental verbessert werden“, verlangte Söder. Wenn das nicht funktioniere, müsse man vielleicht über „andere Maßnahmen“ nachdenken.

Gewerkschaften fordern Rechtsanspruch auf Homeoffice

Gewerkschaften bringen nun den Rechtsanspruch aufs Homeoffice wieder ins Spiel. „Wir fordern einen Rechtsanspruch auf Homeoffice – jedenfalls da, wo es machbar ist“, sagte DGB-Chef Reiner Hoffmann der „Süddeutschen Zeitung“ (Montag). „Es kann nicht sein, dass die Arbeitgeber allein darüber entscheiden“, fügte er hinzu. Ebenso müsse sichergestellt werden, „dass niemand ins Home Office gezwungen werden kann“, meint der Chef des Deutschen Gewerkschaftsbundes.

Arbeitgeber wehren sich gegen Eingriffe in betriebliche Arbeitsorganisation

Gegen zunehmende Homeoffice-Forderungen wehrt sich die Wirtschaft. Nach Einschätzung von Oliver Stettes vom arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft (IW) wäre verpflichtendes Homeoffice „ein gravierender Eingriff in die betriebliche Disposition, für den die Grundlage fehlt“. Zudem sei es nicht überall möglich oder gar sinnvoll, dauerhaft von zu Hause aus zu arbeiten. So müsse teilweise auf das Homeoffice verzichtet werden, weil zum Beispiel die IT nicht ausreichend sei, Datensicherheit nicht gewährleistet werden könne oder die Arbeitsorganisation Anwesenheit erforderten.

Autor

 Deutsche Presseagentur