Soziales / 29.04.2020

IAB-Arbeitsmarktbarometer fällt auf historischen Tiefstand

Die Voraussagen des Frühindikators für Beschäftigungsentwicklung und Arbeitslosenstand stimmen nicht gerade zuversichtlich.

Schild mit Aufschrift: jobcenter team.arbeit Anmeldung, im Vordergrund zwei Gesichtsprofile im Schatten. – Bild: Getty Images © Krisztian Bocsi

Nürnberg (iab). Das Arbeitsmarktbarometer des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) ist im April auf ein Rekordtief gefallen. Gegenüber dem Vormonat sackte es um 6,8 Punkte auf 93,5 Punkte ab, den niedrigsten Wert seit seinem Bestehen.

Die Beschäftigungskomponente des IAB-Arbeitsmarktbarometers verlor im April gegenüber dem Vormonat 8,0 Punkte und steht nun bei 94,5 Punkten. Ein Wert von unter 100 signalisiert einen Beschäftigungsrückgang. „Zehn Jahre lang ging es mit der Beschäftigung in Deutschland steil bergauf. Dieser Trend wurde jetzt abrupt unterbrochen“, sagt Enzo Weber, Leiter des IAB-Forschungsbereichs „Prognosen und gesamtwirtschaftliche Analysen“.

Arbeitslosigkeit wird in den nächsten Monaten steigen

Die Komponente zur Vorhersage der Arbeitslosigkeit sank im April gegenüber dem Vormonat – von einem ohnehin deutlich niedrigeren Niveau ausgehend – um 5,7 Punkte und liegt jetzt bei einem Wert von 92,4. „Kurzarbeit wird zwar viele Jobs retten, aber dennoch erwarten die Arbeitsagenturen in den nächsten Monaten eine stark steigende Arbeitslosigkeit“, so Weber.

Da Kurzarbeit alleine nicht reiche, sei es außerordentlich wichtig, Konjunkturimpulse zu setzen, Neueinstellungen zu unterstützen – auch dort, wo trotz der aktuellen Krise Personalmangel herrsche – und eine Verfestigung von Arbeitslosigkeit zu vermeiden.

Frühindikator für den Arbeitsmarkt

Das IAB-Arbeitsmarktbarometer ist ein seit dem November 2008 bestehender Frühindikator, der auf einer monatlichen Umfrage der Bundesagentur für Arbeit unter allen lokalen Arbeitsagenturen basiert. Während Komponente A des Barometers die Entwicklung der saisonbereinigten Arbeitslosenzahlen für die nächsten drei Monate prognostiziert, dient Komponente B der Vorhersage der Beschäftigungsentwicklung. Der Mittelwert aus den Komponenten „Arbeitslosigkeit“ und „Beschäftigung“ bildet den Gesamtwert des IAB-Arbeitsmarktbarometers.

Dieser Indikator gibt damit einen Ausblick auf die Gesamtentwicklung des Arbeitsmarkts. Da das Saisonbereinigungsverfahren laufend aus den Entwicklungen der Vergangenheit lernt, kann es zu nachträglichen Revisionen kommen. Die Skala des IAB-Arbeitsmarktbarometers reicht von 90 (sehr schlechte Entwicklung) bis 110 (sehr gute Entwicklung).

Weitere Informationen

www.iab.de
Presseinfo des IAB zum Arbeitsmarktbarometer

Autor

 Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB)