Soziales / 05.10.2017

Immer häufiger Kindeswohlgefährdung

Jugendämter greifen ein. Immer mehr Kinder in ihrem Wohl gefährdet

Wiesbaden (dpa). Immer mehr Kinder sind nach Einschätzung von Deutschlands Jugendämtern in ihrem Wohl gefährdet. Im vergangenen Jahr stieg die Zahl der akuten Fälle auf 21.600. Das war eine Zunahme von 3,7 Prozent, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Mittwoch berichtete. 2015 hatte die Zahl der eindeutigen Gefährdungen sogar zweistellig zugelegt.

Vernachlässigung, psychische und körperliche Misshandlung, sexuelle Gewalt – mit steigender Tendenz

Insgesamt befassten sich die Ämter mit rund 137.000 Fällen (plus 5,7 Prozent), in denen das Kindeswohl als möglicherweise gefährdet galt. Kleinkinder bis zum Alter von drei Jahren waren von der Prüfung besonders häufig betroffen. In 24.200 Verfahren (plus 0,1 Prozent) wurde eine „latente“ Gefährdung des Kindes festgestellt.

Die meisten der rund 45.800 Kinder mit akuter oder latenter Gefährdung wiesen Anzeichen von Vernachlässigung auf (61,1 Prozent). In 28,4 Prozent der Fälle wurden Anzeichen für psychische Misshandlung festgestellt. Bei einem guten Viertel (25,7 Prozent) gab es Anzeichen für körperliche Misshandlung. Anzeichen für sexuelle Gewalt wurden in 4,4 Prozent der Fälle von Kindeswohlgefährdung festgestellt. Mehrfachnennungen waren möglich.

In rund 46.600 Fällen (plus acht Prozent) kamen die Ämter zum Ergebnis, dass zwar keine Gefährdung vorlag, aber Unterstützung notwendig ist. Hinweise zur Gefährdung erhalten die Ämter von Polizei und Staatsanwaltschaft, Schulen, Nachbarn und Bekannten sowie anonym.

Autor

 Deutsche Presseagentur