Rente / 27.09.2021

Immer mehr Versicherte kaufen sich Rentenabschläge ab

Rentenversicherung verzeichnet Boom bei den Extrazahlungen. Im Durchschnitt werden etwa 16.000 Euro im Jahr eingezahlt.

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München (). Immer mehr Rentenversicherte zahlen freiwillige Beiträge, um Abschläge im Falle eines vorzeitigen Rentenbeginns auszugleichen. Dies geht aus dem Jahresbericht der Deutschen Rentenversicherung Bund (DRV) hervor. Demnach überwiesen 2019 bereits knapp 26.000 Versicherte solche Sonderzahlungen in die Rentenkasse. 2012 nutzen gerade einmal 933, im Jahr 2017 genau 11.620 Personen diese Möglichkeit. Rentenexperten rechnen damit, dass diese freiwilligen Beitragszahlungen in den nächsten Jahren sogar noch deutlich weiter zunehmen werden, weil der Rentenbeitrag mit 18,6 Prozent derzeit noch vergleichsweise niedrig ist, die Sonderzahlungen als sehr rentabel gelten und sich damit auch Steuern sparen lassen.

Auslöser für den Boom sind vor allem gesetzliche Verbesserungen: Seit 1. Juli 2017 kann man auch ab dem 50. Lebensjahr die Ausgleichszahlungen leisten. Vorher war dies erst ab dem 55. Lebensjahr möglich. Diese Änderung spiegelt sich auch in den Zahlen der DRV Bund wider. So waren laut Jahresbericht unter den Ausgleichszahlern des Jahres 2019 etwa 4.800 Versicherte im Alter von 50 bis 54 Jahren. Extra eingezahlt wurden insgesamt 414,9 Millionen Euro – das sind bei den genau 25.839 Einzahlern im Durchschnitt etwa 16.000 Euro pro Jahr.

Abschläge können monatlich bis zu 200 Euro ausmachen

Wer vorzeitig in Altersrente geht, muss Abschläge von seiner Rente in Kauf nehmen. Diese belaufen sich auf 0,3 Prozent je Monat. Maximal betragen die Abschläge damit 14,4 Prozent für 48 Monate bei einem Renteneintritt mit 63 statt mit künftig 67 Jahren. Diese Abschläge können bei Rentnern mit einer überdurchschnittlich hohen Rente durchaus mehr als 200 Euro monatlich betragen. Im Durchschnitt sind sie aber niedriger. In den alten Bundesländern lag die Höhe der Abschläge für Neurentner, die 2020 vorzeitig in den Ruhestand gegangen sind, bei durchschnittlich 126 Euro für Männer, bei den Frauen. waren es 86 Euro. In den neuen Bundesländern betrugen die Werte 104 (Männer) und 105 Euro (Frauen).

Der Abkauf von Abschlägen kann zwar mehrere zehntausende Euro kosten. Trotzdem wird diese Form der Sonderzahlungen, nicht zuletzt bei Gutverdienern, immer beliebter, weil sich diese Einzahlungen idealerweise über mehrere Jahre gestreckt bis zu gewissen Höchstgrenzen als Altersvorsorgeaufwendungen steuermindernd in der Steuererklärung angeben lassen. Außerdem zeigen Berechnungen, dass sich Beitragszahlungen in die gesetzliche Rentenversicherung durchaus lohnen und damit hochgerechnet Renditen von etwa zwei bis drei Prozent möglich sind. Bevor Versicherte Extrazahlungen leisten, sollten sie sich aber von der Rentenversicherung beraten lassen und dabei alle Details klären.

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Autor

Thomas Öchsner