Finanzen / 14.09.2021

Immobilienpreise steigen in den Speckgürteln besonders stark

Die Preisrallye beim Wohneigentum verlagert sich immer mehr aufs Umland. Die Jungen weichen auf kleinere Orte mit bezahlbarem Wohnraum aus.

Immobilienpreise steigen in den Speckgürteln besonders stark. – Ansteigende Münzstapel mit Hausmodellen.

München (). Die Preise für Eigentumswohnungen steigen derzeit vor allem im Umland der großen Städte und auch in kleineren Mittelstädten. Dort ist der Preisanstieg inzwischen deutlich stärker als in den Metropolen Deutschlands. Dies zeigen die jüngsten Analysen der Marktforschungsunternehmen F+B und Empirica.

Filtert man die 50 teuersten Kommunen in Deutschland heraus, zeigt sich, dass im zweiten Quartal 2021 verglichen mit dem Vorjahresquartal vor allem Gemeinden aus Bayern und Baden-Württemberg „die höchste Preisdynamik aufwiesen“, heißt es im Marktbericht des Hamburger Forschungs- und Beratungsunternehmens F+B. Das gelte besonders für das unmittelbare Münchner Umland.

16 Prozent mehr innerhalb eines Quartals

Als Beispiel nennen die Fachleute die Preise in Olching, Friedberg, Germering, Freising und Erding (alle in Bayern) mit Steigerungsraten im Jahresvergleich von 6,8 bis 12,1 Prozent. Noch deutlich wird der Trend, wenn man das zweite Quartal 2021 mit dem ersten Quartal 2021 vergleicht: Allein in diesem kurzen Zeitraum legten die standardisierten Preise laut F+B zum Beispiel in Kornwestheim bei Stuttgart um 16,3 Prozent zu.

F+B beobachtet nach eigenen Angaben „eine wachsende Attraktivität der Speckgürtel, zum Teil auch weiter von den Kernstädten entfernt liegender Gemeinden“. Begründet wird dies vor allem mit der Corona-Pandemie, die nach 15 Monaten „offenbar zu nachhaltig veränderten Nachfragepräferenzen“ führe. Das liege nicht nur an dem extrem hohen Preisniveau in den Metropolstandorten. Die Nachfrage nach Eigentumswohnungen außerhalb der Metropolen werde ebenso begünstigt durch den „Breitbandausbau auch in Klein- und Mittelstädten und einem Bedeutungsrückgang der Pendelkosten durch mehr Arbeit im Homeoffice“.

Junge Menschen ziehen ins immer entferntere Umland

Das Berliner Analysehaus Empirica hat ebenfalls festgestellt, dass die Preise für Eigenheime im Umland erheblich schneller als in den Städten zulegen. Die Immobilienexperten beobachten schon länger, dass junge Familien auf der Suche nach einer großen, aber bezahlbaren Wohnung „ins immer entferntere Umland“ ziehen. Von der Zuwanderung junger Menschen profitieren „mittlerweile mehr und mehr Mittelstädte, die bisher eher geschmäht worden sind“, heißt es bei Empirica. Diese Ausweichstädte lägen „entweder im weiteren Umland der Schwarmstädte oder entlang von Verkehrsachsen“. Außerdem stellen die Fachleute fest: „Sogar einige ländliche Kreise erleben jetzt eine zarte Zuwanderung von Familien oder zumindest weniger Abwanderung junger Menschen.“

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Autor

Thomas Öchsner