Finanzen / 01.12.2017

Indexfonds: Vom Hui- zum Pfui-Image?

Was an der Kritik an Indexfonds dran ist und wie gefährlich sie wirklich sind

Frankfurt/Main/Düsseldorf (dpa/tmn) Börsennotierte Indexfonds - auch ETFs (Exchanged Traded Funds) genannt - sind bei Anlegern beliebt. Ihr Vorteil: Sie sind günstig, flexibel und transparent. Ihr Prinzip ist einfach: Ein ETF bildet einen Börsenindex wie zum Beispiel den Dax nach und entwickelt sich dann auch so wie der Index. Einen Manager, der bei bestimmten Kursbewegungen eingreift, gibt es nicht. Und genau an diesem Prinzip gibt es immer wieder Kritik. Die passive Anlagestrategie würde schlechte von guten Aktien nicht unterscheiden, die Papiere würden nicht analysiert, sondern nur nachgekauft. Durch die große Nachfrage sei zudem eine große Marktmacht entstanden. Das alles könne gefährlich für den Markt werden, befürchten Kritiker.

Doch was ist dran an den Bedenken?

Große Marktmacht: Keine Frage, in den vergangenen Jahren ist weltweit viel Geld in die börsennotierten Indexfonds geflossen. Gemessen an dem insgesamt von Fondsgesellschaften verwalteten Vermögen, ist der Anteil der ETFs aber noch überschaubar. So verwalteten die Fondsgesellschaften nach Angaben des Fondsverbandes BVI zum Stichtag 30. September 2017 insgesamt rund 2,58 Billionen Euro in offenen Fonds. Rund 125 Milliarden Euro davon entfielen auf passive Indexfonds.

Obwohl das Segment weiter wächst, glauben Marktbeobachter derzeit eher nicht, dass ETFs zu viel Gewicht bekommen. "Bei einem organischen Wachstum von zehn Prozent, das entspräche der unteren Spanne von der wir ausgehen, würden die ETF-Assets in den kommenden fünf Jahren um 60 Prozent wachsen", schätzt Ali Masarwah, Chefredakteur der Fondsratingagentur Morningstar. Eine marktgefährliche Größe wäre damit noch nicht erreicht.

Herdentrieb als Manko

ETF verstärken Kursbewegungen: Steigendes Marktvolumen und leichte Handelbarkeit sorgen bei manchen Experten für Bedenken. "Hinter dem Kritikpunkt steckt vor allem die Annahme, dass die Anleger ihrem Herdentrieb nun noch leichter nachgeben können", erklärt Yann Stoffel von der Stiftung Warentest. "Das heißt, dank der sekündlich handelbaren ETF würden Anleger in einem Marktcrash nun eher ihre ETF abstoßen, als sie es sonst mit Aktien und normalen Fonds tun würden." Ein solches Verhalten könnte eine Abwärtsbewegung des Marktes verstärken.

Aber es gibt auch Gegenmeinungen: "Der Internationale Währungsfonds hat die Frage bereits 2015 untersucht und keinen nachteiligen Effekt durch ETF festgestellt", sagt Stoffel. Auch ein Blick auf das Tagesgeschäft zeigt nicht, dass ETF die Kursbewegungen erhöhen, da die Marktschwankungen aktuell historisch niedrig sind.

Richtig aber ist: Ein passiver ETF rutscht mit dem Index ab. Die Kursverluste werden genauso übernommen, wie die Gewinne. Bei aktiv gemanagten Fonds kann der Fondsmanager eingreifen, wenn die Börse ins Trudeln kommt und so eventuell den Kurssturz dämpfen. "In der Vergangenheit hat sich diese Hoffnung jedoch nicht bewahrheitet", sagt Masarwah. "Denn dieses Gespür hat der Fondsmanager nicht immer."

Auch aktives Managen hilft nicht garantieret

Blindes Investieren: Als passives Anlageinstrument bauen ETFs einen bestimmten Index nach, zum Beispiel den Dax. Sie legen dann das Geld genauso in die 30 Aktien des deutschen Leitindex' an, wie diese auch im Dax vertreten sind. Sie analysieren keine Unternehmenszahlen oder wählen spezielle Titel aus, sie passen sich nur der Bewertung anderer an. Allerdings der Bewertung des Marktes, nicht der der Fondsmanager. "Wenn man davon ausgeht, dass der Markt den perfekten Preis bildet, dann ist der ETF, der den Markt nachbildet, gegenüber den aktiven Fonds, die ja erst reagieren müssen, im Vorteil", sagt Markus Feck von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

Die Kritik am blinden Investieren impliziert, dass die aktiven Fondsmanager vielversprechende Aktien immer erkennen und kaufen sowie schlecht laufende Papiere immer herausfiltern. Aber: Allzu oft entwickelt sich der Markt besser als gemanagte Fonds. "Wir stellen regelmäßig fest, dass es sehr viele aktive Fonds gibt, die mehr schlechte Aktien gekauft haben als vergleichbare ETF, weil sie, auch nach Berücksichtigung ihrer höheren Kosten, schlechter abschneiden als ETF", sagt Warentester Stoffel.

Nur wenige Alternativen

Alternativen zu ETFs sind nicht leicht zu finden. "Neben aktiven Fonds und stark gestreuten Aktienportfolios gibt es kaum welche", meint Yann Stoffel. Und auch diese beiden Möglichkeiten haben so ihre Tücken: "Aktive Fonds machen mehr Arbeit, da auf gute Managerleistung kein Verlass ist und diese regelmäßig überprüft werden muss," sagt Stoffel, "und große Aktienkörbe lohnen nur ab sehr großen Anlagebeträgen." Das sieht auch Verbraucherschützer Markus Feck so: "Wer langfristig investieren will, muss sein Geld für eine gute Rendite in Aktien stecken." Und hierfür sind ETFs gut geeignet.

Beate Kaufmann, dpa

Autor

 Deutsche Presseagentur