Rente / 18.10.2018

Inklusion darf keine Illusion bleiben

Fachtagung zum Thema Inklusion der DRV – Ziel ist eine ganzheitliche Betrachtung des Themas

Speyer (jst). Bei einer Fachtagung zum Thema „Inklusion: Illusion oder Erfolgsmodell?“ hat die rheinland-pfälzische Sozialministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD) alle beteiligten Akteure dazu aufgefordert, ein „starkes Netzwerk für den inklusiven Arbeitsmarkt“ zu formen.

Mit dem Projekt „Budget für Arbeit“ habe das Sozialministerium einen Baustein entwickelt, der Menschen mit Behinderung eine „echte Chance“ auf dem Arbeitsmarkt biete. Die Deutsche Rentenversicherung Rheinland-Pfalz, Gastgeberin der Fachtagung in Speyer, nannte die Ministerin einen „starken Partner“ auf dem Weg, aus der Illusion ein „Erfolgsmodell Rheinland-Pfalz“ zu gestalten. Das Land selbst wolle vorangehen. Zielmarke bis 2021 sei, eine Quote von sechs Prozent Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mit Behinderung im Landesdienst.

Ziel der Fachtagung: ganzheitliche Betrachtung des Themas Inklusion

Ziel der Fachtagung mit Teilnehmern aus Arbeitsagenturen und Unternehmen, Sozialverbänden und Gewerkschaften, Medizinern, Arbeitsverbänden und DRV-Kliniken war die ganzheitliche Betrachtung des Themas Inklusion. Einen „kritischen Blick in unsere Gesellschaft zu werfen“, erwartete DRV-Geschäftsführerin Rheinland-Pfalz, Saskia Wollny.

Dafür hatte sie namhafte Referentinnen und Referenten eingeladen, neben der Sozial- und Arbeitsministerin etwa Professor Michael von Cranach als Experte für die Aufarbeitung der Psychiatrie in der Zeit des Nationalsozialismus, der den langen Weg zur Inklusion geschichtlich einordnete. Sein Fazit: „Wir sind noch weit weg vom Ziel. Von der Utopie einer wirklich offenen Gesellschaft.“

Inklusionsgeschichte des blinden Mädchens vom Bodensee berührte

Ein Leuchtturm zwischen Skepsis und Hoffnung, zwischen der Illusion und der gelebten Inklusion, war der Stargast der Tagung, die neue Präsidentin des Sozialverbandes VdK, Verena Bentele. Ihre persönliche Inklusionsgeschichte des blinden Mädchens vom Bodensee beeindruckte und berührte. Das Mädchen gewann zwölf Goldmedaillen bei den Paralympics, hat Marathons bewältigt und ist 540 Kilometer am Stück per Tandem durch Norwegen geradelt. Es hat ein Studium der Literaturwissenschaft abgeschlossen und wurde die erste Beauftragte der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderung, die selbst ein Handicap hat.

Bentele: „Ich glaube an Inklusion“

„Ich glaube an Inklusion“, erklärt Bentele voller Überzeugung nach ihrem einstündigen positiven Lebensbekenntnis. „Mit Herz und Verstand bleibt sie keine Illusion. Es lohnt sich, daran zu arbeiten.“

Diesen Ansatz zu verfolgen, versprachen beim abschließenden Podiumsgespräch auch Geschäftsführerin Ulrike Mohrs („Wir haben hervorragende Kräfte, die ein absoluter Gewinn sind“) von der Arbeitsagentur Koblenz-Mayen, der Landesbeauftragte für Menschen mit Behinderungen Matthias Rösch („Wir müssen vernetzt arbeiten, um noch mehr behinderte Menschen in den ersten Arbeitsmarkt zu bringen“) und DRV-Verwaltungsleiter Johannes Reichert.

Die angestrebte Quote der Sozialministerin habe die Deutsche Rentenversicherung als Arbeitgeber bereits erreicht. „Wir sind bei 2.200 Mitarbeitern in Rheinland-Pfalz bei 7,9 Prozent Menschen mit Beeinträchtigungen“, so Reichert.

Autor

Jürgen Streicher