Rente / 11.06.2021

IW-Studie: Rente mit 68 nicht ausreichend

Arbeitgebernahes Forschungsinstitut schlägt auf lange Sicht Rentenbeginn mit 70 Jahren vor. Dänemark und Niederlande als Beispiel.

Köln (dpa). In der Debatte um ein höheres Rentenalter schlägt das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) auf lange Sicht einen Rentenbeginn mit 70 Jahren vor. "Mit einer fortgesetzten Anhebung der Regelaltersgrenze bis auf 70 Jahre ab 2052 ließe sich der Beitragsanstieg [...] bremsen und gleichzeitig das Sicherungsniveau stabilisieren", heißt es in einem Kurzbericht des IW. Als eine Möglichkeit wird genannt, den Rentenbeginn im Zeitraum nach 2031 pro Jahr um zwei Monate anzuheben. Begründet wird dies mit der steigenden Lebenserwartung der Menschen.

Das IW hat schon vor einigen Jahren die Rente mit 70 gefordert, nun untermauert es diese Haltung mit neuen Modellberechnungen. Am Montag hatte der Wissenschaftliche Beirat des Bundeswirtschaftsministeriums eine Anhebung des Renteneintrittsalters auf 68 Jahre bis zum Jahr 2042 vorgeschlagen. Aus Sicht des IW geht der Beiratsvorschlag nicht auf. "68 reicht nicht", heißt es von dem Institut. Studienautor Jochen Pimpertz verweist auf andere EU-Staaten: In Dänemark gelte ab dem Jahr 2030 eine Altersgrenze von 68 Jahren und in den Niederlanden sei die Rente mit 67 schon heute Realität. "Außerdem passen beide Länder das Rentenalter bei weiter steigender Lebenserwartung regelgebunden an", heißt es in der Kurzstudie.

Vorteil Planungssicherheit

Mit Blick auf Deutschland schreibt Pimpertz: "Was ökonomisch unvermeidbar erscheint, würde den Bürgern hierzulande vor allem Planungssicherheit verschaffen - sowohl mit Blick auf die ergänzende Privatvorsorge als auch bei der Berufswahl und der (Weiter-)Bildungsentscheidung." Dem Sender ntv sagte Pimpertz am Donnerstag, die Menschen lebten heute nun mal immer länger und blieben im Alter länger gesund und fit. Sollte man in der Zukunft statt 20 Jahren 30 Jahre im Ruhestand leben, wäre das "in einer alternden Gesellschaft dauerhaft nicht zu finanzieren". Wenn die demografische Entwicklung berücksichtigt werde, sei die Rente "im Prinzip stabil", sagte Pimpertz. «Wir müssen uns bei längerer Lebenserwartung darauf einstellen, dass wir eben die hinzugewonnene Lebensspanne auch anteilig im Erwerbsleben verbringen und nicht nur im wohlalimentierten Ruhestand."

Autor

 Deutsche Presseagentur