Rente / 09.04.2021

IW warnt vor Folgen des ausgesetzten Nachholfaktors

Arbeitgebernahes Wirtschaftsinstitut: Rentenniveau wird über Dekaden hinweg um mehr als einen Prozentpunkt zu hoch liegen.

Bild zum Beitrag "IW fordert Wiedereinführung des Nachholfaktors". Das Bild zeugt Dr. Rainer Dulger, Präsident der Bundesvereinigung Deutscher Arbeitgeberverbände.

Köln (sth). Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) warnt vor teuren Folgen des bis 2025 ausgesetzten Nachholfaktors in der Rentenanpassungsformel. Das Rentenniveau werde wegen dieses gesetzlichen Beschlusses von 2018 "nicht nur kurzfristig, sondern für die nächsten Dekaden" voraussichtlich um etwa 1,3 Prozentpunkte "über dem Niveau liegen, das sich mit dem Nachholfaktor ergeben würde", heißt es in einer Mitteilung des arbeitgebernahen Instituts. Zudem liege der Rentenbeitrag aus dem gleichen Grund "ab 2026 für Jahrzehnte um nochmal 0,3 bis 0,4 Prozentpunkte höher als nötig wäre", so das IW.

Auch die Steuerzahler müssten wegen der Aussetzung des Nachholfaktors mit weiteren Kostensteigerungen rechnen, kritisiert das in Köln ansässige Institut. Grund dafür sei, "dass steigende Beitragssätze zu einem höheren allgemeinen Bundeszuschuss an die Rentenkasse führen". Die Politik solle deshalb "im Sinne einer generationengerechten Lastenverteilung reagieren und den Nachholfaktor wieder einsetzen", fordert das IW. Denn die rechnerisch notwendige Rentenkürzung von 3,25 Prozent im Somner dieses Jahres "würde ja ohnehin erst ab der Rentenrunde 2022 nach und nach mit dann hoffentlich möglichen Erhöhungen verrechnet". 

Der Nachholfaktor wurde in der Finanzkrise 2008 als Ausgleich für die damals erweiterte "Rentengarantie" eingeführt. Diese sollte angesichts der damals sinkenden Löhne verhindern, dass auch die Renten sinken. Der Nachholfaktor soll nach einer Wirtschaftskrise bei wieder steigenden Löhnen dafür sorgen, dass die in den Folgejahren möglichen Rentenerhöhungen nur halb so hoch ausfallen wie nach der Rentenanpassungsformel eigentlich vorgesehen – bis die vermiedene Rentenkürzung ausgeglichen ist. Mit den 2018 eingeführten "Haltelinien" für das Rentenniveau von mindestens 48 Prozent und für den Rentenbeitrag von höchstens 20 Prozent bis 2025 wurde der Nachholfaktor ebenfalls bis 2025 ausgesetzt.  

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Autor

Stefan Thissen