Rente / 31.05.2019

Jedem fünften Rentner könnte Armut drohen

DIW-Studie: Sinkendes Rentenniveau führt zu steigender Altersarmut – Kosten für Unterkunft spielen große Rolle – DIW fordert Reformen

Eine alte Frau unterschreibt ein Dokument. In Zukunft könnten deutlich mehr Senioren auf Grundsicherung angewiesen sein.

Berlin (kma). Wenn das Rentenniveau – wie nach aktueller Rechtslage möglich – von heute 48 Prozent bis auf etwa 43 Prozent im Jahr 2045 sinken sollte, könnten bis zu 21 Prozent der Rentnerinnen und Rentner von Altersarmut betroffen sein. Heute sind es knapp 17,5 Prozent. Das geht aus einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) im Auftrag des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) hervor.

Die Forscher haben untersucht, wie sich das Rentenniveau – also das Verhältnis vom Durchschnittslohn aller Arbeitnehmer zur Standardrente nach 45 Beitragsjahren – auf die Altersarmut auswirken könnte. Dafür haben Sie in verschiedenen Szenarien sowohl Inflation als auch die Kosten für Unterkunft miteinbezogen, die laut Studie einen großen Teil der Grundsicherungskosten ausmachten. Ergebnis: Sinkt das Rentenniveau, steigt die Armutsrisikoquote. Aber: Die Entwicklung der Grundsicherungsquote hängt auch stark von der Entwicklung der Preise und der Unterkunftskosten ab. Bei hoher Inflation und weiter steigenden Unterkunftskosten ist das Altersarmutsrisiko am höchsten.

Heute 17,5 Prozent der Senioren gefährdet

„Wir können zeigen, dass sich das Armutsrisiko für Menschen, deren Einkommen im Alter vor allem auf der gesetzlichen Rente basiert, bei dem erwarteten Rückgang (des Rentenniveaus, An. d.Red.) deutlich erhöht“, sagt Johannes Geyer, einer der Autoren der DIW-Studie.

Heute beziehen etwa 560.000 Seniorinnen und Senioren in Deutschland Grundsicherung im Alter. Gemessen an der Gesamtzahl der etwa 20 Millionen Rentnerinnen und Rentner ist das eine vergleichsweise kleine Zahl. Allerdings seien etwa 17,5 Prozent aller mindestens 65-Jährigen von Altersarmut bedroht, schreiben die Forscher. Und nicht jeder, der Anspruch hat, stellt auch einen Antrag auf Grundsicherung – sei es aus Unwissenheit oder aus Scham. Als armutsgefährdet gelten Menschen, die weniger als 60 Prozent des Durchschnittseinkommens zur Verfügung haben. Gründe dafür sind häufig kurze Beitragsjahre in der gesetzlichen Rentenversicherung, Jobs im Niedriglohnsektor, Teilzeitbeschäftigung oder Zeiten der Arbeitslosigkeit.

Steigendes Rentenniveau wäre teure Lösung

Als kurzfristige Maßnahmen sehen die DIW-Experten zwar einerseits Regelungen der gesetzlichen Rente und Anpassungen bei der Grundsicherung im Alter. Die Erhöhung des Rentenniveaus empfehlen sie aber nicht uneingeschränkt.

Zwar finde sich ein starker Zusammenhang zwischen Rentenniveau und Armutsrisiko, aber „wenn wir das Rentenniveau anheben, dann heben wir auch die Renten der Menschen an, die weit weg von der Armutsgrenze und relativ gut situiert sind“, sagt Johannes Geyer vom DIW. So eine Maßnahme sei sehr kostenintensiv.

Langfristig Zusatzvorsorge stärken

Langfristig müsse man die betriebliche wie die private Vorsorge stärken und Geringverdienern die Möglichkeit geben, zusätzlich fürs Alter vorzusorgen. „Darüber hinaus ist es wichtig, dass die Politik durch weitere Reformen, etwa in den Bereichen Bildung, Arbeit und Steuern, die Beschäftigungsmöglichkeiten verbessert und langfristig dem Altersarmutsrisiko vorbeugt“, schreiben die Autoren.

Weitere Informationen:

www.diw.de
DIW-Wochenbericht zum Herunterladen auf der Internetseite des DIW

Rentenansprüche von Geringverdienern: Wie kann die Grundrente helfen?
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Wenn das Geld im Alter nicht reicht: Finanzielle Unterstützung für Rentner
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Autor

Katja Mathes