Soziales / 29.01.2018

Job-Studie Teil II: Geld ist nicht alles

Mitarbeiterbindung ist nicht nur eine Sache des Geldes. Was sich Firmen sonst noch einfallen lassen.

Bad Homburg (kjs). In Zeiten positiver Wirtschaftsentwicklung zählen in Betrieben nicht monetäre Anreize zusätzlich zu den monetären Elementen zu wichtige Erfolgsfaktoren. Deshalb bieten zahlreiche Unternehmen über das vereinbarte Arbeitsentgelt hinaus zusätzlich Leistungen an, um Mitarbeiter an das Unternehmen zu binden, aber auch um attraktiv für neue Fachkräfte zu sein.

Das Institut für angewandte Arbeitswissenschaft (ifaa) hat in der Zeit von April bis August 2017 das Anreiz- und Vergütungssysteme in Betrieben der Metall- und Elektroindustrie untersucht. In einer qualitativen Studie wurden Teilnehmer aus nicht tarifgebundenen und tarifgebundenen Unternehmen (57 Prozent) befragt. Die Hälfte der befragten Unternehmen kamen aus kleinen und mittelständischen Betrieben bis zu 249 Beschäftigte.

Nicht monetäre Anreize

Neben der klassischen Weiterbildung und Personalentwicklung bieten die untersuchten Betriebe häufig auch andere Weiterbildungsmaßnahmen an – zum Teil nur ausgewählten Belegschaftsteilen –, zum Beispiel im Bereich Sozialkompetenz sowie Sprach- oder EDV-Kenntnisse. Sie werden durchschnittlich von 35 Prozent der Mitarbeiter in Anspruch genommen.

Ein Schwerpunkt der ifaa-Studie lag auf den freiwilligen, nicht monetären Zusatzleistungen zum Beispiel auf dem Gebiet der Gesundheit, Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben oder bei Nutzungsrechten.

Gesundheit im Fokus

Mittlerweile sind Maßnahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements fester Bestandteil in den meisten Unternehmen. In diesem Bereich ist eine Differenzierung innerhalb der Belegschaft im Unterschied zu den Weiterbindungsmaßnahmen eher selten. Als zusätzliche Benefits wurden beispielsweise Yoga, Nordic Walking, Wassergymnastik, Massagen und Gesundheitstage in Kooperation mit Krankenkassen genannt. Häufig übernehmen Arbeitgeber auch Mitgliedsbeiträge der Mitarbeiter für Fitnessstudios.

Aber auch Angebote, die nicht in erster Linie der Gesundheitsförderung dienen, wie Konflikt- oder Steuerberatung, zählen zu den nicht monetären Anreizen. Mehrere der befragten Unternehmen bieten darüber hinaus eine Beratung zur Altersvorsorge und zum Ruhestand an. Der flexible Übergang in die Rente wird ebenfalls oft ermöglicht. Teilweise findet die Beratung im Unternehmen selber während der Arbeitszeit und auch beispielsweise mit der Deutsche Rentenversicherung statt.

Zusätzliche Sozialleistungen

Als zusätzliche Sozialleistungen werden häufig Verpflegung, Getränke, Snacks und Obst kostenlos oder teilfinanziert in Kantinen bereitgestellt. 12 Prozent der befragten Unternehmen bieten ebenfalls flächendeckend eine betriebliche Kinderbetreuung an. Insbesondere in Großunternehmen mit mehr als 1.000 Beschäftigten gaben fast die Hälfte (47 Prozent) die betriebliche Kinderbetreuung als Zusatzleistung an.

Die Studie zeigt ferner, dass mehr als die Hälfte der beteiligten Unternehmen Gleitzeitregelungen eingeführt haben mit der Möglichkeit, ein Stundenkonto aufzubauen, so dass bei Bedarf länger oder kürzer gearbeitet werden kann.

Sonstige Anreize

Mitarbeiterveranstaltungen wie Betriebsausflüge, Sommerfeste und Weihnachtsfeiern dienen ebenfalls der Mitarbeiterbindung. Alternativ zum klassischen Dienstwagen wurden auch Fahrräder und E-Bikes vermehrt als Anreize genannt. Vervollständigt wird der Katalog der Benefits durch die Zurverfügungstellung von Diensthandys mit zusätzlicher privater Nutzung für bestimmte Beschäftigtengruppen.

Auch wenn die Verbreitung einzelner Angebote in den befragten Unternehmen sehr streut, so wird in dieser Erhebung die große Bandbreite deutlich erkennbar. Sie bestätigt, dass das monetäre Entgelt nicht mehr den einzig möglichen Anreiz darstellt.

Autor

Karl-Josef Steden