Rente / 06.01.2022

Jobs in Betrieben mit Tarifbindung halten häufiger bis zur Rente

IAQ-Altersübergangsreport: In Firmen mit Tarifvertrag bieten auch befristete Jobs oft ein Sprungbrett in ein normales Arbeitsverhältnis.

Bild zum Beitrag "Jobs in Betrieben mit Tarifbindung sind sicherer"

Duisburg/Essen (sth). Beschäftigte in Betrieben, in denen ein Tarifvertrag gilt, haben bessere Chancen auf eine lang anhaltende Beschäftigungsdauer – und damit auf höhere Rentenansprüche – als Arbeitnehmer in tarifungebundenen Unternehmen. Das geht aus einer aktuellen Studie des Instituts Arbeit und Qualifikation (IAQ) an der Universität Duisburg-Essen hervor. Demnach lassen sich in Betrieben mit einem Tarifvertrag die anderenorts vielfach üblichen Höchst-Beschäftigungsdauern von vier bis neun Jahren „nur bei rund einem Viertel der geringqualifiziert Tätigen und der Berufe mit Hochschulabschluss beobachten”.

Die mittlere Beschäftigungsdauer beim aktuellen Arbeitgeber nehme für viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer „mit steigendem Lebensalter zunächst immer weiter zu”, schreiben die Arbeitsmarktexperten Martin Brussig und Max Keck im neuen IAQ-"Altersübergangsreport". Mit dem Erreichen der Regelaltersgrenze – für Beschäftigte des Jahrgangs 1957 liegt sie bei 65 Jahren und elf Monaten –  und dem damit verbundenen generellen Rentenanspruch sei jedoch eine starker Rückgang der Betriebszugehörigkeitsdauer zu beobachten, heißt es wenig überraschend.

Mit zunehmendem Lebensalter setzt unter Beschäftigten "Polarisierung" ein

Mit steigendem Alter lasse sich bei älteren Beschäftigten dann eine „Polarisierung” feststellen, heißt es weiter: Zunehmend längere Beschäftigungszeiten bei vielen älteren Arbeitnehmern stünden „vergleichsweise kurzen Beschäftigungszeiten” anderer Beschäftigter in dieser Altersgruppe gegenüber. Ab dem 62. Lebensjahr werde der Trend der steigenden durchschnittlichen Betriebszugehörigkeit „entlang des Lebensalters gestoppt” und durch zunehmende Austritte aus dem Erwerbsleben abgelöst, schreiben die IAQ-Forscher. Mit 64 Jahren reduziere sich die mittlere Betriebszugehörigkeit dann „immer weiter”, so die Forscher. Beschäftigte in diesem Alter seien „im Mittel 12 Jahre im Betrieb tätig”, ab dem 65. Lebensjahr „im Mittel 9 Jahre”.

Insgesamt sei in Betrieben, in denen ein Tarifvertrag gilt, eine „größere Stabilität in der Beschäftigung der Älteren” festzustellen, so die Studie. Zudem lasse sich in diesen Unternehmen für alle Beschäftigtengruppen – also auch für weniger Qualifizierte – eine „längere Betriebszugehörigkeit beobachten”. Ältere Arbeitnehmer, die erst kurze Zeit in einem Betrieb tätig und nicht vollzeitbeschäftigt sind, „haben in Betrieben mit Tarifbindung eine höhere Wahrscheinlichkeit in Normalarbeitsverhältnisse zu wechseln, als dies in Betrieben ohne Tarifbindung der Fall ist”, stellen Brussig und Keck fest. Solche „atypisch” Beschäftigten ab 50 Jahren, seien vor allem Frauen. In Betrieben mit Tarifvertrag seien sie jedoch „besser in die Erwerbsarbeit integriert als in Betrieben ohne Tarifbindung”. Denn: Auch bei einer nur kurzen Teilzeitbeschäftigung arbeiteten die Betroffenen in diesem Fall sozialversicherungspflichtig und hätten entsprechende Schutzansprüche, heißt es im Altersübergangsreport.

Autorenbild

Autor

Stefan Thissen