Gesundheit / 06.04.2018

Kassen zahlen besseren Grippe-Impfstoff

Nach der heftigen Grippewelle in diesem Winter ist jetzt klar: Ab Herbst zahlen die Kassen den besseren Vierfach-Impfstoff für alle Versicherten.

Berlin (dpa/kjs). Millionen gesetzlich Versicherte in Deutschland bekommen in der nächsten Grippe-Saison einen besseren Impfschutz von der Kasse bezahlt.

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) aus Spitzenvertretern von Ärzten, Krankenkassen und Kliniken beschloss am Donnerstag in Berlin, dass in der im Herbst startenden nächsten Impfsaison 2018/19 verbindlich ein neuer Vierfach-Wirkstoff zu verwenden ist.

Damit hätten die Hersteller nun genug Vorlauf, bis dahin ausreichende Mengen des Impfstoffs zu produzieren.

Dreifachwirkstoff hilft nur bedingt

In der aktuellen Grippe-Saison, die ihren Höhepunkt inzwischen schon überschritten hat, hilft der meist verwendete Dreifach-Impfstoff laut Experten teils nur bedingt, da er weniger Virenstämme abdeckt.

Mit der Aufnahme des Vierfach-Impfstoffs in den Katalog der gesetzlichen Versicherungen setzt der G-BA nun eine Empfehlung der Ständigen Impfkommission des Robert Koch-Instituts um.

Noch nicht alle Kassen zahlen den Vierfachimpfstoff

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz hatte Ende Februar kritisiert, dass noch nicht alle Kassen die Vierfach-Impfung zahlen, sondern häufig nur den halb so teuren Dreifach-Wirkstoff.

orstand Eugen Brysch sagte am Donnerstag, seit der Entscheidung der Impfkommission sei ein halbes Jahr vergangen. Zwar habe der G-BA alle gesetzlichen Vorschriften eingehalten. Grippevieren seien aber schneller.

„Deshalb braucht es ein beschleunigtes Verfahren“, sagte Brysch mit Blick auf die Umsetzung neuer Impfempfehlungen.

75 Prozent der Grippefälle wurden durch Dreifach-Impfstoff nicht abgedeckt

Anders als der Dreifach-Wirkstoff richtet sich die Vierfach-Impfung laut Experten auch gegen die sogenannte Yamagata-Linie der Influenza-B-Erreger. Sie macht laut Robert Koch-Institut in dieser Saison etwa 75 Prozent der Grippefälle aus.

Das Institut hatte zugleich betont, dass auch die Dreifach-Impfung guten Schutz biete. In der jetzigen Grippewelle habe die Wirksamkeit aller Impfungen zusammen bei 46 Prozent gelegen. Das sei angesichts der üblichen Schwankungsbreite von 20 bis 60 Prozent relativ gut.

Aktuelle Grippewelle ebbt ab

Die aktuelle Grippewelle ebbt weiter ab. Für die 13. Kalenderwoche (24. bis 30. März) meldete das Robert Koch-Institut 11.228 bestätigte Influenzafälle. In der Woche zuvor waren es 25.216 Fälle gewesen.

In dieser Grippesaison erkrankten damit insgesamt nachweislich knapp 314.000 Menschen. Insgesamt dürften es deutlich mehr sein. Nicht jeder Kranke geht zum Arzt, nicht alle Praxen schicken Erregerproben ins Labor.

Leistungen der Krankenkassen

Seit dem 1. April 2007 sind Schutzimpfungen Pflichtleistungen der gesetzlichen Krankenversicherung. Zuvor waren sie freiwillige Satzungsleistungen der jeweiligen Krankenkassen.

Grundsätzliche Voraussetzung für die Aufnahme einer Schutzimpfung in den Leistungskatalog der GKV ist allerdings eine Empfehlung der beim Robert Koch-Institut in Berlin ansässigen Ständigen Impfkommission (STIKO).

Auf Basis der STIKO-Empfehlungen legt der gemeinsame Bundesausschuss die Einzelheiten zur Leistungspflicht der GKV in der Schutzimpfungs-Richtlinie fest.

Bislang gab es für die gesetzlichen Krankenkassen keine verbindliche Regelung, ob für die Grippeschutzimpfung ein Drei- oder Vierfach-Impfstoff zu verwenden ist. Beide Möglichkeiten waren in Übereinstimmung mit den bisherigen STIKO-Empfehlungen zulässig.

Zeitlicher Vorlauf ist notwendig

Aufgrund der langwierigen Produktionsverfahren entscheidet die WHO bereits weit vor Beginn einer Grippesaison über die Antigenkombination des Impfstoffs.

Mit Vorliegen der Entscheidung der WHO und dem Beschluss des G-BA haben die Hersteller nun genügend Vorlauf, um den benötigten Impfstoff bis zum Beginn der nächsten Impfsaison im kommenden Herbst in ausreichendem Umfang zu produzieren.

Der Beschluss zur Änderung der Schutzimpfungs-Richtlinie wird dem Bundesministerium für Gesundheit zur Prüfung vorgelegt und tritt nach Veröffentlichung im Bundesanzeiger in Kraft.

Autor

Karl-Josef Steden