Rente / 14.01.2021

Kinder erhöhen fast zehn Millionen Frauen-Renten

Allein die Kindererziehungszeiten steigern die Altersbezüge der Mütter von zwei vor 1992 geborenen Kindern um monatlich etwa 170 Euro.

Bild zum Beitrag "Kinder erhöhen fast zehn Millionen Renten von Frauen". Das Bild zeigt Großmutter, Mutter und Tochter einer Familie.

Bad Homburg (sth). Kinder sind nicht nur ihren Eltern lieb und teuer – auch der Staat hat die Bedeutung des Nachwuchses für die langfristige Stabilität des Sozialstaats seit Langem erkannt. Deshalb bekommen Mütter – oder Väter, die den größeren Teil der Erziehungsarbeit übernehmen – bereits seit 1986 für ihre gesellschaftliche Leistung in der Rente sogenannte Kindererziehungszeiten gutgeschrieben. Das sind – je nach Alter des Kindes – 2,5 oder drei Beitragsjahre, die auf dem persönlichen Konto bei der Rentenversicherung als „Entgeltpunkte“ gespeichert werden. Ein Entgeltpunkt ist der Rentenanspruch eines durchschnittlich verdienenden Beschäftigten nach einem Jahr Zahlung von Rentenbeiträgen. 

Mittlerweile erhöhen Kindererziehungszeiten die Rente von mehr als 9,5 Millionen Müttern (und wenigen Vätern). Das geht aus statistischen Analysen der Deutschen Rentenversicherung hervor, die ihre-vorsorge.de vorliegen. Demnach steigert jedes der fast 21 Millionen vor 1992 geborenen Kinder die Rente seiner Mutter inzwischen um 2,5 Entgeltpunkte. Das entspricht derzeit knapp 85,50 Euro Monatsrente in den alten und gut 83 Euro in den neuen Ländern. Bei zwei Kindern sind es fast 171 bzw. mehr als 166 Euro. Bis Mitte 2014 wurden vor 1992 geborene Kinder nur mit jeweils einem Entgeltpunkt in der Rente berücksichtigt.

Mehr Rente für jüngere Kinder

Noch besser sieht es um die Rentenansprüche für die Erziehung jüngerer Kinder aus. Nach 1991 geborene Kinder werden auf dem Rentenkonto der Mutter mit jeweils drei Entgeltpunkten berücksichtigt. Dabei wird drei Jahre lang jeweils ein Entgeltpunkt pro Jahr registriert. Das macht es möglich, dass Mütter auch während der Kindererziehungszeit versicherungspflichtig arbeiten und dadurch ihre Rente steigern. Erzielen sie dabei allerdings deutlich mehr als den Durchschnittsverdienst – im Jahr 2021: rund 41.500 Euro brutto –, werden die Rentenansprüche begrenzt („Beitragsbemessungsgrenze“). Erblickt während der ersten drei Lebensjahre eines Kindes ein zweites Kind das Licht der Welt, werden die drei Entgeltpunkte dafür auf die nächsten drei Jahre verteilt.

Allein die Erziehung von zwei jüngeren Kindern sorgt bei ihren Müttern – sofern sie bereits Rentnerin sind – derzeit für ein monatliches Rentenplus von etwa 200 Euro. Zudem reichen zwei Kinder jetzt auch Müttern älterer Kinder, um bereits ohne zusätzliche Erwerbsarbeit einen Rentenanspruch zu haben – denn dafür sind nur fünf Beitragsjahre erforderlich. Allerdings machen sich Kindererziehungszeiten auch immer mehr auf der Ausgabenseite der Rentenversicherung bemerkbar: Nach den jüngsten verfügbaren Daten der Deutschen Rentenversicherung schlugen allein die Rentenansprüche für vor 1992 geborene Kinder im Jahr 2017 mit etwa 17 Milliarden Euro zu Buche.

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Autor

Stefan Thissen