Gesundheit / 27.03.2019

Krankenhäuser sind unterfinanziert

Um den aktuellen Bestand an Krankenhäusern zu sichern, müssten die Bundesländer weitaus mehr dafür investieren als bisher.

Krankenschwester und Ärztin im Krankenhaus – Bildnachweis: gettyimages.de © Hero Images

Bad Homburg/Berlin (kjs/GKV). Der Investitionsbedarf der Krankenhäuser, um den Bestand zu erhalten, liegt bundesweit deutlich über sechs Milliarden Euro pro Jahr. Dies zeigt die aktuelle Analyse für das laufende Jahr 2019, auf die sich der GKV-Spitzenverband, der Verband der Privaten Krankenversicherung und die Deutsche Krankenhausgesellschaft verständigt haben.

Die bereits zum sechsten Mal veröffentlichte Analyse von Investitionsbewertungsrelationen soll den Bundesländern helfen, die von ihnen bereitzustellenden Investitionsmittel für Krankenhäuser besser zu kalkulieren und gezielter zu verteilen. Derzeit decken die Bundesländer mit ihren Zahlungen nur gerade einmal die Hälfte der benötigten Gelder für Investitionen ab.

Notwendiger Investitionsbedarf

Der Katalog der Investitionspauschalen basiert auf Kalkulationen des Instituts für das Entgeltsystem im Krankenhaus (InEK). Dabei wird jedem Behandlungsfall eine sogenannte Investitionsbewertungsrelation zugeordnet. Diese Verhältniswerte stellen den notwendigen Investitionsbedarf eines Krankenhauses dar.

Durch diesen Katalog ist es möglich, die Investitionsmittel den Krankenhäusern leistungsbezogen zuzuordnen.

Eigener Katalog für psychiatrische Einrichtungen

Der aktuelle Katalog im Entgeltbereich der Fallpauschalen (DRG) geht in seiner Genauigkeit deutlich über den Vorgängerkatalog hinaus. Denn diesmal sind die Kalkulationen von 83 Krankenhäusern eingeflossen, fast doppelt so viele wie in den Jahren zuvor. Verantwortlich dafür waren geänderte gesetzliche Vorgaben, die mehr Krankenhäuser zu einer Teilnahme an der Kalkulation verpflichtet hatten.

Erstmalig wurden auf dieser breiteren Basis nun auch tagesbezogene Investitionsbewertungsrelationen für die psychiatrischen und psychosomatischen Einrichtungen kalkuliert, die nunmehr in einem eigenen Katalog veröffentlicht werden. Ob diese Daten tatsächlich als Instrument genutzt werden, liegt jedoch in der Entscheidung des jeweiligen Bundeslandes.

Zudem entscheiden allein die Bundesländer, wie viel Geld sie für Krankenhausinvestitionen bereitstellen. Eine verbindliche gesetzliche Vorgabe gibt es hier nicht. Bisher werden die Bewertungsrelationen lediglich in Berlin und Hessen genutzt.

Reformen änderten nichts an unzureichenden Investitionen

Die Finanzierung von Krankenhäusern erfolgt in Deutschland über zwei Säulen: Die gesetzlichen Krankenkassen und die privaten Krankenversicherungen tragen die Betriebskosten, wie zum Beispiel die Kosten für die abgerechneten medizinischen Leistungen und für das Klinikpersonal. Die Bundesländer hingegen zeichnen für die Investitionen verantwortlich.

Dabei ist in der Gesamtheit festzustellen, dass bisher unzureichende Investitionsmittel zur Verfügung gestellt werden, auch wenn dies von Land zu Land durchaus unterschiedlich ist. Keine der letzten Krankenhausreformen hat daran etwas geändert.

Bundesländer kommen ihrer Verpflichtung nicht nach

Wie sehr sich das Problem verschärft hat, zeigt sich beim Vergleich mit den Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Entsprachen die Investitionsmittel Anfang der 70er-Jahre noch 25 Prozent der Gesamtausgaben der GKV, liegen sie heute deutlich unterhalb von vier Prozent.

Wie auch in den Vorjahren ist festzustellen, dass die Bundesländer ihrer Verpflichtung zur Finanzierung der Investitionen nicht nachkommen.

Autor

Karl-Josef Steden