Gesundheit / 17.04.2019

Krankenhausabrechnungen oft fehlerhaft

Jede zweite Rechnung von Krankenhäusern ist falsch, hat der Medizinische Dienst regional festgestellt. Das Problem dürfte bundesweit bestehen.

Krankenschwester und Ärztin im Krankenhaus – Bildnachweis: gettyimages.de © Hero Images

Bad Homburg/Düsseldorf (kjs/MDK). Der Medizinische Dienst der Krankenversicherung Nordrhein (MDK) prüfte im Jahr 2018 über 321.000 Rechnungen von nordrheinischen Krankenhäusern im Auftrag der Krankenkassen. 50,3 Prozent der Rechnungen wurden um durchschnittlich 2.000 Euro pro Fall gekürzt. Das waren insgesamt fast 307 Millionen Euro. Für das Bundesgebiet wird die Kürzungssumme auf über drei Milliarden Euro geschätzt. Bei einem Prozent der Rechnungen führte die Korrektur zu einem höheren Betrag. In mehr als 90 Prozent der Fälle stimmten die Kliniken den Änderungen zu.

Rechtliche Verpflichtung

Der Gesetzgeber verpflichtet die gesetzlichen Krankenkassen, die Abrechnungen von Krankenhäusern zu überprüfen und damit die Medizinischen Dienste der Regionen zu beauftragen. 2018 prüfte der MDK Nordrhein 175 Krankenhäuser. Das sind neun Prozent aller deutschen Kliniken. Die Zahl der Abrechnungsprüfungen in Krankenhäusern steigt seit Jahren. Überprüfte der MDK Nordrhein 2015 noch rund 140.000 Rechnungen, hat sich die Zahl bis 2018 mehr als verdoppelt und ist auf über 321.000 gestiegen. Das entspricht einer Prüfquote von 17 Prozent der Krankenhausfälle der beauftragenden Krankenkassen. Trotz steigender Prüfaufträge liegt der Anteil der beanstandeten Rechnungen in den vergangenen Jahren konstant über 60 Prozent. Deshalb rechnet der MDK Nordrhein mit einer weiteren Steigerung der Auftragszahlen.

Deutliche Unterschiede

Die Analyse der Prüfungen zeigt, dass sich die Kliniken in der Qualität ihrer Abrechnungen deutlich unterscheiden. In einigen Häusern gibt es nur wenige Korrekturen. In anderen Kliniken werden sehr viele Rechnungen geprüft und über 70 Prozent davon beanstandet. Leidtragende seien laut MDK Nordrhein auf lange Sicht alle Kliniken, die korrekt abrechnen. Die steigende Zahl der Prüfungen binde in Krankenhäusern, bei Krankenkassen und beim MDK eine Vielzahl personeller und finanzieller Ressourcen, die für die Versorgung von Patientinnen und Patienten an anderer Stelle fehlten.

Anreize stärken

Auch der Bundesrechnungshof hat sich jüngst dafür ausgesprochen, die Prüfungen von Klinikrechnungen neu auszurichten. So fordert er unter anderem, den Anreiz für korrektes Abrechnen bei den Krankenhäusern zu stärken. Bislang gehen Krankenhäuser bei zu hohen Rechnungen nur das Risiko ein, dass die Rechnung auf den richtigen Betrag gekürzt wird. Auf diesem Weg haben die nordrheinischen Krankenhäuser im Jahr 2018 mehr als 34 Millionen Euro bei den Krankenkassen geltend machen können. Für jeden geprüften Fall, bei dem die Rechnung nicht beanstandet wird, erhält das Krankenhaus hingegen eine Aufwandspauschale in Höhe von 300 Euro.

Fallpauschalensystem ist kompliziert

Eine Ursache für die vielen beanstandeten Rechnungen sieht der MDK in dem immer komplexer werdenden Fallpauschalensystem. Waren es im Jahr 2003 noch rund 660 Fallpauschalen, so hat sich die Zahl bis 2019 auf 1.318 fast verdoppelt. Eine vereinfachte Abrechnung würde laut MDK Aufwand und Beanstandungen reduzieren.

Autor

Karl-Josef Steden