Gesundheit / 06.11.2018

Krankenhauspersonal ist impfmüde

Umfrage zur Grippeschutzimpfung: Ausgerechnet dort wo Gesundheit an erste Stelle steht, ist die Impfquote niedrig.

Frankfurt (mjj) Nicht einmal jeder fünfte Mitarbeiter in hessischen Kliniken verfügt über eine Grippeschutzimpfung. Das berichtet das Landesmagazin "defacto" des Hessischen Rundfunks. Redakteure hatten fast alle Kliniken des Landes befragt und von 45 Kliniken Antworten erhalten. Nur rund jede dritte Einrichtung habe überhaupt einen Überblick, ob ihre Mitarbeiter gegen Grippe oder andere Krankheiten geimpft sind, so "defacto". Demnach betrage die Impfquote unter den Krankenhaus- und Klinikmitarbeitern in Hessen mit Kontakt zu Patienten im Durchschnitt bei 17,8 Prozent.

Auslöser für die Recherchen von "defacto" war die Grippewelle des vergangegen Jahres, an der alleine in Hessen 16 Menschen starben. Schon im Juli hatt das Robert Koch Institut (RKI) darüber berichtet, dass in der letzten Grippesaison rund 61 Prozent der Ärzte und nur rund 33 Prozent des Pflegepersonals über eine Impfung verfügten. Damit ist die Impfquote der über 60-Jährigen mit 35 Prozent höher als auf Pflegestationen. Dabei sind vor allem Klinikmitarbeiter einem erhöhten Erkrankungsrisiko ausgesetzt. Zudem betreuen sie geschwächte Patienten, für die eine Grippe im Extremfall lebensgefährlich sein kann. 

Grippewelle wütete 2017/2018 besonders heftig

Mitarbeiter in Kliniken sind in den Regel nicht zur Impfung verpflichtet. Aus Gründen des Datenschutzes liegen ihren Arbeitgebern auch keine Informationen zum Impfstatus vor.  Eine Impfpflicht wird immer wieder in der Politik diskutiert. Viele Kliniken reagieren mit innerbetrieblichen Impfaktionen und werben teils mit Prämien für den Grippeschutz-Pieks. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Impfung für alle Personen über 60, für chronisch Kranke aller Altersstufen, für Schwangere und für Medizin- und Pflegepersonal.

Die letzte Grippewelle hatte das Gesundheitswesen 2017/2018 an seine Grenzen gebracht: Das RKI  schätzt die Zahl der influenza­bedingte Arztbesuche auf neun Millionen -  zwei Millionen mehr als in den starken Grippesaisons 2012/13 und 2014/15. Die ungewöhnlich starke Grippewelle lies den Anteil der Krankgemeldeten in Betrieben auf 6,2 Prozent steigen, so eine Statistik der Betriebskrankenkassen. Jede dritte Krankmeldung sei auf einen grippalen Infekt zurückzuführen. Ein Rekordwert.  

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Autor

Michael J. John