Gesundheit / 24.04.2019

Krankenkasse: Hilfsmittelverzeichnis überarbeitet

Ob Bandage oder Prothese: Welche Leistungen gesetzlich Krankenversicherte erhalten, regelt das aktuelle Hilfsmittel- und Pflegehilfsmittelverzeichnis.

Ein Mann mit Unterschenkelprothese bei der Therapie. Bildnachweis: Getty Images © JohnnyGreig

Bad Homburg/Berlin (kjs/GKV). Der GKV-Spitzenverband hat das Hilfsmittel- und Pflegehilfsmittelverzeichnis überarbeitet. Es umfasst rund 32.500 Produkte.

2017 erhielten Versicherte der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) Hilfs- und Pflegehilfsmittel in Höhe von 8,07 Milliarden Euro. Dazu gehörten insbesondere Bandagen, Hörgeräte, Inkontinenzprodukte, Rollstühle, Kompressionsstrümpfe, Prothesen und Insulinpumpen.

Mitgewirkt an der Überarbeitung des Hilfsmittelverzeichnisses haben unter anderem Organisationen von Herstellern und Leistungserbringern, Patientenvertretungen, der Medizinische Dienst der Krankenversicherung und des GKV-Spitzenverbandes, medizinische Fachgesellschaften sowie die Krankenkassen und ihre Verbände.

Leistungsangebot erweitert

Der aktuelle Stand entspricht den versorgungsrelevanten medizinischen und technischen Erkenntnissen und Entwicklungen. Damit profitieren GKV-Versicherte von einem verbesserten Hilfsmittelangebot. Sie erhalten beispielsweise Hilfs- und Pflegehilfsmittel in höherer Produktqualität.

Außerdem haben sie Zugang zu innovativen Produkten und Anspruch auf eine umfassende Beratung über bedarfsgerechte und mehrkostenfreie Versorgungsmöglichkeiten durch die Leistungserbringer, wie Sanitätshäuser oder Orthopädietechniker. Diese müssen nunmehr GKV-Versicherte zuerst über zuzahlungsfreie Hilfs- und Pflegehilfsmittel aufklären, bevor sie höherpreisige Alternativen anbieten dürfen.

Verbesserte Produkte

Die Überarbeitung des Hilfs- und Pflegehilfsmittelverzeichnisses hat zu zahlreichen Verbesserungen geführt, wie die folgenden Beispiele zeigen:

  • So darf das Eigengewicht von Rollatoren zehn Kilogramm nicht mehr überschreiten. Das erleichtert die alltägliche Benutzung. – Zu mehr Sicherheit tragen darüber hinaus Ankipphilfen, anatomische Handgriffe sowie allseitige Reflektoren bei.
  • Die Neuregelung bei der Versorgung mit Elektromobilen schreibt vor, zuvor den individuellen Nutzungsumfang des Versicherten zu ermitteln. So lässt sich berücksichtigen, ob das Elektromobil auch im öffentlichen Nahverkehr genutzt werden soll.
  • Mit myoelektrisch gesteuerten Armprothesen können Nutzer besser greifen und Gegenstände halten. Mechatronische Fußpassteile und Kniegelenke helfen Versicherten, sicherer zu gehen, senken das Sturzrisiko und erweitern die Bewegungsmöglichkeiten.

Neue Rahmenbedingungen

Weiterhin haben der GKV-Spitzenverband mit den Dienstleistungsanforderungen Rahmenbedingungen geschaffen, um individuelle Versorgungsbelange der Patienten stärker zu berücksichtigen. Sie richten sich an den Leistungserbringer und umfassen den gesamten von ihm zu verantwortenden Versorgungsprozess. Sie regeln ferner die Beratung und Auswahl des Hilfsmittels, die Abgabe des Hilfsmittels, die Einweisung in den Gebrauch und den Service.

So wird im Einzelfall die erforderliche Versorgung im Sinne des Sachleistungsprinzips gestärkt und GKV-Versicherte sind vor ungerechtfertigten Mehrkosten und überteuerten Hilfsmitteln geschützt.

Weitere Informationen

hilfsmittel.gkv-spitzenverband.de

Aktuelles Hilfsmittelverzeichnis des GKV-Spitzenverbands im Internet

Autor

Karl-Josef Steden