Gesundheit / 18.04.2019

Krankenkasse: Immer mehr freiwillig gesetzlich Versicherte

Abstimmung mit den Füßen: Immer mehr freiwillig gesetzlich Versicherte – Private Krankenversicherung schrumpft dagegen

Bild zum Thema Immer mehr freiwillig gesetzlich krankenversichert: Gesundheitskarte steckt in einer Computertastatur.

Bad Homburg (rw). 2018 „knackte“ die gesetzliche Krankenversicherung bei den freiwillig Versicherten erstmals die 6-Millionen-Grenze. Die Zahl der freiwillig Versicherten ist damit seit 2010 um 1,6 Millionen bzw. etwa 35 Prozent angestiegen. Parallel dazu ist die Zahl der in der PKV Vollversicherten (ohne Beihilfetarif) von Jahr zu Jahr deutlich gesunken. Dies geht aus einer Auswertung der vom DGB-Bundesvorstand herausgegebenen Monatszeitschrift „Soziale Sicherheit“ hervor.

Kampf um Nicht-Pflichtversicherte

Die gesetzliche und die private Krankenversicherung konkurrieren um den Kreis derjenigen, die nicht in der GKV versicherungspflichtig sind. Den Marktanteil von PKV und GKV kann man nur sinnvoll vergleichen, wenn man diejenigen in den Blick nimmt, die überhaupt eine wirkliche Entscheidungsmöglichkeit zwischen beiden Systemen haben. Dazu gehört vor allem die Gruppe der freiwillig gesetzlich Krankenversicherten. Denn ihnen steht prinzipiell jederzeit die Entscheidung für die PKV offen (soweit sie keine größeren gesundheitlichen Handicaps haben).

Hier zeigt die GKV-Statistik in den letzten Jahren eine erstaunliche Entwicklung: Hatten sich 2010 erst 4,46 Mio. Personen für eine freiwillige gesetzliche Versicherung entschieden, so waren es Ende 2018 bereits 6,04 Mio. – ein Anstieg um 1,6 Mio. bzw. um 35,4 Prozent. Der Zuwachs verteilt sich dabei ziemlich gleichmäßig auf den hier betrachteten Acht-Jahres-Zeitraum (siehe Tabelle).

Der Löwenanteil dieses Anstiegs entfällt auf die Gruppe der freiwillig versicherten Arbeitnehmer, diejenigen also deren Einkünfte oberhalb der Versicherungspflichtgrenze lagen. Von diesen gut verdienenden Arbeitnehmern hatten sich 2010 erst 1,720 Mio für eine freiwillige gesetzliche Krankenversicherung entschieden, im Dezember 2018 waren es 2,861 Mio – eine Steigerung also um 1,41 Mio.

Der weitaus größte Teil derjenigen, die durch einen Anstieg ihres Einkommens aus der Versicherungspflicht herauswachsen, zieht die GKV also der für sie ebenfalls wählbaren PKV vor. Dies ist im übrigen ein wesentlicher Grund für die relativ gute finanzielle Situation der gesetzlichen Krankenversicherung.

Rückgang bei den Privaten

Ganz anders hat sich in diesem Zeitraum die PKV-Vollversicherung entwickelt. 2011 gab es hier letztmals noch einen kleinen Anstieg. Seitdem ist die Zahl der Versicherten ohne Beihilfeanspruch von 4,73 Mio auf 4,379 Mio im Jahr 2017 (neuere Zahlen liegen noch nicht vor) gesunken – ein Rückgang um 332.000 oder 7 Prozent.

Freiwillige gesetzliche Krankenversicherung und PKV-Vollversicherung ohne Beihilfeanspruch – Entwicklung seit 2010
Jahr freiwillig gesetzlich Versicherte Private Vollversicherte
(ohne Beihilfe)
2010 4.461.256 4.669.200
2011 4.918.847 4.729.700
2012 5.172.196 4.701.400
2013 5.305.654 4.634.500
2014 5.507.171 4.564.700
2015 5.671.538 4.495.800
2016 5.832.363 4.443.600
2017 5.967.277 4.397.400
Dez. 2018 6.042.920 Liegt noch nicht vor
Quelle: PKV-Zahlenberichte; GKV-Spitzenverband
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Autor

Rolf Winkel