Finanzen / 11.06.2021

Krise drückt die Rendite von offenen Immobilienfonds

Die bei Privatanlegern beliebten Fonds haben kräftig Federn gelassen, zeigt eine Analyse der Ratingagentur Scope. Sechs Fonds wurden herabgestuft.

Krise drückt die Rendite von offenen Immobilienfonds. – Hand in Gummihandschuhen hält Hausmodell über absteigenden Münzstapeln.

München (). Die Corona-Krise hat bei einem Verkaufsschlager der deutschen Finanzbranche tiefe Spuren hinterlassen. Die Renditen der offenen Immobilienfonds sind 2020 deutlich gesunken und werden 2021 weiter zurückgehen. Dies geht aus einer neuen Studie der Ratingagentur Scope hervor. Mit den Fonds können sich Privatanleger schon ab 25 Euro monatlich an Gewerbe- und Wohnimmobilien beteiligen. Nach Angaben des deutschen Fondsverbands BVI waren bis Ende März 2021 bereits mehr als 117 Milliarden Euro in offene Immobilienfonds angelegt.

2019, vor Corona, lief es mit einer durchschnittlichen Rendite von 3,2 Prozent noch gut. 2020, im Jahr der Pandemie, schrumpften die Renditen der von Scope näher analysierten 15 Fonds auf durchschnittlich 2,1 Prozent. Die durchschnittliche Ein-Jahres-Rendite betrug Ende Mai nur noch 1,9 Prozent. Die Unterschiede von minus 1,48 Prozent (Uni Immo Global) bis plus 5,22 Prozent (Fokus Wohnen Deutschland) sind dabei beträchtlich. Für das Gesamtjahr 2021 erwarten die Analysten der Ratingagentur durchschnittlich 1,5 Prozent.

Sechs Immobilienfonds herabgestuft

Die Ratingagentur hat deshalb die Rating-Note der Fonds teilweise heruntergestuft. Von den 15 Fonds konnten neun ihr Rating stabil halten. Sechs Fonds wurden aufgrund der gesunkenen Renditen herabgesetzt:

  • Uni Immo Global, Uni Immo Europa und Uni Immo Deutschland von Union Investment (Volks- und Raiffeisenbanken)
  • Grundbesitz Europa (DWS)
  • Westinvest Interselect
  • Wertgrund WohnSelect D

Durch die Pandemie seien bei den Büro-Immobilien „Neuvermietungen schwieriger geworden“, heißt es in der Untersuchung. Viele Unternehmen wüssten noch nicht, wie viel Fläche sie mit dem Trend zum Home-Office zukünftig benötigten. Hinzu kommt: „Zahlreiche Mieter streben Nachverhandlungen im Zuge der Covid-19-Krise an.“ Der Trend zum Online-Handel habe dem Einzelhandel mit Verkaufsfilialen bereits zugesetzt. Nun müssten vor allem Shopping-Center damit rechnen, „dass Mieter weitere Mietreduktionen durchsetzen und es zu höheren als den ursprünglich prognostizierten Mietausfällen kommt“. Auch bei Hotelimmobilien fielen „zum Teil Pächter aus“ oder „es werden (...) Pachtreduktionen oder Pachtverzichte durchgesetzt“.

Die Fondsmanager investieren deshalb verstärkt in Wohnimmobilien wie Studentenwohnheime, Objekte für den Lebensmitteleinzelhandel oder der Gesundheitsbranche, und auch in Logistikimmobilien. Diese Segmente gelten als krisensicherer und weniger konjunkturabhängig.

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Autor

Thomas Öchsner