Finanzen / 13.09.2017

Kurios: Österreich vergibt 100-jährige Bundesanleihe

Das Geld gibt es erst in 100 Jahren zurück. Und dennoch ist die Anleihe ein Fall für die Altersvorsorge

Wien (dpa/mjj) Die Niedrigzinsen machen es möglich: Österreich will erstmals eine Bundesanleihe auf den Markt bringen, die erst in 100 Jahren fällig wird. Bisher lag die maximale Laufzeit bei 70 Jahren. Die hundertjährige Anleihe wird am 20. September 2117 zurückgezahlt. Es gebe viele Orders, sagte der Sprecher der Österreichischen Bundesfinanzierungsagentur, Christian Schreckeis, am Dienstag.Kurz vor Schließung der Bücher lag die Nachfrage für das Wertpapier bei mehr als elf Milliarden Euro. Dabei ist dieses nicht unbedingt üppig verzinst. Die angebotene Rendite für die Anleihe liegt zwischen 2,00 bis 2,05 Prozent.

Pensionsfonds suchen langfristige Anlagen

Grund für die Nachfrage ist die Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank, welche die Renditen auf den Kapitalmärkten drückt: Etwa bei Tages- und Festgeldern oder bei Anleihen, mit denen sich Unternehmen oder Staaten frisches Geld besorgen. Da Investoren kaum noch Rendite finden, sind sie um jede Anlage froh, die ihnen regelmäßige Zahlungen verspricht - wie in diesem Fall bestenfalls über 100 Jahre hinweg.

Zudem werfen kürzer laufende Anleihen noch weniger Rendite ab. Allerdings riskieren die Anleger, dass sie ihr Geld in Teilen oder ganz verlieren, sollte Österreich bis 2117 in Zahlungsschwierigkeiten geraten.

Käufer langjähriger Anleihen sind oft große Pensionsfonds. Sie legen Gelder an, die über die betriebliche Altersversorgung von Arbeitnehmern und Arbeitgebern angespart werden. Zuletzt hatte die Bundesfinanzierungsagentur Österreichs im Oktober 2016 eine Bundesanleihe mit einer Laufzeit von 70 Jahren platziert. Auch sie stieß auf großes Interesse. 

Autor

 Deutsche Presseagentur