Soziales / 21.09.2020

Kurz vor der Rente im Job nochmal durchstarten

Investition in Bildung lohnt sich immer. Wer sich etwa digitale Kompetenzen aneignet, hat auch im Alter noch etwas davon.

Ältere Frau mit Brille schaut ernst auf einen Computerbildschirm.

Berlin/Nürnberg (dpa/tmn). Über Jahrzehnte hinweg war man engagiert und aktiv im Arbeitsleben, inzwischen ist die Rente in Sicht. Sich auf den Lorbeeren ausruhen und die letzten Berufsjahre vor sich hinplätschern lassen? Das muss nicht sein.

Es spricht einiges dafür, auch jenseits der 50 im Job noch einmal so richtig durchzustarten. „Dazu gehört auch, die immer mehr zunehmende Digitalisierung der Arbeitswelt als eine Herausforderung anzunehmen und sich ihr zu stellen“, sagt Nina Brandau vom Digitalverband Bitkom in Berlin.

Zu sagen, man habe es stets so und so gemacht und es war immer gut und die Digitalisierung sei neumodischer Schnickschnack, bringt niemanden weiter. Stattdessen: Aufgeschlossen sein, an Fortbildungen teilnehmen und in Sachen digitale Abläufe fit werden.

Wertschätzung im Betrieb erfahren

Das ist nicht zuletzt auch förderlich für die eigene Karriere. „In vielen Fällen steigen Beschäftigte anschließend beruflich auf, erhalten verantwortungsvollere Aufgaben und oft auch ein höheres Gehalt“, erklärt Christian Ludwig von der Bundesagentur für Arbeit.

Wer die Digitalisierung von Betriebsabläufen begleitet, dabei seine Berufserfahrung einbringt und nachjustiert, bekommt Wertschätzung im Betrieb. „Damit stellen sie auch den Wissenstransfer sicher“, so Ludwig.

Mit E-Learning neue Kompetenzen erwerben

Aber zurück zu den Fortbildungen, die oft erst einmal nötig sind, um in Sachen Digitalisierung Schritt zu halten. Mehrtägige Seminare mit Anwesenheitspflicht am Weiterbildungsort - das war einmal. Heutzutage findet die Fortbildung häufig am eigenen PC statt. „Der Vorteil solcher Online-Angebote ist, dass man sie individuell in den Alltag einbauen kann“, sagt Brandau.

Der eine hat Zeit in den frühen Morgenstunden für eine Fortbildung, die andere lernt besser am Nachmittag. Das Tempo der Weiterbildung lässt sich individuell bestimmen: Wer nach einer Stunde lernen keine Zeit mehr hat, hört einfach auf und macht beim nächsten Mal dort weiter, wo er stehengeblieben ist.

Leistungsfähigkeit und Flexibilität fördern

Ein Vorteil von regelmäßigen Weiterbildungen, die individuell ausgerichtet sind: Beschäftigte erhalten sich ihre eigene Lernfähigkeit und bleiben geistig flexibel.

Was auch ganz im Sinne von Unternehmen ist. Engagierte Mitarbeiter mit Erfahrung sind gerade in Zeiten des sich verschärfenden Fachkräftemangels ein wichtiger Teil der Belegschaft.

Mit einer Weiterbildung lassen sich aber nicht nur fachliche Qualifikationen wie etwa Digitalkompetenzen erlernen. „Es geht dabei auch um Fähigkeiten wie etwa Konfliktmanagement, Rhetorik, Präsentationstechniken oder interkulturelle Kompetenz“, erklärt Brandau. Vielfach gibt es auch die Möglichkeit, „on the job“ zu lernen. Dabei lassen sich Arbeitnehmer etwa online in Aufgaben einweisen und wenden ihr erworbenes Wissen gleich in der Praxis an.

Eine andere Option: Mentoren-Pärchen. „Dabei steht ein Mitarbeiter einem älteren Kollegen zur Seite und hilft bei Fragen“, erläutert Brandau.

Weiterbildung geht auch ganz klassisch – nämlich in Form von Lehrgängen oder Seminaren. Anbieter sind Kammern, Berufsverbände oder private Träger. Das Feld der sogenannten Anpassungsweiterbildungen ist groß. „Autonomes Fahren etwa, Kurse für CNC-Fräsen oder Bildbearbeitungsprogramme“, zählt Ludwig auf.

Digitalisierung verändert viele Aspekte der Arbeit

Keine Frage, Digitalisierung verändert berufliche Anforderungen in nahezu jedem Arbeitsumfeld. In der Industrieproduktion etwa werden seit langem Prozesse automatisiert. Roboter übernehmen immer mehr Aufgaben, die zuvor von Menschen ausgeführt wurden.

Zunehmend dringt die Digitalisierung auch in Bereiche wie etwa den Verwaltungssektor vor. So können Kollegen sich vernetzen und online arbeiten. Kommuniziert wird über Chats oder Videokonferenzen. „Hier ist es also wichtig, sich mit der entsprechenden Software vertraut zu machen“, sagt Ludwig.

Der richtige Zeitpunkt für eine Weiterbildung

Wo Arbeitnehmer Nachholbedarf für eine Fortbildung haben, erkennen sie leicht im Job-Alltag. Ein Beispiel: Ein Unternehmen führt ein neues EDV-Programm ein, ein Beschäftigter soll nun kurz eine Excel-Datei erstellen und im Intranet veröffentlichen. Schafft er es?

„Spätestens, wenn Menschen merken, dass sie eine neue, vielleicht noch unbekannte digitale Welt betreten, ist der richtige Zeitpunkt, sich um eine Weiterbildung zu kümmern“, so Ludwig.

Manches müssen Arbeitnehmer aber nicht zwingend lernen, um digital auf der Höhe der Zeit zu sein. „Spezifische Programmiersprachen zum Beispiel“, sagt Brandau. Das sei eher etwas für die Fachabteilung.

Wenn älteren Arbeitnehmern im Job-Alltag bestimmte Aufgaben schwer fallen, sollten sie sich nicht scheuen, dies zu kommunizieren, rät Brandau. Gemeinsam mit dem Vorgesetzten sollten sie Strategien entwickeln, wo es am jeweiligen Arbeitsplatz künftig langgehen soll und welche Weiterbildung sie brauchen. „Investition in Bildung lohnt sich immer“, betont Ludwig.

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 Deutsche Presseagentur – Themendienst