Soziales / 30.03.2020

Kurzarbeit: Ifo erwartet starken Anstieg – Arbeitsagentur sieht sich gerüstet

Viele Betriebe müssen derzeit Kurzarbeit anmelden. Die Arbeitsagentur profitiert jetzt von ihrer Rücklage in Höhe von 26 Milliarden Euro.

München/Nürnberg (dpa). Die deutsche Industrie steht laut einer Umfrage des Ifo-Instituts wegen der Virus-Krise vor einem drastischen Anstieg der Kurzarbeit. In den kommenden drei Monaten erwarten 25,6 Prozent der befragten Unternehmen Kurzarbeit, wie das Ifo Institut in München mitteilte. Dies sei der höchste Wert seit 2010.

Vor drei Monaten habe der Wert nur bei 15,3 Prozent gelegen. An der Umfrage haben 2.000 Industrieunternehmen teilgenommen.

Schlüsselbranchen wie Automobilindustrie besonders betroffen

Mit Quoten zwischen 30 und 40 Prozent überdurchschnittlich betroffen von den wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie sind laut der Umfrage Schlüsselbranchen wie die Automobil- und die Elektroindustrie, sowie der Maschinenbau. Wenig von Kurzarbeit betroffen sähen sich hingegen die Chemie-Branche mit 14 Prozent und die Ernährungsmittel-Industrie mit 6 Prozent.

Bereits Kurzarbeit eingeführt haben der Ifo-Umfrage zufolge 9,3 Prozent der Industriefirmen. 15 Prozent der Hersteller elektrischer Ausrüstungen seien davon betroffen. Im Maschinenbau waren es den Angaben zufolge 14 Prozent, in der Automobilindustrie 11 Prozent.

„Das volle Ausmaß der Corona-Pandemie ist in all diesen Zahlen vermutlich noch nicht berücksichtigt, denn die meisten Antworten liefen ein bis Mitte März“, kommentierte Klaus Wohlrabe, Leiter der Ifo-Konjunkturumfragen, die Ergebnisse.

Kurzarbeitergeld: Arbeitsagentur hält Rücklagen für ausreichend

Die Bundesagentur für Arbeit (BA) hält sich in der Corona-Krise dank eines Milliardenpolsters für finanziell ausreichend gewappnet, um den Ansturm beim Kurzarbeitergeld zu bewältigen. Es sei absehbar, dass die Zahl der Kurzarbeiter weit höher ausfallen werde als während der großen Finanzkrise der Jahre 2008/2009, sagte BA-Vorstandsvorsitzender Detlef Scheele der Deutschen Presse-Agentur. Damals waren in der Spitze in Deutschland 1,44 Millionen Menschen auf Kurzarbeit angewiesen.

Die Bundesregierung legte vor einigen Tagen die Schätzung von 2,15 Millionen Kurzarbeitern in der Corona-Krise vor. Ob diese Schätzung richtig sei, könne derzeit niemand sagen, betonte Scheele. Allein in der vergangenen Woche waren bei der Bundesagentur mehr als 76.000 Anzeigen von Betrieben für Kurzarbeit eingegangen.

Der Haushaltsansatz von bisher 255 Millionen Euro für konjunkturelles Kurzarbeitergeld werde nicht ausreichen. Die Bundesagentur verfüge aber derzeit über eine Rücklage in Höhe von 26 Milliarden Euro. „Ich glaube, dass die Rücklage für das laufende Jahr ausreichen wird“, sagte Scheele.

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 Deutsche Presseagentur