Rente / 19.07.2019

Länger im Job – aber auch länger in Rente

OECD-Studie: Wer 1996 geboren wurde, muss wohl länger arbeiten als heutige Beschäftigte, bekommt aber dennoch länger Rente.

Bild zum Beitrag "Länger im Job – aber auch länger in Rente". Das Bild zeigt ein jugendlches Mädchen im Wohnzimmer und auf seinem Smartphone tippt.

Berlin (oecd/sth). Wer Mitte der 1990er-Jahre geboren wurde, wird als 65-Jähriger wahrscheinlich eine sechs Jahre höhere Lebenserwartung haben als die 65-jährigen der Generation von 1940. Zugleich wird sich das Renteneinstiegsalter nach dem heutigen Stand der Gesetzgebung in den 36 Mitgliedstaaten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) aber um durchschnittlich etwa drei Jahre auf knapp 66 Jahre erhöhen. Das geht aus der aktuellen OECD-Studie „Will future pensioners work for longer and retire on less?“ hervor. Darin werden erstmals die Rentenbedingungen für die Geburtsjahrgänge 1940, 1956 und 1996 in allen OECD-Ländern verglichen.

Durch die steigende Lebenserwartung verlängere sich trotz der längeren Lebensarbeitszeit "auch der Zeitraum, den wir in Rente verbringen", heißt es in der Studie. Während die aktuelle Rentnergeneration etwa 32 Prozent ihres Erwachsenenlebens im Ruhestand verbringen werde, würden es für die Geburtsjahrgänge der 1990er-Jahre schon etwa 34 Prozent sein. In Deutschland und Österreich sei der Anteil der Rentnerjahre an der Lebenszeit im untersuchten Zeitraum sogar überdurchschnittlich stark gewachsen, so die OECD – und "mit 35,6 bzw. 35,9 Prozent überdurchschnittlich hoch".

Für stabiles Arbeitszeit-Rente-Verhältnis müsste Rentenalter auf 67 Jahre steigen

Um den Anteil der Lebenszeit, die in Arbeit und im Ruhestand verbracht wird, stabil zu halten, müsste das Renteneintrittsalter für den 1996er-Jahrgang "im Schnitt auf 67,2 Jahre steigen", heißt es in der Studie weiter. Einige OECD-Länder – darunter Dänemark, Italien und die Niederlande – hätten angesichts der demografischen Entwicklung das Renteneinstiegsalter deshalb bereits an die steigende Lebenserwartung gekoppelt. Zudem hätten viele andere OECD-Länder ihr Rentensystem reformiert und die Bezugshöhe gesenkt.

"Im Durchschnitt der OECD-Länder bedeutet dies, dass die 1996 Geborenen rund 10 Prozent weniger Rente im Verhältnis zum jeweiligen letzten Erwerbseinkommen erwarten können als die Generation, die 1940 geboren wurde", so die OECD. In Deutschland würden die Renten um etwa 17 Prozent im Verhältnis zum vorherigen letzten Erwerbseinkommen sinken, in der Schweiz sogar um etwa 30 Prozent, während sie in Österreich etwa konstant blieben.

Mehr zum Thema:

www.oecd.org

Aktueller OECD Policy Brief zu Lebenserwartung und notwendigem Rentenalter (im pdf-Format)

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Autor

Stefan Thissen