Rente / 10.01.2023

Langjährige Gutverdiener: Wo die Renten-Luft dünn wird

Von den mehr als 21 Millionen Rentnerinnen und Rentnern kommen nur wenige auf eine monatliche Nettorente von 3000 Euro.

Hand nimmt Geldscheine aus Geldbörse. Bild: IMAGO / Westend61 / imago stock&people

Berlin/Frankfurt (sth). Mit der gesetzlichen Altersrente allein sind im Ruhestand große Sprünge in der Regel kaum möglich. Das kann die große Mehrheit der 18,5 Millionen Empfänger von Altersgeldbezügen aus der Rentenkasse aus eigener Erfahrung bestätigen. Und auch die Zahlen der Deutschen Rentenversicherung (DRV) sprechen hier eine deutliche Sprache: Im Schnitt 1.227 Euro bekamen die 8,2 Millionen Männer unter den Altersrentenbeziehern im Jahr 2021 monatlich ausgezahlt, die 10,3 Millionen Altersrentnerinnen sogar nur 807 Euro. Der jährliche Rentenversicherungsbericht der Bundesregierung betont deshalb schon lange: „Der Rückgang des Sicherungsniveaus vor Steuern (des Rentenniveaus, d. Red.) macht deutlich, dass für die Versicherten Handlungsbedarf besteht, die Einkommen im Alter zu verbessern.“

Es gibt sie aber dennoch: eine kleine Seniorengruppe, die auch von der gesetzlichen Rente ziemlich gut leben kann. Das geht aus der Übersicht 6 im Anhang des jüngsten Rentenversicherungsberichts hervor. Demnach hatten deutschlandweit genau 50 Rentner – ausschließlich Männer – im vorvergangenen Jahr mindestens 50 Versicherungsjahre auf dem Rentenkonto gesammelt, in denen sie durchschnittlich mehr als 1,8 Entgeltpunkte pro Jahr erzielten – insgesamt also über 90 Entgeltpunkte, aus denen aktuell eine Brutto-Monatsrente von mehr als 3240 Euro resultiert. Das entspricht einer Nettorente von rund 2900 Euro, im Einzelfall aber auch über 3000 Euro. Ein (1,0) Entgeltpunkt ist der Rentenanspruch, den Durchschnittsverdiener mit einem Jahresverdienst von derzeit etwa 43.100 Euro durch ein Jahr Zahlung von Rentenbeiträgen erzielen. Wie die sehr kleine Zahl der Toprentenbezieher zeigt, wird bei Bezügen jenseits der 3000-Euro-Marke die Renten-Luft allerdings sehr dünn. 

Einige hundert weitere Rentnerinnen und Rentner ebenfalls mit hohen Bezügen

Neben den wenigen Spitzenrenten-Beziehern dürften auch einige hundert weitere Frauen und Männer auf Bruttorenten über 3000 Euro kommen. So hatten 2021 der DRV-Statistik zufolge fast 2400 Männer und 67 Frauen zwischen 45 und 49 Versicherungsjahren auf dem Rentenkonto, in denen sie wie die Bezieher der höchsten Renten während des Berufslebens jährlich im Schnitt mehr als 1,8 Entgeltpunkte erworben hatten. Wer von ihnen zum Beispiel 47 Versicherungsjahre mit sehr hohem Entgeltpunkt-Wert zurückgelegt hat, kommt in den alten Bundesländern derzeit auf knapp 3050 Euro Monatsrente, in den neuen Ländern auf 3005 Euro – brutto wie gesagt. 

Was aus der Rentenstatistik ebenfalls hervorgeht: Mehr als 87 Prozent der Altersrenten nach besonders langer Erwerbsbiografie und mit hohem jährlichen Rentenanspruch werden in den alten Bundesländern ausgezahlt. Ein Zeichen dafür, dass das Lohnniveau im östlichen Teil Deutschlands immer noch Nachholbedarf hat.

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Autor

Stefan Thissen