Finanzen / 26.03.2018

Langzeitprojekt Hausfinanzierung

Ein eigenes Haus? Für viele Paare ist das ein großer Traum. Wer ihn wahr machen will, sollte das Projekt gut vorbereiten.

Bremen (dpa/tmn). Verliebt, verlobt, verheiratet – und dann eine Familie gründen und in die eigene Immobilie einziehen. Viele Paare gehen diesen Weg, doch der ist nicht immer einfach. „Die größte Gefahr ist, dass das überstürzt gemacht wird“, sagt Annabel Oelmann von der Verbraucherzentrale Bremen. Denn ein Haus oder eine Wohnung zu kaufen, ist ein großes Projekt.

Finanzierung einer Immobilie ist ein gemeinsames Langzeitprojekt

„Die Entscheidung sollte unbedingt gemeinsam getroffen werden“, betont Oelmann – das ist das Wichtigste. Denn wenn sich nur einer der Partner für die Sache einsetzt, zieht sich der andere womöglich irgendwann zurück. Und das kann schnell zu Streit führen.

„Paare sollten alles am besten immer offen besprechen, damit es nicht zu Irritationen kommt.“ Denn die Finanzierung einer Immobilie ist meist ein Langzeitprojekt. Abgezahlt ist ein Haus oder eine Wohnung oft erst nach 20 oder 30 Jahren. In dieser Zeit kann die Beziehung viele Höhen und Tiefen durchlaufen.

Max Herbst plädiert deshalb dafür, die Finanzierung nicht nur sicher aufzustellen, sondern auch klar zu regeln. „Wenn beide Partner Eigentümer sind, sollten beide auch den Kreditvertrag unterschreiben“, erklärt der Inhaber der FMH-Finanzberatung in Frankfurt am Main. Die Banken machten dies oft zur Bedingung. Aus Sicht der Institute hat das den Vorteil, dass sie beide in Haftung nehmen können, falls die Finanzierung zusammenbricht.

Wer das Geld verdient, sollte die Finanzierung regeln

Wenn aber nur einer der beiden Partner hauptsächlich das Geld für die Immobilie aufbringt, sollte auch nur dieser die Finanzierung regeln. „Wenn das Objekt dem anderen gehört, warum sollte ich dann unterschreiben?“, fragt Herbst. Für Paare ohne Trauschein könne es auch eine Möglichkeit sein, getrennte Kredite aufzunehmen.

Flexibler Kreditvertrag mit langer Zinsbindung ratsam

Generell sollte der Kreditvertrag Flexibilität bieten. Dies ist laut Experte wichtiger als die Zinshöhe, weil das Darlehen der Lebenssituation angepasst werden kann – etwa, wenn ein Gehalt wegen der Familienplanung ganz oder teilweise wegfällt. „Die Finanzierung muss sich nach dem Leben richten, nicht umgekehrt.“

Aus Sicht von Herbst ebenfalls wichtig: eine lange Zinsbindung. Noch sind die Zinsen historisch niedrig. In einigen Jahren kann das schon wieder anders aussehen. „Eine Zinsbindung unter 15 Jahren ist nicht sinnvoll“, sagt der Fachmann.

Längere Kreditlaufzeiten sind zwar etwas teurer, das könne sich bei einem Zinsanstieg in der Zukunft aber schnell bezahlt machen.

Derzeit kostet ein Immobilienkredit mit einer Laufzeit von 10 Jahren laut FMH im Schnitt 1,58 Prozent Zinsen. Bei einer Laufzeit von 15 Jahren zahlen Kunden derzeit durchschnittlich 1,98 Prozent, bei 20 Jahren Zinsbindung 2,18 Prozent und bei 25 Jahren 2,27 Prozent.

„Wenn Sie diese Unterschiede bei Ihrer Finanzierung schon an Ihre Grenzen bringen, sollten Sie das Ganze noch mal überdenken“, rät Herbst.

Finanzierung absichern, zum Beispiel mit einer Risikolebensversicherung

Die Finanzierung sollte – insbesondere in Haushalten mit Kindern – stets abgesichert werden. Oelman rät zur Risikolebensversicherung. Denn dann steht der Hinterbliebene nach einem plötzlichen Tod des Partners nicht vor dem finanziellen Fiasko. Abgesichert werden sollten der Immobilienkredit plus mindestens ein Jahreseinkommen.

Absicherung durch Restschuldversicherung

Eine andere Möglichkeit ist eine Restschuldversicherung. Empfehlenswert sind nach Ansicht der Stiftung Warentest Policen, die jedes Jahr an die Restschuld des Darlehens angepasst werden. Der letzte Test im August 2017 brachte allerdings deutliche Preisunterschiede zutage. Versicherte zahlten für den Schutz bei der gleichen Immobilienfinanzierung zwischen 974 und 3108 Euro.

Wer im Grundbuch steht, dem gehört das Haus

Wichtig ist der Eintrag im Grundbuch. „Wer im Grundbuch steht, dem gehört das Haus“, erklärt Oelmann. Auch diese Frage sollten Paare ehrlich klären. Sonst kann es vorkommen, dass ein Partner zwar die finanzielle Last für das Familiendomizil mitträgt, aber nicht im Grundbuch steht. Oder nur einer finanziert die Immobilie, trotzdem stehen beide im Grundbuch – und das Haus gehört beiden zur Hälfte.

„Das kann aber auch gewollt sein“, sagt Oelmann. Denn ein solcher Eintrag kann der Vorsorge für den ehelichen Krisenfall dienen. Zum einen sichert ein alleiniger Kreditnehmer seine Ansprüche an der Immobilie ab. Zum anderen bekommt der wirtschaftlich schlechter gestellte Partner die Chance, um den Erhalt des Hauses zu verhandeln und dadurch zum Beispiel Kindern das Zuhause zu erhalten.

Eine andere Möglichkeit sei, ein Wohnrecht für einen der Partner im Grundbuch zu verankern, erklärt Herbst. Denn dann könne der Eigentümer diesen nach einer Trennung nicht einfach aus dem Haus werfen.

Allerdings birgt eine solche Regelung viel Konfliktpotenzial, gibt Oelmann zu bedenken. „Das kann unter Umständen den Rosenkrieg im eigenen Haus bedeuten.“

Weitere Informationen

www.test.de
Test von Restschuldversicherungen der Stiftung Warentest (zum Teil kostenpflichtig)

Autor

 Deutsche Presseagentur – Themendienst