Gesundheit / 01.09.2022

Lauterbach plant deutschandweit 1000 Gesundheitskioske

Die Einrichtungen sollen als niedrigschwelliges Angebot die Gesundheitsversorgung in ärmeren Regionen verbessern.

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach, SPD. Bild: IMAGO / Political-Moments

Hamburg (dpa). Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach will langfristig in ganz Deutschland rund 1000 Gesundheitskioske für Patientinnen und Patienten in sozial benachteiligten Regionen einrichten. Vorbild ist dabei Hamburg, wo der SPD-Politiker am Mittwoch im Stadtteil Billstedt den dort bereits seit 2017 bestehenden Gesundheitskiosk besuchte. „Das hier ist der Prototyp“, sagte der Minister.

Pro 80.000 Menschen ein Kiosk

Lauterbachs Gesetzesinitiative zufolge besteht die Hauptaufgabe der Kioske darin, den Zugang zur Versorgung von Menschen mit besonderem Unterstützungsbedarf zu verbessern. Das gelte für Menschen mit und ohne Krankenversicherung, für Leute ohne Hausarzt oder für Patientinnen und Patienten mit Sprachbarrieren. Entscheidend sei, dass die Angebote niedrigschwellig seien, sagte Lauterbach.

„Deutschland hat in der Vorbeugemedizin ein recht gutes Angebot, es wird aber meistens dort angeboten, wo man es am wenigsten benötigt“, sagte Lauterbach mit Blick auf vermögendere Stadtteile. Ziel sei, pro 80.000 Menschen einen Kiosk zu errichten. „Im Vordergrund muss die Armut des Stadtteils stehen“, betonte Lauterbach. Er gehe auch davon aus, dass sich die Kioske nicht nur selbst tragen, sondern das Gesamtsystem sogar entlasten werden. Denn durch sie würden jene Menschen erreicht, auf die man sonst erst in der Notaufnahme stoße und die dann für viel Geld im Krankenhaus versorgt werden müssten.

Blutdruck messen und Spritzen geben

So sollen die Kioske für die Patientinnen und Patienten unter anderem medizinische Behandlung vermitteln, beraten und bei der Klärung gesundheitlicher und sozialer Angelegenheiten unterstützen. Außerdem sollen von Ärzten veranlasst in den Kiosken Pflegefachkräfte einfache medizinische Routineaufgaben erledigen, etwa Blutdruck und Blutzucker messen, Verbände wechseln und Spritzen verabreichen.

Initiiert werden sollen die Anlaufstellen von den Kommunen, die Kosten sollen zu 74,5 Prozent die gesetzliche Krankenversicherung, zu 5,5 Prozent die privaten Krankenkassen und zu 20 Prozent die Kommunen übernehmen. Die Vorstandsvorsitzende des AOK Bundesverbandes, Carola Reimann, forderte eine Kostenübernahme von 50 Prozent durch die Kommunen.

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 Deutsche Presseagentur