Finanzen / 12.03.2020

Lebensversicherungen: Sinkt Garantiezins unter 0,5 Prozent?

Medienbericht: Zinssatz, den Finanzdienstleister für die Vertragslaufzeit fest zusagen dürfen, könnte für Neukunden ab 2021 auf 0,4 Prozent sinken.

Bild zum Beitrag "Sinkt Garantiezins für Lebensversicherungen unter 0,5 Prozent?". Das Bild zeigt die Hände eines älteren Mannes mit Geldscheinen in den Händen.

Bad Homburg (sth). Die Rendite von Lebensversicherungen und Anbietern betrieblicher Altersvorsorge könnte weiter sinken. Laut einem Bericht des "Manager Magazin" wollen Bundesregierung und Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) den Finanzdienstleistern für Neuverträge, die ab 2021 abgeschlossen werden, nur noch einen Garantiezins – offiziell: Höchstrechnungszins – von höchstens 0,4 Prozent zugestehen. Bisher war in der Branche für Neuverträge ab dem kommenden Jahr über einen Garantiezins von 0,5 Prozent spekuliert worden. Derzeit wird der Sparanteil von neu abgeschlossenen Lebensversicherungen noch über die gesamte Vertragslaufzeit mit mindestens 0,9 Prozent verzinst.

Die BaFin wollte sich dem Bericht zufolge zu den Informationen nicht äußern, das Bundesfinanzministerium sei nicht für eine Stellungnahme erreichbar gewesen. Die Deutsche Aktuarvereinigung (DAV), der Verband der Versicherungsmathematiker, der traditionell den Vorschlag über die weitere Zinsentwicklung bei den Lebensversicherungen unterbreitet, hatte im Dezember eine Senkung auf 0,5 Prozent ab 2021 vorgeschlagen. Die Entscheidung über den künftigen Höchstrechnungszins muss nach Branchenangaben bald fallen, da die Lebensversicherungen einen Vorlauf von etwa neun Monaten benötigen, um die Tarife neu berechnen zu können.

BaFin warnt vor Schlussverkauf

Die BaFin warnte die Branche offenbar bereits, die Senkung des Garantiezinses zu einer Art "Schlussverkauf" für Policen mit dem bisherigen Satz zu nutzen. "Wir erwarten von den Unternehmen, dass sie genau überlegen, welchen Zins sie ansetzen können", zitiert das "Manager Magazin" einen Sprecher. "Die am Kapitalmarkt erzielbaren Renditen liegen aktuell deutlich unter dem Höchstrechnungszins. Es widerspräche gutem Risikomanagement, wenn man diesen unreflektiert zur Grundlage für Beiträge und Leistungen im Neugeschäft verwenden würde."

Branchenweit hat der Garantiezins in den vergangenen Jahren immer mehr an Bedeutung verloren. Denn viele Lebensversicherer bieten wegen verschärfter Regulierungsbedingungen und der niedrigen Zinsen im Neugeschäft nur noch Produkte ohne oder – etwa ein Drittel der gut 80 Lebensversicherer – mit geringen Garantien an. Laut Daten des Gesamtverbandes der Versicherungswirtschaft (GDV) machen Garantieprodukte aber immer noch fast ein Drittel des Neugeschäfts aus. An bestehenden Verträgen, für die zum Teil noch Garantiezinsen von vier Prozent gezahlt werden müssen, ändert sich durch die geplante Neuregelung nichts.

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Autor

Stefan Thissen